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JOEP BEVING: PREHENSION

10.06.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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JOEP BEVING: PREHENSION – Deutsche Grammophon 2 LP

„Einfache Musik für komplexe Emotionen“ oder (allzu) banale Wohlfühlharmonien?

Klaviermusik solo steht auf dem Programm dieser Doppel-LP.  Zuerst denkt der Hörer an Keith Jarrett, aber bald mag er sich fragen, wo wohl die Steigerungen, das leidenschaftliche sich Festkrallen an einem Thema, der Sog, die Kraft geblieben sind? Der vierzigjährige Komponist und Musiker Joep Beving, einer der weltweit meist „downgelaodeten“ Pianisten, hat bei der Deutschen Grammophon sein neues Album mit dem Titel „Prehension“ publiziert. 

Der zwei Meter große Niederländer mit beeindruckender Bart- und Haarpracht macht es auf die ganz sanfte Tour, seine Improvisationen umschmeicheln das Ohr wie der Wind am Meer. Die „zurückgenommenen, ausdrucksvollen, wehmütigen Melodien“ sollen der (geplagten) Seele helfen, zur Ruhe zu kommen. Wohl geprägt von seinem Job in der Werbebranche, welche Begleitmusik für Werbekampagnen schuf, veröffentlichte er zuerst seine Klangkreationen bei Spotify. Ein Millionenpublikum lauschte und war bewegt. Schließlich hat die Universal nach einem Konzert im Berliner Klaviersalon Christophori vertraglich zugeschlagen und wird den esoterische Klänge hauchenden Pianisten wohl extrem gut verkaufen.

In Titeln wie „Ab Ovo“, „Kawakaari“, „The Gift“, „Impermanence“ oder „A Heartfelt Silence“ plätschern und plätschern die Töne wie Wassertropfen eines kleinen Wohnzimmer-Brunnens ins Ohr. Die Musik reizt spürbar gewisse Sinne, mein musikalisches Ohr allerdings verlangt nach mehr. Es gibt offenbar das Bedürfnis, sich mit solchen Klängen ein kleines Stück Glück zu zaubern und ich möchte das auch gar nicht herabwürdigen. Für mich tritt diese Musik auf der Stelle, sie verharrt in der Repetition und will Erdung herstellen bzw. vermeiden, je nach dem. Große Kunst? Eher laues Aufploppen nach dem Strickmuster „Glatt – Verkehrt“, mehr Gefühligkeit als widerstreitende Emotion. Final stimme ich dem musikalischen Credo des Komponisten zu „Wenn es mich nicht berührt, berührt es mich nicht“. Also: Für diejenigen, die so einen Gehörgangmassage mögen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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