ITALIEN / Martina Franca:
L’enfant et les sortileges
28. Juli 2025
Diese Fantaisie lyrique,1925 uraufgeführt, von Maurice Ravel, wird im Innenhof des Klosters San Domenico in der Altstadt von Martina Franca gespielt. Es ist im Libretto von Sidonie-G.Colette die Geschichte eines kleinen Mädchen ,das seinen Eltern nicht folgen will, und auf seinem Zimmer verbleiben muss. Da randaliert es, wird aber dann von einem Sessel, der Uhr, einer Tasse, der Teekanne, dem Ofenfeuer, dem Schäfer von der Tapete, seinem Mathe-Lehrer und von den Hauskatzen angeklagt und bedrängt. Nach dem Verschwinden der Mauern des Hauses findet das Kind sich im Garten wieder. Dort erlebt es einen Alptraum: Fösche, Libelle, Fledermäuse greifen das also ’schuldige‘ Kind aggressiv an und zerreissen sich teils gegenseitig. Dabei wird ein Eichhörnchen in die Luft gewirbelt. Das Kind verbindet ihm seine verletzte Pfote, und der Spuk hat ein Ende. In einer veklären den finalen Fuge wird das Kind als „sage“, als geläutertes Kind besungen und zu seiner Maman zurückgebracht.
In Martina Franca wir die für die Pariser Oper bestimmte Ravel-Partitur von Didier Puntos an die Verhältnisse für das Podium im Chiostro S.Domenico angepasst für ein kleines Ensemble aus Flöte, Cello, Schlagzeug, Klavier zu 4 Händen sowie präpariertes Klavier, was teils einen interessanten Sound ergibt, besonders wenn sich das Geschehen zu den Zauberdingen hinbegibt. Die Bank, das Kanape‘, das Sitzkissen, der Strohsessel und die Ziffern der Uhr stellen einen Kinderchor,in dem die Kinder je ihre ‚Bedeutung‘ auf einem Schild gemalt hoch halten (Chor der „weissen Stimmen“ della Fondazione P.Grassi, Leitung: Angela Lacarbonara).
Die Hirten, die Väter, die Laubfrösche, die Bestien und die Bäume stellt der gemischte und agile L.A.Chorus, Lucania & Apulia Chorus, Lucio Leo, Chorleitung.
Es ergibt sich eine quicke, dabei teils witzige Inszenierung mit Überraschungsmomenten von Rita Cosentino, Bühne und Kostüme Francesca Cosanti ,die mit einfachsten Mitteln ihre Wirkung entfaltet.
Solistinnen sind Elena Antonini mit bemerkenswertem Mezzosopran als L’enfant, Manami Maejima als Maman, Barbora Krsiakova als Libelle und Eichkatzerl,Sopran, Chiara Maria Fiorani als das Feuer und Nachtigall, Virginia Genovese als Prinzessin, sowie Ambra Biaggi, Yue He, Nicola Ciancio, Konstaninos Stafylides und Joaquin Cangemi, die als weitere Solisten überzeugen.
Insgesamt ein kurzweiliges Stück unter der aufmerksamen musikalischen Gesamtleitung von Miriam Farina.
Fredeon Rosen

