Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 16. AUGUST 2026)

16.08.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 16. AUGUST 2026)

15.8. 2026, Salzburg Großes Festspielhaus Verdi: Messa da Requiem

Ein zyklopischer Gottesbeweis

obg
Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker. Foto: Marco Borrelli/Salzburer Festspiele

Es ist eine lange gelebte Tradition, dass sich am Marienfeiertag der letzte, noch umfassend aktive Maestro im Großen Festspielhaus – zur Krönung der Festspielsaison quasi – gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern ein Stelldichein gibt, und dabei nicht kleckert, sondern klotzt, also Großwerke zur Aufführung bringt. So war es diesmal Verdis Messa da Requiem, das unter der Leitung von Riccardo Muti die feiertäglich ausgeruhten Ohren der Festspielhausbesucher erfreute.

Und er lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass er der letzte Titan unter seinesgleichen ist, der mit immer autoritär-unmissverständlicher Geste, keinesfalls verschämt, Orchester, Chor und Solisten zu ihren Einsätzen und der von ihm gewünschten Dynamik, Phrasierung und Expressivität dirigiert und begleitet.

Dass eine besondere Beziehung zwischen ihm und dem Orchester besteht, ist nicht nur kein Geheimnis, sondern bei jeder Note hör- und fühlbar. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich sein Zugang verändert, früher mit mehr Leichtigkeit, gefühlt schnelleren Tempi, mehr Focus auf den Duktus, jetzt nunmehr stark, dramatisch, ehern, fast zornig, jedenfalls gottesfürchtig, aber doch aufbäumend…

Zum Konzertbericht von Sabine Längle

__________________________________________________________________________________________

Ein Wort des Widerspruchs aus Bayreuth.  Von Univ.Prof. Dr. Peter Reichl

reich
Univ.Prof. Dr. Peter Reichl

Peter Reichl (* 1967) ist ein deutscher Informatiker. Seit 2013 ist er Professor für Informatik und Leiter der Forschungsgruppe „Kooperative Systeme (COSY)“ an der Universität Wien.

Zudem ist Peter Reichl ausgebildeter Sänger und Pianist, sogar Dirigent!

Liebe Merkerinnen  und Merker,

jetzt muss ich doch einmal kurz in die Debatte um den KI-Ring eingreifen und dem Gros der Rezensionen aufs Energischste widersprechen: Ich finde es grossartig, dass ich (und immerhin ein paar tausend Zeitgenossen) Zeuge dieses KI-Rings werden dürfen, denn noch nie und nirgends wurden die kümmerlichen Grenzen Künstlicher Intelligenz so deutlich und buchstäblich am eigenen Leib spürbar vorgeführt wie hier. Das szenische Elend, das man hier geboten bekommt, liegt eben nicht daran, dass die KI etwa noch am Anfang stünde oder nicht passend eingesetzt würde oder man an diversen Parametern noch weiter herumschrauben sollte – nein: Was wir hier sehen, ist schlichtweg das, was KI kann und was sie ausmacht: ein sich immer weiter durch den Fleischwolf irgendwie beliebig scheinender Daten drehendes Panoptikum von (noch dazu meist unscharfen) Bildern, welches sich kauderwelschartig entlang von Assoziationen hangelt, die sich auf komplett logische Weise aus einem wahrscheinlichkeitsgetriebenen Algorithmus ergeben, aber uns Menschen allein dadurch noch keinerlei Mehrwert liefern. Im Gegenteil: da in der ewigen Wiederkunft des morphenden Immergleichen nicht einmal eine zaghafte Spur von Rhythmus zu entdecken ist, sondern sich ständig und unerbittlich alles in alles verwandelt, verbiegt, verschwimmt, schafft die KI sogar, was kaum jemandem vorher vergönnt war: die genial angelegte musikalische Architektonik des Ring (noch dazu in einer so grossartigen Umsetzung wie der durch Christian Thielemann) nachhaltig zu erschüttern, ja wieder und wieder sogar zu versenken. Damit nicht genug: deutlich wie nie sehen wir hier, dass eine KI eben nicht nur manchmal halluziniert, sondern ständig, immer und überall, und wenn wir dem Produkt ihrer verzweifelten Bemühungen auch nur irgendeinen Sinn zuschreiben wollen, dann bleibt uns nichts anderes übrig als sich ihr schlichtweg auszuliefern und entlang der Linien zu denken, die sie uns vorgibt (früher hätte man so etwas wohl Gehirnwäsche genannt). Für jemanden, der sich schon fast 40 Jahre lang gleichermassen mit den informatischen wie musikalischen Grundlagen des hier Vorgeführten intensiv beschäftigt und dabei zugleich stets von der Frage nach zugehöriger politischer und sozialer Relevanz getrieben wird, erfüllt sich so ein Traum: Nie wohl war Musiktheater nützlicher, um uns im Verständnis einer zentralen gesellschaftlichen Frage hilfreich unter die Arme zu greifen. In diesem Ring offenbart sich KI in ihrem Wesen, in dem, was ihre Welt im Innersten zusammenhält, und insofern ist das Erstaunen des Kurators Marcus Lobbe über den Schwall vernichtender Kritik

