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JOSEPH HAYDN: CEMBALOSONATEN

28.03.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

 

 

 

 

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JOSEPH HAYDN: CEMBALOSONATEN
FRANCESCO CORTI  

Evicence Classics CD; Ein Wurf!

“Aber man nenne mir auch nur ein einziges Produkt von Hayden, wo Laune nicht immer merklicher Zeuge wäre? Man wird keines finden.“
L.
Junker, Zwanzig Komponisten, Bern 1776

Niemand denke, zu Haydn sei schon alles gesagt worden. Richter, Buchbinder oder Brendel haben auf modernen Klavieren große Interpretationen der Haydn’schen Klaviersonaten hinterlassen. Die Diskographie ist reich, die Konzerthäuser setzen Haydns Sonaten allerdings nach wie vor viel zu wenig auf ihre Spielpläne. Davon waren die ersten für Cembalo oder Clavichord, die späteren schon für das Klavier (Pianoforte) geschrieben worden.

Der italienische Tausendsassa Francesco Corti (Continuo Spieler, Dirigent, Pädagoge) hat sich nun einiger dieser früheren Sonaten Haydns Hob. XVI: 26, 31, 32, 37 und 46, seiner Fantasia in C-Dur und des Capriccios in G-Dur “Acht Sauschneider müssen seyn“  mit viel Akribie, einer stupenden Fingerfertigkeit im Anschlag, Humor und Spielfantasie angenommen. Auf seinem Cembalo von David Ley nach einem Instrument von J. H. Gräbner aus 1739  versucht er, das so mitreißende Klavierwerk Haydns aus der Perspektive der spätbarocken Komponisten und Vorbilder Carl Philipp Emanuel Bach, Domenico Scarlatti, Georg Christoph Wagenseil und was den Kontrapunkt betrifft, Johann Joseph Fux, zu deuten.

Also wählt Corti das Cembalo nicht aus klanglich historisierender Sicht, sondern – und es kann gesagt werden, mit Erfolg und überzeugend – die interpretatorische Freiheit der barocken Modelle mit Laune bis zum Anschlag nutzend. Das klingt aber nie manieriert oder gewollt anders, sondern Corti bleibt den strengen Formen ebenso treu wie dem Experimentalcharakter und der Ironie mancher Stücke. Immerhin geht es etwa bei dem Capriccio der Sauschneyder um die „bedeutende“ landwirtschaftliche Frage, wie viele Männer nötig seien, um eine Sau zu kastrieren…

Francesco Corti hat bislang solo und als Partner (u.a. des Flötisten Erik Bosgraaf) viel beachtete und hochgelobte Alben mit Musik von Telemann, C.P.E. Bach, J.S. Bach, Couperin und Händel aufgenommen. Seine neue Haydn CD, die die Modernität und die Vielfalt der musikalischen Invention des Komponisten abseits jeder Klischees in delikateste Klangsprache transponiert, ist eine Offenbarung. Niemals hat Haydn vitaler, zupackender, flinker, aber auch filigran raffinierter und farbiger geklungen. Anhören!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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