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JOSEPH CALLEJA „VERDI“ – Arien, Duette mit Angela Gheorghiu und Vittorio Vitelli; DECCA CD

20.02.2018 | Allgemein, cd

JOSEPH CALLEJA „VERDI“ – Arien, Duette mit Angela Gheorghiu und Vittorio Vitelli; DECCA CD

Manche Opernstars singen auf ihren Solo CDs ihr von der Bühne her bekanntes Repertoire, andere wählen einen Querschnitt durch das Schaffen des Komponisten (vgl. Jonas Kaufmanns Verdi und Puccini Alben). Calleja wiederum geht auf seinem neuesten Verdi Album einen eigenen Weg: Er stellt ausschließlich Verdi-Rollen vor, die er noch nicht on stage verkörpert hat, dies aber wahrscheinlich in den nächsten Jahren tun wird. Der Hörer kann sich also schon jetzt eine Vorstellung davon machen, was ihn bei künftigen Rollendebüts Callejas erwarten wird.

Aida, Il Trovatore, La Forza del Destino, Don Carlo und Otello heißen die Opern, Radamés, Manrico, Don Alvaro, Don Carlo und natürlich Otello die zugehörigen Tenorhelden mit ihren für das italienische Fach wohl gesangstechnisch höchst anspruchsvollen Partien. Die Königsdisziplin sozusagen. Calleja hat aber auch den rumänischen Sopranstar Angela Gheorgiu eingeladen, mit ihm das Liebesduett aus dem ersten Akt des Otello zu singen sowie den Bariton Vittorio Vitelli, der in Duetten aus La Forza del Destino („Invano, Alvaro“), Don Carlo („Dio, che nell’alma infondere“) und Otello („O‘ mostruosa colpa! Si, per ciel marmoreo Giuro!“) Don Carlo, Rodrigo und Jago verkörpert.

Joseph Calleja ist derzeit in top Form. Geschickt bewältigt er die großen gesangstechnischen Hürden des Manrico und Otello, ohne den lyrischen Kern seines Tenors zu verleugnen. Calleja ist zweifelsohne ein großer Stilistiker. Der bestens fokussierten Stimme ist ein silbriges Timbre mit kurzem Edelvibrato zu Eigen. Wie Luciano Pavarotti kann er auf dem berühmt-berüchtigten hohen C am Ende der Stretta „Di quella pira“ aus „Il Trovatore“ Hochhäuser bauen – den mörderischen Schlusston kurz abgesetzt, wie es sich gehört. Calleja eigentliche Stärke liegt jedoch nicht in der Ritterschaft zum hohen C, sondern in der Kunst der Phrasierung, des Legato, der Eleganz des Vortrags, in gekonnten Crescendi und atemberaubenden Diminuendi (Schluss der Romanze des Radames), 1. Akt Aida). Aber auch mit der Gabe des mit rein vokalem Feintuning erzielbaren emotionalen Effekts ist Calleja gesegnet, wie der Schluss Otellos aus dem 4. Akt „Niun mi tema“ belegt. Allerdings kann Calleja nicht immer aus dem Vollen schöpfen, der Einsatz der Mittel bleibt stets kalkuliert und kontrolliert. Das verbindet ihn mit seiner Partnerin Angela Gheorghiu im Liebesduett aus dem ersten Akt Otello. Gheorghiu ist noch immer Gheorghiu, allerdings schleicht sich schon ein wenig Rauchgrau in die Mittellage, bisweilen mangelt es der Stimme an Glanz und dem Vortrag an Projektion. Ob es sicher ist, dass es zu dem Rollendebüt auf der Bühne noch kommen wird? Wer weiß. Vittorio Vitelli ist ein guter Kavaliersbariton, der in den Duetten anständig mithalten kann.

Das Orquestra de la Comunitat Valenciana unter Ramón Tebar spielt solide, mehr aber auch nicht. Andrea Bocelli hat für das Booklet eine, nun ja, „persönliche Notiz“ verfasst.

Tipp: In Österreich wird Joseph Calleja 2018 seinem Kalender nach zu schließen nur beim Festival in Grafenegg in zwei Konzerten mit Orchesterbegleitung am 21. und 22. Juni zu hören sein.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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