(https://www1.wdr.de/nrw/dortmund/wagner-festspiele-ki-kritik-100.html)

nur allzu folgerichtig. KI zeigt sich nicht etwa als Nachahmung oder Simulation menschlicher Intelligenz, wozu man sie im Gefolge Alan Turings so gerne machen würde, und schon gar nicht als etwas mit dem Verdacht auf eigenständiges Bewusstseins, sondern als ein Mechanismus ganz eigener Natur, der für bestimmte Anwendungen unendlich hilfreich sein kann (wenn man weiss, was man tut), wozu aber alles, was mit Kunst und Kreativität zu tun hat, nicht gehört. Das an einem Beispiel jenseits der landauf, landab üblich gewordenen Erzeugung mehr oder weniger aussageloser Textkreation aufgezeigt zu haben ist das bleibende Verdienst dieser Produktion, wofür ihr ewiger Lorbeer gebührt. Danke, Bayreuth!!!

Danke, Bayreuth!!!

Herzlichst,

Univ.Prof. Dr. Peter Reichl
___________________________________________________________________________

Grafenegg Festival 2026 eröffnet

graf

Am ausverkauften Wolkenturm eröffneten am 14. August 2026 Rudolf Buchbinder, der Wiener Singverein, die Wiener Chormädchen, Nikola Hillebrand, Nicholas Phan, Germán Olvera und das Philharmonia Orchestra London unter der Leitung von Cristian Măcelaru das 20. Grafenegg Festival vor begeistertem Publikum. Bis 6. September gastieren in Grafenegg erneut zahlreiche Spitzenorchester und Stars der Klassikwelt.

(Grafenegg, 14. August 2026) Festival-Leiter Rudolf Buchbinder begann den Abend allein am Flügel mit den ersten Takten der «Chorfantasie», bevor das Philharmonia Orchestra London und der Wiener Singverein unter der Leitung Cristian Măcelarus einstimmten und der erste Teil des Abends hymnisch endete. Nach der Pause brachten unter Măcelarus Leitung der Wiener Singverein, das Philharmonia Orchestra, die Sopranistin Nikola Hillebrand, der Tenor Nicholas Phan, der Bariton Germán Olvera und die Wiener Chormädchen Carl Orffs populäre «Carmina Burana» zur Aufführung. Nach diesem ebenso festlichen wie klanggewaltigen Auftakt der Festivalsaison versammeln sich bis zum 6. September erneut zahlreiche internationale Spitzenensembles und Künstler:innen in Grafenegg. Im Jubiläumsjahr gastieren u.a. das Royal Concertgebouw Orchestra mit Santtu-Matias Rouvali, das Rotterdam Philharmonic Orchestra und die Münchner Philharmoniker mit Lahav Shani, das Bayreuther Festspielorchester mit Pablo Heras-Casado, die Wiener Philharmoniker mit Tugan Sokhiev, das European Union Youth Orchestra mit Gustavo Gimeno, das Danish National Symphony Orchestra mit Fabio Luisi, das Mahler Chamber Orchestra, die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich mit Fabien Gabel, Domingo Hindoyan und Brad Lubman sowie zum Festivalabschluss das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini mit Riccardo Muti. Stars wie Martha Argerich, Piotr Beczała, Rudolf Buchbinder, Gautier Capuçon, Eric Cutler, Joyce DiDonato, Sergei Dogadin, Martin Fröst, Asmik Grigorian, Julia Hagen, Alexandre Kantorow, Camilla Nylund, Víkingur Ólafsson, Andreas Schager, Jordan Shanahan, Nikolaj Szeps-Znaider, Miina-Liisa Värelä, Yuja Wang, Jörg Widmann und Georg Zeppenfeld bereichern als Solist:innen das 20. Grafenegg Festival.

