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INNSBRUCK: ADRIANA LECOUVREUR. Premiere: Entstaubung gelungen!

08.02.2015 | Allgemein, Oper

INNSBRUCK                              

TIROLER LANDESTHEATER INNSBRUCK: „ADRIANA LECOUVREUR“   Premiere 7.2. 2015- Entstaubung gelungen

Adriana Lecouvreur  Flores Innsbruck 3164
Karina Flores (Adriana). Foto: Rupert Larl
 
Es war der Abend des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck unter der inbrünstigen Leitung seines Chefdirigenten Francesco Angelico, das Francesco Cileas 1902 in Mailand (am Teatro Lirico mit Caruso als Maurizio) uraufgeführtem Meisterwerk bei seiner Innsbrucker EA zum begeistert akklamierten Erfolg verhalf. Cileas Musik, dem Verismo zugehörig und doch eher Massenets Tonsprache näher, erfordert einen Dirigenten und ein Orchester, das sich Zeit nimmt für das Erblühen der musikalischen Delikatessen , ohne jedoch ins süßlich-sentimentale abzugleiten. Angelico hat das Orchester auf Cileas eigenen Musikstil eingeschworen und bereitet auch dem Skeptiker unter den Zuhörern musikalische Wonnen. Zugegeben, Cileas Musik verfügt nicht durchgehend über die Qualität seiner prominenten Zeitgenossen, die unentwegt sich wiederholenden, auf die einzelnen Hauptpersonen fixierten Erinnerungsmotive und Leit-Themen zeugen von eher begrenzter schöpferischer Inspiration. Davon abgesehen tauchen im durchgehenden Musikfluss immer wieder herrliche Arien auf, die den Zuhörer erfreuen und zum Allgemeingut von Soprandiven und Tenorstars zählen. Wie überhaupt die Titelrolle eine Traumpartie aller Verismo-Sopranistinnen mit schauspielerischer Überzeugungskraft ist/war, angefangen von der vom Komponisten besonders geschätzten, im letzten Herbst verstorbenen Magda Olivero über Renata Tebaldi hin zu Raina Kabaivanska, Renata Scotto, Margaret Price, Mara Zampieri, Mirella Freni und die eine oder andere, die sich dafür geeignet hält.

 Innsbruck präsentiert eine junge Sängerin, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in deren Fußstapfen treten dürfte. Karina Flores hat alles, was von einer Adriana verlangt wird: eine fabelhaft sitzende, wunderschön timbrierte Stimme, mit der sie zu spielen versteht (ihre Lehrmeisterin Scotto läßt grüßen!) plus eine strahlende bühnenbeherrschende Präsenz, die die Faszination der legendären Schauspielerin Adrienne Lecouvreur verstehen lassen. Der Mann zwischen zwei starken, sich rivalisierenden Frauen, Maurizio von Sachsen, wurde vom merklich erschlankten Paulo Ferreira mit strahlendem, durchschlagskräftigem Tenorgold interpretiert. Erstaunlich, wie leichtfüßig er sich nun auf der Bühne bewegt. Als Fürstin von Bouillon gab die an vielen Häusern gefragte US-Mezzosopranistin Susan MacLean ihr Haus- und Rollendebüt: eine Bühnenerscheinung von beachtlichem Rang mit einer mächtigen Stimme, die ihre Meriten vor allem in den tieferen Registern voll auszuspielen versteht. Treffliche Charaktere steuern Joshua Lindsay als schleimiger, intriganter Abbè von Chazeuil mit leichtem Spieltenor und der wieder ans TLT zurückgekehrte, stimmlich sehr gewachsene Bassbariton Andreas Mattersberger (der fesche Fürst von Bouillon mit Hang zum weiblichen Bühnenpersonal) bei. Die Farbtupfer in das düstere Geschehen bringende Schauspielgruppe ist mit Susanne Langbein (Jouvenot), Marija Jokovic (Dangeville), Anne Clausen (Duclos), Johannes Wimmer (Quinault) und Florian Stern (Poisson) qualitativ hochstehend besetzt.

 Fehlt noch Michonnet, der heimliche Verehrer Adrianas. In Bruno Klimeks stringenter, nicht jeden im Publikum begeisternder, auf jeglichen Plüsch und Requisitenzauber verzichtender Regie spielt er die tragische Hauptfigur, die sich in beinahe masochistischer Weise immer wieder an  die unter mysteriösen Umständen verstorbene Bühnendiva klammert. Klimek schuf neben der eminent spannenden Personenführung auch das Bühnenbild, das er selbst als „Nichtort, der als Erinnerungsraum funktioniert“, bezeichnet. In der zentralen Mitte ein Podest, auf der sich die Handlung weitestgehend abspielt, im Hintergrund eine große, rechteckige Öffnung, an den Seitenwänden hochformatige Auf- und Abgehmöglichkeiten, die sich öffnen und schließen lassen. Je weiter das Bühnengeschehen fortschreitet, desto heller wird der anfängliche dunkle Raum. Klimek kommt mit lediglich drei Requisiten (Brief, Armband und natürlich das Veilchenbouquet) aus und konzentriert sich voll auf das zunehmend letale Ende. Den unglücklich liebenden Inspizienten verkörpert glaubwürdig Michael Bachtadze und lässt einen etwas spröde timbrierten Bariton vernehmen.

 Michael D. Zimmermanns Kostüme wirken kostbar (Adriana in dezentem Weiß, die Schauspielergruppe in bunten Gewändern, das restliche Bühnenpersonal in den abgestuften Schwarz-/Grautönen). Von besonderer Eleganz ist das Kostüm der Fürstin – jede Königin der Nacht hätte Freude mit dieser eleganten Kreation. Der Chor des TLT erfüllte den kurzen Auftritt im 3. Akt mit gewohnter Prägnanz (Einstudierung Michel Roberge).

Begeisterter Jubel für alle für diese außergewöhnliche, absolut sehenswerte Produktion!            

Dietmar Plattner

 

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