Sommerfestival Kittsee: 7.Juli 2023: „FEUERWERK“

Elisabeth Schwarz, Michael Havlicek, Thomas Sigwald. Foto: Conny de Beauclair
„O mein Papa war eine wunderbare Clown“ hat mir nie gefallen – auch hab ich Lili Palmer, die untrennbar mit diesem Lied verbunden ist, nicht gerade geliebt. Darum bin ich mit eher gemischten Gefühlen in den äußersten Osten unseres Bundesgebietes gefahren – und voller Begeisterung zurückgekehrt: sommerliche Kost der allerersten Güte nämlich wurde von Intendant Christian Buchmann und einem hervorragenden Ensemble geboten. Das an sich läppische Stück wurde dank der großartigen Interpretationen der engagierten Personen quasi geadelt und von der fröhlichen Stimmung ließ sich das begeisterte Publikum anstecken und verließ ganz sicher voll Freude und beschwingt das Schloß, das eine wunderbare Kulisse bot, wo Manfred Waba gekonnt wie immer das Bühnenbild und tolle Lichtstimmungen davor und darauf hinzauberte, Anna Sophie Lienbacher wirkungsvolle Kostüme beisteuerte. „Wiener Charme“ hieß das „Orchester“ aus 8 Mann zusammengesetzt, vom erfahrenen Christian Pollack mit ebensolchem geleitet, die das musikalische Fundament bildeten und immer im Einklang mit den Solisten die musikalischen Nummern zum Blähen brachten. Wenn man vielleicht eine „Trias“ herausheben möchte, dann wären das das Liebespaar Anna und Robert, sowie der Zirkusdirektor Obolski. Mit blühendem, silbrigen Sopran und einer erfrischenden Natürlichkeit und Liebreiz stob Elisabeth Schwarz als das Töchterlein Anna über die Bühne, die zuerst der Zirkuswelt zu verfallen schien, dann aber doch lieber zu Hause bleibt, auch um ihren Robert, dem Gärtner der Familie endgültig ihr Herz zu schenken. Der Verdient dieses liebe Geschöpf auch voll und ganz: Michael Havlicek ist so ein sympathischer, überzeugender Robert, singt mit seinem kernigen Bariton wortdeutlich, geschmackvoll, einfach hervorragend und überzeugt auf allen Linien. Über weite Strecken dominierte Thomas Sigwald als Zirkusdirektor Obolski das Geschehen: wortdeutlich und prägnant serviert er seine Gesänge, und überzeugt durch eine große Persönlichkeit als charmanter „Verführer“ in die Welt des Zirkus. Von „Magic Christian“ hat er einige verblüffende Zauberkunststücke gelernt, die er souverän darbietet, „Chapeau“! Seine Frau Iduna, der die großen Hits „O, mein Papa“ und das Lied vom Pony das Johnny heißt, in die Kehle gelegt werden, war bei Alexandra Reinprecht bestens aufgehoben. Sehr überzeugend ihre mit französischem Akzent dargebotene Prosa und ihre Souveränität, mit der sie nicht nur mit ihrem Aussehen und ihrer freizügigen Kostümierung ihre drei Schwager um den Finger wickelte. Daniel Ohlenschläger war einer davon, der Landwirt Oberholzer, dessen Frau Berta Shlomit Butbul – beide mit köstlichem Gehabe und tadellosem Gesang – sich köstlich mit ihren anderen Schwägerinnen gegen Obolski und Iduna „verbündeten. Als verschrobener Professor war Christian Drescher ausgezeichnet besetzt und seine Frau Lisa – Regula Rosin – nutzte ihre Herkunft und war in leichtem „Schwyzerdütsch“ ein willkommener bunter Tupfen im Geschehen. Als Regierungsrat war Gerhard Ernst wieder eine „Type“ – er führte auch mitreissend Regie – obwohl ihm diesmal seine Frau Paula „piefkeneselnd“ aus Hannover stammend in Gestalt der hinreissenden Regina Schörg fast die Show stahl. Im mittleren „Zirkusakt“ , wo die drei Brüder als Clowns auftreten, waren die drei Damen als „Raubkatzen“ – in entsprechenden Kostümen – dressiert vom Diektor Obolski hinreissend, wobei Schörg am Ende Sigwald die Dressurpeitsche entwendete und als „Domina“ das Publikum aufforderte, sie sofort anzurufen… dies hätte können auch peinlich oder ordinär werden- doch nein, es war mit „Schmäh“ und wirklich lustig! Bleiben noch die Eltern von Anna, Albert, Peter Horak als Geburtstagskind – zu seinem Sechziger trifft sich die ganze Verwandtschaft – und die sehr überzeugende Karoline in Gestalt von Stefanie Kopinits, sowie die köstliche Köchin Kati – Gabriele Schuchter. Großer Applaus, vergnügte Gesichter – Bravo , so soll niveauvolles Unterhaltungstheater sein: meine Tip- auf nach Kittsee!
Michael Tanzler