Composer in Residence ist 2026 Olga Neuwirth, deren Rhapsodie für Klarinette mit Orchester «Zones of Blue» am 21. August die österreichische Erstaufführung erlebt. Darüber hinaus leitet Neuwirth den Composer-Conductor-Workshop Ink Still Wet, der Grafeneggs Engagement für zeitgenössisches Musikschaffen und die Förderung junger Komponist:innen auch im Jubiläumssommer bekräftigt.

Die Eröffnung des Grafenegg Festival wurde am 14. August 2026 live zeitversetzt auf ORF 2 übertragen. Die Konzerte des Grafenegg Festival werden als Green Events durchgeführt. Das Engagement für Nachhaltigkeit zeigt sich unter anderem in Maßnahmen zur umweltfreundlichen Anreise, regionalen Wertschöpfung, Barrierefreiheit und einem möglichst verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.

Ein besonderer Dank gilt den Sponsoren, deren Unterstützung das Grafenegg Festival in dieser Form ermöglicht. Generalsponsor ist Raiffeisen Niederösterreich-Wien, Zukunftspartnerin ist OMV. Hauptsponsoren sind Agrana, EVN, Österreichische Lotterien, Münze Österreich, voestalpine und Volkswagen mit unserem Mobilitätspartner, dem Autohaus Birngruber, die einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen dieses kulturellen Highlights leisten.
 
 WEITERE INFORMATIONEN
 Sendehinweise:

Freitag, 14. August 2026, live zeitversetzt ab 22.30 Uhr, ORF 2
Sonntag, 16. August 2026, ab 20 Uhr, Radio Niederösterreich

________________________________________________________________________________________________________________

Bayreuth: Droge. Wagner. Parsifal!
Jay Scheibs „Parsifal“ zwischen Gralsmysterium und Wunderdroge – szenisch nicht immer erhellend, musikalisch ein berauschendes Fest, das süchtig macht

par1
Andreas Schager. Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele 2026 – Vorstellung vom 10. August 2026
„Weißt du, was du sahst?“, fragt Gurnemanz Parsifal am Ende des ersten Aufzugs. Und so ähnlich wie Parsifal ging es mir an diesem Nachmittag im Bayreuther Festspielhaus stellenweise auch. Man sieht in Jay Scheibs „Parsifal“ so einiges – und weiß doch nicht immer genau, was man da eigentlich gesehen hat.

Parsifal hat gerade das Mysterium des Grals erlebt. Er hat Amfortas leiden sehen, die Enthüllung des Grals und jene merkwürdige Zeremonie, die der Gemeinschaft neue Lebenskraft spendet, für den verwundeten Gralskönig jedoch zur Qual wird. Als Gurnemanz ihn fragt, was er gesehen habe, antwortet Parsifal nicht. Er greift sich an die Brust. Er hat offenbar etwas begriffen, nur nicht mit dem Kopf.
Doch Gurnemanz reicht das nicht. Gurnemanz ist hier der Gelehrte, Historiker, Lehrer, vielleicht auch der typisch protestantische, wissenschaftlich-akademische Mensch, der sich die Welt über Wissen, Worte, Ordnung und Verstand erschließt. Er führt die jüngeren Brüder in die Geschichte der Gemeinschaft ein und übersieht dabei ausgerechnet das, was in Parsifal längst angelegt ist.
Denn dieser junge Mann hat zwar gerade mit Pfeil und Bogen einen Schwan erschossen – „Im Fluge treff‘ ich, was fliegt!“ -, zeigt aber schon früh erstaunliche Empathie. Als er ein junges Gemeindemitglied versehentlich umstößt, umarmt er es. Auch dem verwundeten Amfortas nähert er sich mit sichtbarem Mitgefühl. Gurnemanz erkennt dieses Potenzial nicht. Weil Parsifal nicht mit Worten erklären kann, was er gesehen hat, hält er ihn für einen Toren und wirft ihn hinaus: „Lass du hier künftig die Schwäne in Ruh‘ und suche dir, Gänser, die Gans!“…

Weiterlesen unter https://onlinemerker.com/bayreuth-festspielhaus-parsifal-zwischen-gralsmysterium-und-wunderdroge/
_____________________________________________________________________________________________________

LEHÁR FESTIVAL BAD ISCHL: *DER GÖTTERGATTE*. EINE NOVITÄT VON GESTERN BEIM LEHÁR FESTIVAL BAD ISCHL 2026

leh
Franz Lehar um 19oo

Das Lehár Festival brachte dieses hinreißende Kleinod halbszenisch erstmals am 14. August 2026 auf die Bad Ischler Bühne.

