Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

JAHRBUCH DER OPERNFREUNDE 2022

12.10.2022 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

opwnjahrbuch x

JAHRBUCH DER OPERNFREUNDE 2022
Gesamtredaktion Rainhard Wiesinger
164 Seiten plus 66 Seiten Anhang  im Eigenverlag, 2022

Alle Jahre wieder (und das schon seit über 30 Jahren!) bringt der Verein der Freunde der Wiener Staatsoper sein Jahrbuch heraus (und nun gibt es dafür auch nicht mehr, wie in der Ära von Dominique Meyer, eine Konkurrenzpublikation von der Staatsoper selbst). Unentbehrlich für Opernfreunde erstens, wie immer, als Nachschlagewerk über die Besetzungen der abgelaufenen Saison, bis in die letzte Nebenrolle in den Opern, bis zu jedem Ballettstück. Wenn man Besetzungszettel einmal in der Eile nicht finden kann – das Jahrbuch steht im Bücherregal, hier ist mit einem Griff alles vorhanden.

Auch sonst hat sich die Gliederung des Werks bewährt, und nach der Erkenntnis, „Never change a winning team“, bleibt man dabei. Da sind zuerst die Vorschauen auf die Premieren der laufenden Saison, wobei die Autoren oft Basiswissen geschickt mit Spezialwissen verschränken.

Sehr interessant ist auch der historische Rückblick auf Besetzungen (Opernfreunde lieben so etwas): So gab es in Wien vor der bevorstehenden „Salome“ nach 1955 nur zwei legendäre Produktionen – jene von Wieland Wagner 1965 mit Anja Silja (in einer düsteren Höhle angesiedelt), und die Lieblingsproduktion der Wiener, 1972 von Boleslaw Barlog, in der verführerischen Jugendstil-Ausstattung von Jürgen Rose, damals war Leonie Rysanek die Salome. Die neue Produktion tritt in große Fußstapfen.

Ein Höhepunkt jedes Jahrbuchs sind die Künstlergespräche, die grundsätzlich sehr informativ sind, locker gehalten, auch Privates berührend (so erzählt Pretty Yende, wie sie zu ihrem ungewöhnlichen Vornamen kam), aber mit dem Schwerpunkt auf Biographischem und künstlerischen Fragen. Hier begegnet man dem Star der Ära Roscic, Asmik Grigorian (die gar keine Lieblingsrolle nennen kann) – und vielen Herren aller Stimmlagen, darunter Ildar Abdrazakov, bevor seine letzten Auftritte an der Staatsoper aus unerfindlichen Gründen abgesagt wurden,. Da ist Bryn Terfel, der wieder zurück gekehrt ist, da sind die  „Jungen“ wie Freddie De Tommaso und André Schuen, oder seltene Gäste wie Lawrence Brownlee. Und die Ikonen wie Ferruccio Furlanetto oder Heinz Zednik, dem Präsidenten der Opernfreunde, der beschlossen hat, jetzt immer 80 zu bleiben, egal, was sein Geburtsdatum (1940) anderes wissen will. Als einziger Dirigent ist Christian Thielemann vertreten (mit dem man sich ausführlich über König Friedrich II. unterhalten kann), aber auch ein Schauspieler wie Joseph Lorenz kommt zu Wort (sogar nach einer Pilcher-Verfilmung wird gefragt, intellektuellen Hochmut kennt hier keiner).

Den Chronik-Teil läutet ein Bild von Edita Gruberova ein –  glücklicherweise gibt es mehr von Geburtstagen und Ehrungen zu berichten als von Toden, ihr Verlust war der schlimmste, der die Opernwelt in der voran gegangenen Saison traft. Wunderbar hohe Geburtstage unvergessener Künstler – Leo Nucci 80, Gwyneth Jones 85, Reri Grist 90, Luigi Alva 95.

Ein Opernjahr, wie immer unverzichtbar zwischen Buchdeckeln.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken