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JONAS

19.01.2012 | FILM/TV

Ab 20. Jänner 2012 in den österreichischen Kinos
JONAS
Deutschland  /  2011
Regie: Robert Wilde
Mit: Christian Ulmen und den Schülern und Lehrern der Gesamtschule Paul-Dessau in Zeuthen / Brandenburg

Schulfilme haben im deutschen Kino eine besondere Tradition, von der legendären, nachgerade poetischen  „Feuerzangenbowle“ bis zum „Pauker“ und den „Lümmeln in der ersten Bank“, die ungezählte klamottige Fortsetzungen erlebten. In diese Linie kann man „Jonas“ von Regisseur Robert Wilde und Schauspieler Christian Ulmen, der sich für dieses seltsame Unternehmen das Drehbuch selbst schrieb, nicht einreihen. Man wird sich überhaupt schwer tun, wenn man den Film auch nur schildern möchte. Es ist eine Semi-Doku mit einem prominenten deutschen Entertainer, der vieles kann und offenbar vieles will. Aber was wollte Christian Ulmen denn eigentlich?

Er spielt Jonas, einen 18jährigen, wobei er seine tatsächlichen mittlerweile 36 Lebensjahre nicht verleugnen kann und will. Dieser Jonas ist ein mehrfacher Durchgefallener und Schulabbrecher, der nun noch eine Chance bekommt (was ihm die Lehrer mit bedenklicher Miene mitteilen).

Er darf in eine zehnte Klasse der Gesamtschule Paul-Dessau in Zeuthen / Brandenburg, und die ist echt, ebenso wie die Schüler, die Lehrer, der mitgefilmte Unterricht. Das wird zumindest behauptet, aber natürlich ist hier viel zu viel „gestaltet“, als dass man es wirklich glauben möchte. Nur dass Ulmen eben von Laien umgeben ist, die sich absolut natürlich gebärden. Lauter Talente…

Dass Jonas sich jedoch in die Musiklehrerin verliebt (eine echt nette, etwa 40jährige, die das mit Lächeln über sich ergehen lässt) ist ebenso Kintopp wie die strategisch gezeigten Schulstunden mit wichtigen Themen (Schöpfung, Gott und dergleichen). Jedenfalls geht es heute in der Schule offenbar lockerer zu, als es die heutigen Erwachsenen erlebt haben. Viel lustiger ist es nicht. Und am Ende waltet das Klischee und kommt ganz dicke: Jonas in der Schülerband am Schlagzeug, aus voller Seele singend. Zurück auf die Schulbank!

Aber nein, so schön und vor allem interessant ist das gar nicht. Dem Film, von dem man vom Anfang bis zum Ende wirklicht nicht weiß, was er will, passiert nämlich etwas, was mit Sicherheit nicht vorgesehen war – er ist stellenweise so öde, wie man sich höchstpersönlich leidvoll an die Schule erinnert…

Also: eine Analyse ist es nicht. Unterhaltung auch nicht wirklich. Echten Problemen begegnet man auch kaum. Jonas, ach Ulmen, bist Du nicht wie alle vernünftigen Menschen froh, dass Du die Schule hinter Dir hast? Warum musst Du Sie noch auf die Leinwand schleppen?      

Renate Wagner

 

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