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JOSEF FRANK ( 1885-1967)

28.05.2016 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover  Josef Frank

Marlene Ott-Wodni:
JOSEF FRANK ( 1885-1967)
Raumgestaltung und Möbeldesign
Publikationsreihe der Museen des Mobiliendepots
396 Seiten,
Böhlau Verlag, 2015

Manche Künstler müssen auf ihre Wiederentdeckung warten, aber sie kommt – wie im Fall von Josef Frank. Eine große Ausstellung im Wiener MAK, aber, beständiger noch, ein voluminöser Bildband, herausgegeben von den Museen des Mobiliendepots. Autorin Marlene Ott-Wodni setzt sich auf die Spuren des Künstlers, der lange Zeit in Schweden, wohin die Emigratiion ihn verschlagen hatte, wahrscheinlich populärer war als in seiner österreichischen Heimat. Nun holt man ihn voll ins Bewusstsein zurück.

Der knapp 400 Seiten dicke, großformatige, durchgehend bebilderte Band basiert auf Franks reichhaltigem Nachlass, teils in Österreich, teils in Schweden, ergänzt durch Zeitschriftenmaterial, in dem er zu Lebzeiten dokumentiert und gewürdigt wurde. Die Beschäftigung mit dem 1967 Verstorbenen geht zwar schon einige Jahrzehnte zurück, aber dieses Buch kann als Zusammenfassung aus österreichischer Sicht betrachtet werden, wobei die Vorgangsweise übersichtlich chronologisch erfolgt.

Josef Frank wurde am 15. Juli 1885 als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Textilhändlers in Baden bei Wien geboren, wobei Baden der Sommersitz der in Wien ansässigen Familie war. Schon seine Mutter entwarf Stoffe. Die vier Kinder wurden alle auf ihre Art bedeutend – Bruder Philipp als Physiker, Bruder Rudolf als Kunstgewerbler, und Schwester Hedwig heiratete mit Karl Tedesko so wohlhabend, dass das Ehepaar zu den ersten Auftraggebern von Josef Frank als Architekt gehörte. Das Schlafzimmer für die beiden (1910), gestaltet von dem 25jährigen, ist eines der ersten Fotos einer Frank-Arbeit in dem Buch.

Frank wurde Architekt und Innenarchitekt, der sich international orientierte, in Italien ebenso wie in England, weit weniger an der stringenten Wiener Kunst der Zeit (Wiener Werkstätte) anknüpfend. 1925 hat Frank mit Kollegen, darunter Oskar Strnad, um die Räumlichkeiten des Hofmobiliendepots (jenes, das heute dieses Buch herausgibt) angesucht, um dort eine Möbelfirma zu errichten. Das wurde abgelehnt, aber die Firma „Haus & Garten“ wurde dennoch andernorts (Geschäftslokal Bösendorferstraße) begründet und befasst sich bis zur „Arisierung“ 1938 erfolgreich mit der Herstellung von unkomplizierten Möbeln, Textilien und Wohnungsaccessoirs.

Die Tatsache, dass das Buch alles Geschilderte an Ort und Stelle bildlich zeigen kann, macht dies Arbeiten von Josef Frank – der weniger als „Moderner“ galt als vielmehr ein Mann, in dessen Einrichtungen man gut leben konnte – so anschaulich.

Was Frank in diesen erfolgreichen Jahren geschaffen hatte, konnte er als Idee in das schwedische Exil, als Hausdesigner der schwedischen Einrichtungsfirma Svenskt Tenn, mitnehmen. Dort her Josef Frank seine zweite Karriere  (oder die erste Karriere bruchlos fortsetzend) so anerkannt gestaltet, dass er heute als „schwedischer Künstler“ gilt – der auch nicht bereit war, nach dem Krieg nach Österreich zurück zu kehren. Er starb 1967 in Stockholm. Mit diesem Buch hat man seine Leistungen nicht nur im Überblick, sondern auch im Detail – in Text und Bild – nun wieder.

Renate Wagner

 

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