DER GÖTTERGATTE ist eine seltene Perle des Operettenrepertoires, eine Kuriosität. Mit leichtfüßigem Witz und Lehárs musikalischem Esprit vergreifen sich hier der Komponist und seine Librettisten an der griechischen Mythologie. Die Uraufführung 1904 wurde umjubelt.

Auf der Suche nach einer spektakulären Geschichte für ein neues Theaterstück spricht Theaterdirektor Mäandros bei Gottvater Jupiter höchst persönlich vor. Dieser ist schnell überzeugt – er will den Stoff für die Theatersensation selber erleben und mischt sich mit Merkur heimlich unter die Sterblichen, nur um letztendlich von keiner geringeren als seiner eigenen Gattin Juno verführt zu werden.

DER GÖTTERGATTE – ein vergnügliches Gefühlschaos, umrahmt von Lehárs berührenden, einfallsreichen Kompositionen.

Weitere Termine: https://www.leharfestival.at/spielplan/

Weitere Termine: https://www.leharfestival.at/spielplan/

Matjaž Stopinšek & Franz Lehár-Orchester
(c) www.fotohofer.at

Operette von Franz Lehár
Libretto von Victor Léon und Leo Stein
Spielfassung von Paul Schweinester

LEADING TEAM
Musikalische Leitung: Marius Burkert
Inszenierung: Paul Schweinester
Choreografie: Katharina Glas
Kostüme: Peter Plaschek
Choreinstudierung: Matthias Schoberwalter
Korrepetition: Matthias Maier
Regieassistenz & Abendspielleitung: Daniel Valero
Inspizienz: Astrid Nowak

IN DEN ROLLEN

Jupiter: Matjaž Stopinšek
Juno: Cinzia Zanovello
Sosias: Lukas Karzel
Merkur: Gerd Vogel
Charis: Eva Schöler
Mäandros: Thomas Enzinger
Alkmene: Carina Tybjerg Madsen
Amphitryon: Martin Lechleitner
Thalia: Nina Jakovljević
Polyhymnia: Sorina Florina Neacșu
Terpsichore: Fiona Mantovan

____________________________________________________________________________________________________________________

Neue CD von GRAMOLA. Winter & CO: Richard Strauss: AUS ITALIEN – Lieder für Sopran und Orchester. Joo-Anne BITTER, Münchner Rundfunkorchester, RémyBallot

Aus Italien/5 Orchesterlieder
Remy Ballot/Münchner Rundfunkorch./Joo-Anne Bitter
Richard Strauss
1 CD, Gramola
€ 19.90
Veröffentlichungsdatum: 05.06.2026
Artikel ist sofort lieferbar
EAN 9003643993686
Bestellnummer: 99368
 

balloz

Aus Italien/5 Orchesterlieder
„Ich habe nie so recht an eine Anregung durch Naturschönheit geglaubt, in den römischen Ruinen bin ich eines Besseren belehrt worden, da kommen die Gedanken nur so angeflogen.“ Mit diesen Worten beschrieb Richard Strauss die Arbeit an seiner Tondichtung für großes Orchester „Aus Italien“, die neben den erwähnten römischen auch Eindrücke des „Strands von Sorrent“ sowie „Neapolitanisches Volksleben“ einzufangen versucht und in unverwechselbar Strauss’sche Klangmalereien verwandelt. Neben diesem Werk gelangten auf den Richard-Strausstagen Garmisch-Partenkirchen mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Conductor in Residence Rémy Ballot ausgewählte Orchesterlieder mit der international im Richard Strauss- und Wagnerfach reüssierenden deutschen Sopranistin Joo-Anne Bitter zur Aufführung.
___________________________________________________________________________

 

Diese Seite drucken