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INFOS DES TAGES (FREITAG, 31. JULI 2026)

31.07.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (FREITAG, 31. JULI 2026)

29.7. 2026. Salzburg/Großes Festspielhaus WERTHER

Konzertante Aufführung

Tenorale Perfektion

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Benjamin Bernheim

Dieser Abend wird erwartungsgemäß der ganz große Triumph des Benjamin Bernheim: Der Pariser Edelstilist kennt keinen Makel: Sein helles, lyrisches, sehr modulationsfähiges Timbre, seine Pianokultur, seine Fähigkeit, die Stimme nach Belieben an- und abschwellen zu lassen, wurde in den letzten Jahren ergänzt um kraftvolle, aber nie forcierte Spitzentöne. Seine Interpretation des Goethe-/Massenetschen Antihelden trifft von seinem ersten Auftreten, der Eloge auf die Natur, bis zu seinen letzten Worten über die von ihm gewünschte letzte Ruhestatt immer den richtigen Ton. Anfangs verhalten, schüchtern-schwärmisch im ersten Duett mit Charlotte, das „Un autre! Son époux!“ sitzt wie ein Stachel. Seine Auftritte im zweiten Akt schon von verzweifelt-fatalen Gedanken gezeichnet („C’est moi, qu’elle pouvait aimer“), nach der Begegnung mit Charlotte sich seines Entschlusses sicherer (- geheimnisvoll „On lève le rideau“), im dritten Akt ist er dann doch ganz Startenor, wenn er die Arie – wenig überraschend – wiederholt und sich im nachfolgenden Duett mit Charlotte nicht nur zu einer Umarmung, sondern auch zu kräftig-temperamentvollen Spitzentönen hinreißen lässt, um danach mit einem aufbäumend-resigniert-entschlossenen „Charlotte a dicté mon arrêt“ sein Schicksal endgültig zu besiegeln. Der nachfolgende Freitod sensibel-sentimental, aber nicht mitleidig, am Ende verhauchend. Kurzum – eine der besten tenoralen Leistungen, die in den letzten Jahren dem Festspielpublikum, das sich mit standing ovations enthusiastisch bedankte, zu Gehör gebracht wurde…

Zum Bericht von Sabine Längle
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Bayreuth: „SIEGFRIED (Ring 10010110)“ – Premiere im Festspielhaus Bayreuth, 30. 07.2026

Oper in drei Akten von Richard Wagner

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Foto: Enrico Nawrath für Bayreuther Festspiele

Der KI unter der Anleitung (?) von Marcus Lobbes, Nils Corte und Roman Senkl hat es heute gefallen, Mime tatsächlich in einer Höhle wohl entsprechend dem Entwurf Josef Hoffmanns von 1876 hausen zu lassen. Aber nach wenigen Minuten (immerhin nicht Sekunden!) wechselt das Szenario schon wieder in eine kaum definierbare Kuddelmuddelmasse. Im Laufe des Abends kann man, abgesehen von weiteren, älteren, Antiquitäten, wenigstens einmal Richard Peduzzis Drachen aus dem Chéreau-Ring oder Szenarien von Erich Wonder (2004) erkennen. Sogar der von Frank Castorf verantwortete „Kommunistische Mount Rushmore“ (Aleksandar Deniç, 2013) taucht auf – unmotiviert wie seinerzeit, aber wenigstens im Rahmen des Auftrages „150 Jahre Bayreuth“. Letzteres gilt nicht für ein Foto John F. Kennedy im offenen Lincoln auf der Dealey Plaza in Dallas, TX, kurz bevor am 22. November 1963 die Schüsse fielen, eins von Martin Luther King sowie von Günter Grass und Willy Brandt – all die wurden von der KI geholt. Plötzlich taucht über dem Brünnhildenfelsen sogar eine McDonnell-Douglas F4F, wegen ihrer schwarzen Abgasfahne in Deutschland bekannt als „Luftverteidigungsdiesel“, auf.

