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JOHANN SEBASTIAN BACH: KANTATEN AUS DER WEIMARER ZEIT

25.05.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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JOHANN SEBASTIAN BACH: KANTATEN AUS DER WEIMARER ZEIT, harmonia mundi CD – Carolyn Sampson, Andreas Wolf, Freiburger Barockorchester

Jede Beschäftigung mit der Musik Bachs ist eine Bereicherung, musikalisch, humanistisch, oftmals eine Übung in Bescheidenheit; immer ein Frischebad für Gedanken und Wohlbefinden in einer schnelllebigen Zeit, „slow food“ für die Ohren. Die neue CD des Freiburger Barockorchesters unter der musikalischen Leitung von Petra Müllejans (auch 1. Violine) befasst sich mit drei Frühwerken Bachs aus der Weimarer Zeit, denen hoher Experimentalcharakter, aber auch einfach himmlische Musik zu Eigen ist. Für seinen Biografen Philipp Spitta sind die neun Jahre, die Bach ab 1708 in Weimar verbrachte, zunächst als Organist und später als Konzertmeister des Herzogs von Sachsen-Weimar, gleichbedeutend mit einer Phase einer ersten Reife.  Noch ohne den Zwang aus der Leipziger Zeit, für jeden Sonntag eine Kantate abliefern zu müssen, atmet jede Arie etwa der wunderbaren Hochzeitskantate „Weichet nur, betrübte Schatten“ BWV 202 für Sopran etwas unglaublich Unbeschwertes, Schwebendes. Glückhaft wird das Erwachen der Natur nach dem Ende des Winters besungen, da eilt Phoebus mit schnellen Pferden durch die neugeborne Welt und auch Amor sucht sein Vergnügen, wenn Purpur in den Wiesen lacht und Florens Pracht sich herrlich macht. 

Die wunderbare Carolyn Sampson intoniert glockenrein mit herrlich duftig aufblühendem Sopran die Einfachheit der Gefühle und vermag auch mit technischer Meisterschaft die lautmalerischen Verzierungen spielerisch in Klang zu transponieren. Die Stimme ist instrumental und vibratoarm geführt, von edler Textur und großer Farbendichte. Das kommt besonders auch der für heutige Hörer vielleicht naiv anmutenden, jedenfalls glaubensinnigen Ausdruckskraft der Kantate „Mein Herze schwimmt in Blut“ BWV 199 zugute, in der „mit äußerst wortmächtiger und bildreicher Sprache die Zerknirschung eines reumütigen Sünders geschildert wird. Bach fühlte sich offenbar von der expressiven Qualität der Dichtung angeregt, eine Musik zu schaffen, die den Ausdrucksnuancen selbst feinerster Regungen nachspürte und damit die Gattung der Kantate auf eine neue Ebene hob“ (Peter Wollny im Booklet). 

Als dritte Kantate im Bunde der Weimarer Zeit erklingt die Dialogkantate „Tritt auf die Glaubensbahn“ BWV 152. Statt einer Streicherbesetzung lässt Bach hier eine Blockflöte, eine Oboe, eine Viola d‘amore und eine Viola da Gamba  in wechselnden Kombinationen mit den beiden Singstimmen konzertieren. Den Basspart singt Andreas Wolf in apart lyrischer Tongebung. 

Das Freiburger Barockorchester tritt diesmal in kleiner Formation an. Die musikalische Leiterin Petra Müllejans sorgt für einen lebendig artikulierten, durchhörbaren Orchesterklang. Die Instrumente fungieren quasi als sangliche Counterparts der menschlichen Stimme. Vokales und Instrumentales verschmilzt so in Rede und Gegenrede zu hoher übergeordneter Harmonie.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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