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Jago Prinz: MOZARTS LETZTES REQUIEM

22.04.2020 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Jago Prinz
MOZARTS LETZTES REQUIEM
Kriminalroman
512 Seiten, Verlag Anton Pustet, 2020

Mozart! Was wird mit Mozart heutzutage alles gemacht, erregt sich Professor Schneiderhahn, der greise Mozart-Experte: „Eine Marke, die es kommerziell auszuschlachten gilt. Ob Mozartkugel, Mozarttorte, Mozartlutscher, Mozartkutsche, es fehlt nur noch, dass jemand einen Mozart-Krimi schreibt…“ Und voila, da ist er.

Jago Prinz, ein Autor, der sich so bedeckt hält, dass der Verlag nicht mehr über ihn zu sagen weiß, als dass er im Salzburger Raum lebt und dass dies sein Debutroman ist, legt „Mozarts letztes Requiem“ vor. Und da verpackt er nicht nur unendlich viel Mozart-Wissen und Mozart-Legende, er fabuliert sich auch in die verrücktesten Theorien und Ideen hinein. Kein Wunder, dass er unterwegs Hinweise auf Umberto Eco und Dan Brown fallen lässt (nicht, dass die beiden gleichwertig wären), damit man weiß, mit welcher Art von „Fantasy“ man es hier zu tun hat.

Die Geschichte spielt in Salzburg, wo sonst, und beginnt mit einer Aufführung des „Requiems“ in St. Peter an einem Mozart-Todestag. Chefinspektor Nathan Stiller, der in seiner Kirchenbank selig dahin schlummerte, muss schlagartig aufwachen, als der Dirigent tot umfällt. Wenn dann später von Vergiftung die Rede ist, kommen natürlich gleich Aqua toffana und Salieri ins Spiel, aber das ist nur ein Teil der vielen, vielen Mozart-Informationen, die der Autor so reichlich in seinen umfangreichen und leider auch ziemlich weitschweifigen Kriminalroman einfließen lässt.

Da ist also ein toter Dirigent namens Isaac Löwenstein und eine Reihe von Verdächtigen: Samuel Libeskind, Chorleiter, eifersüchtig auf die Stellung als Leiter der „Salzburger Philharmoniker“ wartend (die der Autor in dichterischer Freiheit erfindet), da ist die attraktive und einflussreiche Magdalena Rosenthal, Sekretärin des „Mozartianums“, wie es im Buch heißt, damit man mit der Wirklichkeit nicht zusammen stößt. (Warum die Herrschaften jüdische Namen haben, kommt auch noch heraus,)

Der Rezensent will dem Leser nicht den Kopf verwirren, so wie es der Autor mit seinen Lesern tut, also sei aus der Überfülle von Figuren (ein sehr seltsamer Abt, eine sehr kundige Antiquarin, ein Assistent des Inspektors, ein Leichenbeschauer und und und …), weil eben hoch verdächtig, nur noch Theodor König, mächtiger, großspuriger Präsident des „Mozartianums“ hervorgehoben, der etwas ganz Hässliches plant (oder schon getan hat?): nämlich den Chinesen originale Mozart-Handschriften zu verkaufen, die er vorher in Italien hat fälschen lassen… Originale nach China, Kopien in den Salzburger Safe, pfui, pfui, pfui.

Was Chefinspektor Stiller betrifft, so hört das Morden nicht auf, ein Verdächtiger nach dem anderen stirbt ihm unnatürlich dahin, stets begleitet von Mozarts Musik. Außerdem verliebt er sich in die Sängerin Cecilia Vinci, wobei es recht pathetisch zugeht, und wenn der Autor zunehmend  wild und wilder hin und her wogt und keine Grenzen mehr kennt, dann spricht Mozart mit dem unglückseligen Polzisten von seinem Denkmal herab und verfolgt ihn bis in seine Träume. Außerdem gibt es noch eine tolle Theorie zu Mozarts Tod, und in einem „echten“ Brief (im Roman ist alles erlaubt), wird auch geschildert, wie und warum gemordet wurde…

Gelegentlich schiebt sich ein Ich-Erzähler ins Geschehen, ganz offenbar das Alter Ego des Autors, der von Stiller die Erlaubnis bekommt, bei den Recherchen dabei zu sein und selbst einiges beizutragen (was den Erzähler dann auch noch nach Mauthausen führt). Fest steht, dass er entschlossen ist, einen Roman aus dem Ganzen zu machen, und das hat er ja wohl getan.

Er hätte nur mehr auf Stiller hören sollen, der ihm einmal sagt: „Ihr Krimi muss an Tempo gewinnen“ (Seite 119). Aber Mozart-Freunden kann es sicher nicht ausführlich genug sein, wenn Mozart-Theorien, Legenden und Spekulationen so großzügig ausgebreitet werden. Am Ende verzeihen sie sogar Mozarts ungewöhnlichen Tod, wie ihn sich der Autor ausgedacht hat, und die verrückte Geschichte des „mörderischen“ Requiems…

Renate Wagner

 

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