All das kann aber nicht davon ablenken (oder lenkt doch erst recht ursächlich davon ab??), daß die Szene Mime-Siegfried im 2. Akt mit den entlarvten Mordplänen trotz der Spitzen-Protagonisten ziemlich untergeht, und auch die Begegnung des Titelhelden mit seinem Großvater nur sehr oberflächlich-pantomimisch den Verlust dessen Speers erkennen läßt. Auch die Drachentötung ist eigentlich ein Nicht-Ereignis. Der Aufstieg Siegfrieds zum Brünnhildenfelsen und die Annäherung der beiden wird ohnedies oft schon in konventioneller Szenik nicht wirklich gut gelöst – hier hängt das Finale der Oper trotz der herausragenden musikalischen Leitung erst recht durch. Und das, obwohl in dieser Phase eine Grundschwäche des Aufführungskonzeptes, nämlich die oftmalige Überlagerung der Figuren hinter der zum Publikum abschließenden Gazewand durch helle Projektionsanteile, weniger Rolle spielt (Bühne: Wolf Gutjahr). Weiterhin wenig zur Sinnstiftung oder Charakterisierung tragen Pia Maria Mackerts irgendwo zwischen Krähenküken, Reptilien und Ebenseer Fetzenzug (aber leider nur in Schwarz-Weiß!) angesiedelten Kostüme bei…

Zum Premierenbericht von Petra und Helmut Huber

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27.7.2026 – Verleihung des „Goldenen Johann Strauss 2026“ an Helga Papouschek im Marchfelderhof – Deutsch-Wagram. Johann Strauss-Gesellschaft Wien.

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Ankunft im Marchfelderhof. Foto: Conny de Beauclair

Der Goldene Johann Strauss 2026 wurde an die Wiener Star-Soubrette Helga Papouschek verliehen!

Die Johann Strauss-Gesellschaft Wien lud in den geschichtsträchtigen und traditionsreichen Marchfelderhof in Deutsch-Wagram zur feierlichen Verleihung des Goldenen Johann Strauss an die beliebte Schauspielerin und Star-Soubrette der Wiener Volksoper Helga Papouschek.

Der Goldene Johann Strauss wird jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Pflege der Musik von Johann Strauss besondere Verdienste erworben haben.

Zu den bisherigen Trägerinnen und Trägern des Goldenen Johann Strauss, dieses begehrten Ehrenpreises, der in Kulturkreisen längst als der „Walzer-Oscar“ gilt, zählen internationale Persönlichkeiten wie Jonas Kaufmann, Eliette von Karajan, Zubin Mehta, Riccardo Muti, Heinz Zednik oder Otto Schenk.

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Der 85er. Foto: Conny de Beauclair

Helga Papouschek, die am selben Tag auch ihren 85.Geburtstag feierte, wurde zur Preisverleihung, bei herrlichem Sommerwetter, in einem historischen, blauen Cabriolet vor den Marchfelderhof gefahren. Eskortiert von dem Blasmusikorchester Deutsch-Wagram, das feurig und schwungvoll den Radetzkymarsch zum Besten gab. Vor dem festlich geschmückten Marchfelderhof wurde Helga Papouschek von den begeisterten Ehrengästen herzlich empfangen.

Nach ihrer Ankunft erfolgte die feierliche Enthüllung der marmornen Ehrentafel für Helga Papouschek.

Marchfelderhof-Hausherr Peter Großmann bat anschließend die zu Ehrende und Jubilarin, gefolgt von den zahlreich erschienen prominenten Ehrengästen, zum Festmenü.

Während des exquisiten Galadinners, zusammengestellt von Küchenchef Jozef „Pepo“ Krajco, die edle Weinbegleitung von Weinviertler-Weinen, wurde von Promi-Winzerin Katharina Baumgartner (Weingut-Domäne Baumgartner) zur Verfügung gestellt, sorgten die Johann Strauss JSG-Konzertschrammeln Wien für die exzellente musikalische Umrahmung mit dem Walzer „Wein, Weib und Gesang“ op. 333 von Johann Strauss Sohn und zu Ehren von Helga Papouschek mit der berühmten Schnellpolka „Leichtes Blut“ op. 319 ebenfalls komponiert von Johann Strauss Sohn.

Mit dem „Schwipslied“, der berühmten Gesangseinlage zur Musik der Annen-Polka op. 117, die in die Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss, eingefügt wurde, begeisterte die ehemalige Sopranistin der Wiener Volksoper Helga Graczoll.
Spritzig, kokett, charmant und mitreißend präsentierte sie diesen überaus beliebten Strauss’schen Operettenschlager, souverän am Klavier begleitet von Margit Fussi.

