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HEINRICH ISAAC nell tempo di Lorenzo de‘ Medici & Maximilian I

14.06.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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HEINRICH ISAAC nell tempo di Lorenzo de‘ Medici & Maximilian I – AliaVox CD

Jordi Savall: Hommage an einen der größten Komponisten der Renaissance zum 500. Todestag

Die neueste der wie immer sorgfältig programmierten und historisch aufschlussreichen CDs des umtriebigen katalanischen Musikers Jordi Savall ist dem franko-flämischen Komponisten Heinrich Isaac gewidmet. Savall zeichnet musikalisch den Weg Isaacs 1469 bis 1519 chronologisch nach. Die Hauptstationen in der Zeit waren Florenz (auf Einladung von  Lorenzo il Magnifico) und Wien, wo er der wichtigste Komponist am österreichischen Hof des Habsburgerkaisers Maximilians I. war.

Ein Meister des Kontrapunkts und der Polyphonie, hinterließ Isaac ein unvergleichlich umfangreiches Oeuvre sakraler und weltlicher Musik. Lange dem Vergessen anheimgefallen, ist es der spätere Zwölftonmeister Anton Webern, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Wien mit der Sammlung von Chorgesängen „Choralis Constantinus“ befasste und die „große Lebendigkeit und Unabhängigkeit der einzelnen Stimmen“ im Rahmen komplexer Formen der Polyphonie lobte.

Die CD gibt einen Überblick über Schlüsselerlebnisse im Leben des Musikers sowie die wesentlichsten historischen Anlässe, zu denen seine Musik komponiert und aufgeführt wurde. Savall: „So illustriert „A la battaglia“ die Schlacht zwischen Genua und Florenz um die Festung Sarzanello. Der erschütternde Klagegesang „Quis dabit capiti meo aquam“ entstand anlässlich des Todes von Lorenzo de‘ Medici.“

Natürlich darf auch das berühmte „Innsbruck, ich muß dich lassen“ auf dem Album nicht fehlen. Im florentinischen Karnevalslied „Hora e di maggio“ soll Isaacs Ankunft in Florenz und seine spätere Heirat sinnbildlich erklingen. Die große Motette „Sancti spiritus assit nobis gratia“ wurde zu Ehren Maximilians I. zu Beginn des Reichstags von Konstanz geschrieben. Die Krönung des Giovanni de‘ Medici zum Papst Leo X. darf die Motette „Optime divino, da pacem, sacerdos et pontifex“ symbolisieren. Als reine Instrumentalkompositionen sind auf der CD neben „A la battaglia“ die Fanfare der Medici „Palle, palle“ und die Motette/Instrumental-Canzone „La Mi La Sol“ zu hören.

Wie immer, steuern die diesmal verstärkten Ensembles Capella Reial de Catalunya und Hesperion XXI., treue musikalische Weggefährten Savalls, ihre Leidenschaft, ausdruckintensive Gesangskünste und orchestrale Kunst bei. Das Instrumentalensemble ist mit 6 Blasinstrumenten, 4 Bratschen, Orgel, Laute und Schlagzeug in der Lage, auch pompöse Anlässe wie Kaiserkrönungen oder Reichstage mit entsprechender Feierlichkeit und in aller Farbenpracht zumindest akustisch erstehen zu lassen. Die neue CD ist sowohl wegen ihres Repertoirewerts als auch der wissenschaftlich und historisch fundierten und gut lesbaren Aufsätze (Stefan Gasch) höchst empfehlenswert.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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