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HARMONY Wiener Staatsoper. Das Ensemble 2014 / 2015

20.03.2015 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover Harmony

Herwig Pecoraro
Lois Lammerhuber
HARMONY
Ensemble 2014 / 2015
Wiener Staatsoper
220 Seiten, 91 Fotos,
Edition Lammerhuber, Wien 2015

Die Opernwelt ist eine glitzernde, die notgedrungen – auch, um die hohen Preise zu rechtfertigen – große Stars und große Namen in den Vordergrund schiebt. Aber jedermann weiß, dass kein Star allein eine Vorstellung macht. Ohne die Kollegen, die hier mit auf der Bühne stehen und im besten Fall auf höchstem Niveau ihre Rollen erfüllen, gäbe es weder Repertoire noch Gala-Glanz, gäbe es überhaupt keine Oper.

Vielleicht beachtet man sie zu wenig, die „Leute von Haus“, weil sie ohnedies da sind, weil sie (meist) ohnedies gut sind, weil man sich über andere Dinge erregt – kurz, die Wiener Staatsoper und ihr Betriebsrat hatten nun die Idee, das Ensemble des Hauses in das Zentrum eines eigenen Buches zu stellen.

Und da ließ man sich nicht lumpen – was Kammersänger Herwig Pecoraro und Fotograf Lois Lammerhuber (wie der Pressetext sagt: dreimal hintereinander zum besten Fotografen der Welt gewählt) hier in der Edition Lammerhuber vorlegen, ist ein gewaltiger Bildband, der unter dem Titel „Harmony“ das Ensemble der Wiener Staatsoper in der Spielzeit 2014 / 2015 vorstellt.

Es ist vor allem ein Fotoband, ein Bilderbuch, das nicht nur die Mitglieder des Hauses attraktiv und interessant macht, sondern auch die Oper selbst in oft schrägen Ansichten „mitspielen“ lässt und manches Oho beim Betrachter erzeugt:

Wie hat man das gemacht, dass Clemens Unterreiner auf dem Dach der Albertina  zu „fliegen“ scheint, die Staatsoper gewaltig im Hintergrund?

Ähnlich kühn, wie sich Iride Martinez im 6. Stock in einen Fensterrahmen (von außen) gestellt hat – sie ist wohl schwindelfrei…

Witzig, wie Wolfgang Bankl zwischen Dekorationsteilen auf der Hinterbühne „lagert“.

Paolo Rumetz tobt im Orchestergraben herum.

Pecoraro selbst steht nicht nur zu Beginn in der gewaltigen, rot beleuchteten „Chowanschtschina“-Gestänge-Dekoration, sondern scheint auf einem anderen Bild auch auf einer Stange zu liegen – na ja, Betriebsrat der Oper zu sein, gleicht ja wohl einem Seiltanzakt.

Ryan Speedo Green guckt vergnügt hinter einem blauen Vorhang hervor und zeigt sogar die Zunge – es ist beruhigend, dass so gut wie alle Künstler auf diesen Fotos bester Laune zu sein scheinen.

Natürlich auch Herbert Lippert, wenn er mit österreichischer Selbstverständlichkeit sein Glaserl Weißwein hält.

Carole Wilson hat beschlossen, sich in der Feststiege gleich eine ganze Figur auf die Schultern zu laden…

Daniela Fally hat sich mit Hund neben die Büste von Gustav Walter gesetzt – der war im 19. Jahrhundert Direktor, und mit Direktoren muss man sich ja gut stellen…

Il Hong umrahmt mit großer, bewundernder Geste die Büste von Herbert von Karajan (gute Entscheidung!).

Alexander Moisiuc streichelte eine andere Büste, und dabei hat der Fotograf einen ungeheuren Spiegeleffekt erzielt.

Wie auch bei Boaz Daniel (wieder da?), der in der Garderobe gleich dreimal im Spiegel zu sehen ist (und wo ist das Boaz-Original?).

Auch Juliette Mars gibt es gleich vielfach im Orgelsaal, das ist eine hoch kunstvolle Collage.

Benedikt Kobel macht am Hausdach Selbstreklame und zeigt gleich seine Karikaturen dabei.

Ildiko Raimondi spielt sich mit einem Selfie auf ihrem Handy…

*

Genug, es geht ja da um eine Würdigung des Fotografen für originelle Blickpunkte, von denen es genügend gibt. Interessant an dieser Zusammenstellung, auf die der Direktor sicher stolz ist, ist die „Buntheit“ des Angebots – wobei die „Oldies“ (Damen und Herren, die noch gar nicht alt sind, mögen verzeihen, wenn man sie in diesem Zusammenhang nennt) vergleichsweise gar nicht so viele sind. Nicht nur Ildiko Raimondi oder unser Alfred Šramek, auch Adrian Eröd, Norbert Ernst, Ain Anger sind da in der kompakten Minorität gegenüber einer großen Zahl junger Sänger, von denen manche nicht einmal noch eine Rolle gesungen haben (wird schon kommen – wer ist Margaret Plummer?) und schon gleichwertig in dem illustren Ensemble stehen. Aber dergleichen kann man ja im Anhang nachlesen, wo die Kurzbiographien aller Beteiligter auf Deutsch, Englisch und Französisch aufgeführt sind.

Am Ende nochmal Herwig Pecoraro quasi auf der Stange balancierend mit dem Hinweis: „La commedia è finita“. Falsch natürlich: die Komödie „Oper“ hört nie auf. Gott sei Dank.

Renate Wagner

 

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