Prof. Mag. Peter Widholz, Präsident der Johann Strauss-Gesellschaft Wien, betonte in seiner Laudatio auf Helga Papouschek, dass der Goldene Johann Strauss zum ersten Mal an eine Soubrette verliehen wird.
Sie hat mit ihrem umfangreichen Können in diesem Fach Karriere gemacht. Peter Widholz hob hervor, dass Helga Papouscheks „Pepi“ in der Operette „Wiener Blut“ von Johann Strauss Sohn, unerreicht sei. Es kommt keine andere Soubrette an sie heran. Gemeinsam mit Peter Minich zählte Helga Papouschek zu den größten Volksopernlieblingen!

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Die Überreichung:  Foto: Conny de Beauclair

Es erfolgte die feierliche Überreichung des „Goldenen Johann Strauss 2026“ durch den Vizepräsidenten der Johann Strauss-Gesellschaft Wien und ehemaligen Vorstand der Wiener Philharmoniker, Prof. Werner Resel, gemeinsam mit Präsident Prof. Mag. Peter Widholz, an Helga Papouschek.

In ihrer Dankesrede unterstrich Helga Papouschek, dass sie an der Wiener Volksoper 2000 Vorstellungen gesungen habe.
Sie bedankte sich innigst für die hohe Auszeichnung und hob auch hervor, dass sie gemeinsam mit Peter Widholz, bei dem selben Gesangslehrer studiert habe…

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Die Geehrte. Foto: Conny de Beauclair

Als musikalische Laudatio interpretierte Peter Widholz die weltberühmte Tenor-Arie „Zwei Märchenaugen“ aus der Operette „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán.
Mit überragender stimmlicher Souveränität, Charme, interpretatorischer Authentizität, hoher musikalischer Intelligenz und enormer Präsenz brillierte Peter Widholz, als exzellenter musikalischer Laudator!

Gerhard Ernst imponierte anschließend mit „In einem kleinen Café in Hernals“ von Hermann Leopoldi und als Alfred P. Doolittle „Hei, heute morgen mach‘ ich Hochzeit!“ aus dem weltbekannten Musical „My Fair Lady“ von Frederick Loewe und Alan J. Lerner.
Mit gekonnter, schauspielerischer Raffinesse, Präsenz und klugem Einsatz von Sprech – und Gesangsstimme präsentierte er eine mitreißende Darbietung. Einfühlsam am Klavier begleitet von Margit Fussi.

Zum Abschluß dieser überwältigenden Veranstaltung wurde feierlich die große Schoko-Nougat-Krokant Geburtstagstorte für Helga Papouschek hereingefahren und es ertönte ein gemeinsames Happy Birthday für die berühmte Jubilarin.

Zu den mitfeiernden, prominenten Ehrengästen zählten Kammersänger Heinz Zednik mit Gattin Dagmar Millesi, Dompfarrer Toni Faber, Kammerschauspielerin Marianne Nentwich, Ex-Olympiasiegerin Trixi Schuba, Martina und Werner Fasslabend, Regisseur und Intendant Marcus Strahl mit Gattin Leila, Opernsänger Carsten Süss, Schauspielerin Ulli Fessl, der ehemalige Vorstand der Wiener Philharmoniker Werner Resel, deren ehemaliger Erster Konzertmeister Rainer Küchl, Zauberweltmeister Magic Christian, Kabarettistin Edith Leyrer, Sänger Peter Horak, die Schauspieler Toni Slama und Peter Josch, sowie weitere Persönlichkeiten aus Kultur, Gesellschaft und Politik.

Ein glänzender Abend von hochkarätiger Brillanz und exzeptioneller Exzellenz!

Marisa Altmann-Althausen

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Münchner Gärtnerplatztheater setzt Erfolgsserie mit Rekordauslastung fort

Mit einer Auslastung von über 97 Prozent schließt das Staatstheater am Gärtnerplatz in München die Spielzeit 2025/2026 erneut mit einem Spitzenwert im europäischen Musiktheater ab.
 Die Saison des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München endet am 30. Juli mit einer bereits ausverkauften Vorstellung des Musicals »Tschitti Tschitti Bäng Bäng« in der Inszenierung von Josef E. Köpplinger. Damit endet eine Spielzeit, die bereits zum dritten Mal in Folge eine Auslastung von über 97 Prozent erreicht.

In der vergangenen Spielzeit wurden im Gärtnerplatztheater sieben Neuproduktionen aus den Genres Oper, Operette, Musical und Ballett auf die Bühne gebracht. Zu den Höhepunkten
zählten die Opernuraufführung »Der tollste Tag« von Johanna Doderer sowie die selten gespielten Werke »Fürst Igor« von Alexander Borodin und »Der Besuch der alten Dame« von Gottfried von Einem.

