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JEAN SIBELIUS: IN THE STREAM OF LIFE

30.05.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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JEAN SIBELIUS: IN THE STREAM OF LIFE – Orchesterlieder, Romanze, Pohjolas Tochter, Die Okeaniden; GERALD FINLEY – Bergen Philharmonic Orchestra – CHANDOS SA-CD

Im Gedenken an Einojuhani Rautavaara (Weltersteinspielung der von ihm orchestrierten sieben Lieder „In the Stream of Life“)

Neben den berühmten sieben Symphonien und dem Violinkonzert basiert Sibelius‘ kompositorische Bedeutung und Ruhm vor allem auf dem Lied. Mehr als hundert lyrische Schöpfungen für Klavier und Singstimme sind bekannt, die meisten davon hat Sibelius auf Texte in schwedischer Sprache, wie etwa von Johan Ludvig Runeberg oder Viktor Rydberg, geschrieben. Nur wenige davon hat Sibelius selbst für Singstimme und Orchester bearbeitet, dafür haben andere Tonsetzer schon zu Lebzeiten des Schöpfers Orchesterfassungen erstellt. 

Der von Einojuhani Rautavaara mit hohem Einfühlungsvermögen die Modernität der Komposition betonend, erstklassig instrumentierte Zyklus „In the Stream of Life“ wurde von Gerald Finley und dem Bergen Philharmonischen Orchester im März 2014 uraufgeführt. Auch auf der vorliegenden Neueinspielung bildet dieser Zyklus das Zentrum, um den herum sich ausgewählte Lieder ranken, die von Naturbetrachtung und pantheistischen Gedanken getragen sind. Von berühmten Liedern wie „Auf dem Balkon am Meer“ oder „Der Diamant und der Märzschnee“ (eine unter der Sonne schmelzende Schneeflocke soll die komplette Hingabe des Lebens an die Liebe zum Ausdruck bringen) hören wir Lieder wie „In der Nacht“ über Frieden und Stille in einem nächtlichen Wald, oder „Komm herbei, Tod“, ein Narrenlied aus Shakespeares „Was Ihr wollt“. „Des Fährmanns Bräute“ ist eines der wenigen von Sibelius selbst orchestrierten Liedern (da wagnert es gehörig, das Rheingold lässt grüßen), auch ein original englischsprachiges Lied „Hymn to Thais, the Unforgettable“ wird von Gerald Finley mit mächtigem Bass- Bariton eindrucksvoll interpretiert . 

Dieser bewundernswerte kanadische Sänger hat durch jahrzehntelange kluge Rollen- und Repertoirewahl seine dicht granulierte Stimme mit der unverwechselbaren dunklen Farbe nicht nur halten, sondern immer weiter entwickeln können. Am Zenit seiner Möglichkeiten angelangt, begeistert Finley neben einer schieren Stimmurgewalt mit stupender Musikalität, textdeutender Phrasierungskunst und dramatischer Zuspitzung. Das tiefe Register ist von überwältigender Sonorität, wie ich das sonst nur von George London kenne. Das Bergen Philharmonic Orchestra unter der musikalischen Leitung von Edward Gardner sorgt stets für einen luxuriösen wahrhaft schneeglitzernden philharmonischen Klangteppich sowie stringente narrative Bögen. 

Die neue CD enthält zudem drei rein symphonische Nummern, die Romanze in C-Dur, Op. 42, für Streichorchester, das Orchesterstück „Pohjolas Tochter“, in dem Sibelius auf den Spuren von Richard Strauss wandelt, sowie die die Kraft des Meeres beschwörende symphonische Dichtung „Die Okeaniden“. Letztere entstand als Auftragsarbeit für das Norfolk Music Festival in Connecticut.

Klangtechnisch ist die Aufnahme ebenfalls exzellent realisiert, weiträumig und mit frappierender Tiefenstaffelung, transparent und mit hoher dynamischer Auflösung. Mehr davon in den Konzertsälen bitte!

 

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