Insgesamt besuchten mehr als 181.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die 281 Vorstellungen des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Mit einer Auslastung von über 97 Prozent erreicht das Haus erneut einen Spitzenwert seiner jüngeren Geschichte. Die Zahl der Abonnements entwickelte sich mit einem Plus von 11,8 Prozent weiterhin erfreulich.
Auch international fand die Arbeit des Hauses große Beachtung: Nominierungen für die International Opera Awards sowie den Österreichischen Musiktheaterpreis unterstreichen die künstlerische Qualität des Ensembles. Im April und Mai 2026 war das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz zudem auf einer zweiwöchigen Japantournee und gab in sechs Städten elf Konzerte.

Ausblick
Nach der Sommerpause startet das Gärtnerplatztheater am Sonntag, 20. September mit Giuseppe Verdis Oper »La traviata« in die neue Saison. Bereits am Vortag, Samstag den 19. September, lädt das Haus beim »Tag der offenen Tür« ab 14.00 Uhr dazu ein, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Es folgen ab dem 25. September weitere Vorstellungen des Musicals »Les Misérables« sowie ab dem 10. Oktober das Ballett »Strawinsky in Paris«. Die erste Premiere der Saison findet am 16. Oktober mit der Münchner Erstaufführung der Oper »Die Reise nach Reims« von Gioachino Rossini in der Inszenierung von Dirk Schmeding statt.

Der Vorverkauf für alle Vorstellungen bis einschließlich 30. November hat bereits begonnen und stößt auf große Nachfrage. Tickets sind erhältlich unter 089 2185 1960 oder unter
www.gaertnerplatztheater.de.
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Nordwald Kammerspiele im Schloss Sprinzenstein bei Sarleinsbach/OÖ

Ein altes Schloss ist aus dem Tiefschlaf erwacht

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Mit dem Musiktheater „Helmbrecht“ begeben sich die Nordwald Kammerspiele im Schloss Sprinzenstein bei Sarleinsbach auf historische Spuren – Bericht von der bejubelten Vorstellung einer neuen Oper von Claudia Federspieler am Mittwoch, 29. Juli 2026

  Sie kennen das Schloss Sprinzenstein nicht? Das ist bei der Fülle von Baudenkmälern in Österreich aus früheren Zeiten keine Bildungslücke. Derzeit ist es allerdings höchste Zeit, seine Aufmerksamkeit auf das Dorf Sarleinsbach zu lenken. Dort wird vom 24. Juli bis 8. August von heimischen Kräften mit Unterstützung umliegender Vereine auf hohem Niveau Theater gespielt. Und noch dazu unter freiem Himmel, eine großartige Sache, wenn das Wetter mitspielt, auf der ca. 600 Personen fassende Tribüne. Ich hatte Glück und genoss die dritte Vorstellung als großes Ereignis im kleinen Ort bei herrlichem Abendwetter. Die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Da öffnete sich vor den Augen eine für den Ab- und Zugang praktisch konstruierte Bühne, man dachte an ein Nestroy-Stück, und ließ „zu ebener Erde und im ersten Stock“ ein zündendes Spiel ablaufen. Drei Stunden inclusive Pause ein das Interesse fordernde Stück aus der Ritterzeit, von dem man vielleicht schon im Volksschulalter gehört hatte.

Bei den seit einigen Jahren hierzulande erprobten Sommertheater-Projekten wird jeweils auf aktuelle Themen Wert gelegt und in Abstimmung mit der Vergangenheit des Ortes wieder die richtige Stoffwahl gefunden. Diesmal griffen die Kammerspiele mit ihrem theaterversierten Obmann Karl Lindorfer die 400 Jahre zurückliegenden Bauernkriege auf und untersuchten akribisch die Quellen des mittelalterlichen Geschehens. Die Versnovelle „Meier Helmbrecht“ des Dichters Wernher der Gartenaere aus dem 13. Jahrhundert galt über Generationen im oberösterreichischen und bayerischen Raum als Kulturgut. Erzählt wird darin vom Bauernsohn Helmbrecht, der die Feldarbeit verschmäht, und den es wider Willen des Vaters in die große Welt zieht. Einige neue Phantasiesplitter des Regisseurs und spannende Ideen zum Aufleben der Urdichtung sollten dem Original sehr nützlich werden, wenn man in Einzelheiten der Dichtung eintaucht und diese aussagebetont in den Mittelpunkt stellt. So kehrt Helmbrecht von seiner „Flucht“ zum ersten Mal nach Hause zurück, um Vater, Mutter und Schwester als Beweis seines reichen Lebens mit Geschenken zu überhäufen. Unerkannt geht er wieder zurück in die große Welt. Auch seine aufflammende Liebe zur früheren Freundin Cleopha (Juri Eckerstorfer) kann ihn nicht zum Verbleib in der heilen Welt des Familienlebens bewegen. Der Vater verweist den Sohn, als dieser verletzt, blind und auf Krücken gestützt vom Krieg heimkommt, des Hauses. Von Bauern, die er plünderte und schändete, wird er hingerichtet. Ein Raubritter ist aus Helmbrecht geworden. Ein Gauner, der Klöster ausraubt, stiehlt und lügt, was eine büßende Strafe verdient.

Die Darstellung vom ausbrechenden Kampfgeist in der Vorstellung verblüfft an so manchen Stellen durch die tiefsinnige Hingabe an das Werk. Die Mitwirkenden aller Altersklassen bis zu noch gar nicht reifen Schulkindern ließen ihr Theaterblut reichlich fließen, als hätten sie es durch ihre Herkunft geerbt bekommen. Die NordwaldKammerspiele beweisen wieder einmal ihre theatralische Stärke und machten sich nicht zum ersten Male durch die Pflege von Verschmelzung der regionalen Geschichte mit gegenwärtiger Relevanz einen Namen. Bewährte Titel von Stücken wie „Leinenhändlersaga“, „Obersteiger“ und „Bauer, Tod und Teufel“ künden vom bisherigen Erfolg ihrer Theaterspiele.

Soweit also die Synopsis des mittelalterlichen Rittergedenkens auf Schloss Sprinzenstein. 

Die aus Südtirol stammende, in Linz lebende Komponistin Claudia Federspieler, stellte sich für die Vertonung des von Johannes Huber neuverfassten Textes mit ihren kontrapunktischen Fähigkeiten gekonnt zur Verfügung. Im Brotberuf Primgeigerin im Bruckner Orchester Linz, bewies sie längst ihre vielfältige Kreativität, die sich schon im Kindesalter zeigte. Über 70 Werke verschiedenster Sparten von Kammermusik bis Oper umfasst ihr bisheriges Oeuvre. Bei den NordwaldKammerspielen schätzt man ihre gediegene schöpferische Arbeit. Ihre Musik erschließt sich jedem Hörer spontan. Statt atonal zu schreiben oder krampfhaft gesuchten Modernismen eine Chance zu geben, wirkt ihr stilistisch zeitloses Konzept von Nachhaltigkeit und verrät deutlich eine persönlich aussagestarke Handschrift. Wenn es gestattet und eine Orientierung Federspielers an Vorbildern auszuschalten ist, möchte ich eine leise Anpassung an den illustrativ bildhaften Ton gültiger Neutöner etwa eines Arvo Pärt oder Kurt Schwertsik erwähnen. Weil bei Federspieler Klangfarben, Instrumentierung und Tanzdynamik ihre Musik gemeinsam auszeichnen. Die Komponistin am Konzertmeisterpult des Kammerspiel-Orchesters war unmissverständlich ein sicherer Garant für die Qualität der Aufführung, dirigiert von Thomas Eckerstorfer.

Die Liste aller zur Produktionsleitung von Karl Lindorfer zählenden Mitarbeiter, Chorsänger, Tänzer, Kostümbildner und last not least die personalintensive Besetzung mit Sängern von professionellem Rang veranlasst zu einem ganz lauten, verdienten Pauschallob. Als Protagonisten Arnold Kehrer als Titelheld, Paul Linecker als Vater, Erika Zwirtmayr als Mutter, Elisabeth Baehr als Schwester, Christian Haimel in der Rolle des Berthold, Pauline Simmel jener der Mechthild, Nora Huber der Radegund und Karl Lindorfer des Meier Ruprecht. Gilt nun das neue, uraufgeführte Ritterwerk als eine Oper, Musical oder als was sonst? Ist nicht wichtig, berühmt wurde es durch die kaum zu überbietende Meisterleistung eines theaterbesessenen Volkes im Lande, für die das Publikum nicht lange genug applaudierte. Bravissimo!

Georgina Szelles

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