Knapp vier Stunden dauerte die Gala in der Hamburgischen Staatsoper und sie verging wie im Fluge. Im Mittelpunkt stand natürlich das Schaffen und das künstlerische Leben John Neumeiers, der vom Publikum schon bei seinem Betreten des Auditoriums kurz vor Beginn der Gala mit lautstarkem Beifall willkommen geheißen wurde.
Die Film-Collage „Highlights of 50 moving Years“ von Kiran West rief allen Anwesenden die unglaublichen Verdienste des langjährigen Hamburger Ballettchefs eindrucksvoll in Erinnerung. Tänzerinnen und Tänzer des Hamburg Balletts, des Bundesjugendballetts, der Ballettschule des Hamburg Ballett und des Hamburger Kammerballetts gestalten mit Ausschnitten aus Meisterwerken des weltweit gefeierten Choreografen den tänzerischen Teil des Abends. Zahlreiche Gäste, wie Alessandra Ferri, Amandine Albisson, Audric Bezard, Klaus Florian Vogt und Thomas Hampson bereicherten wie selbstverständlich unprätentiös die Gala dieser Hamburger Institutionen. Für Neumeier war es die erste Gala seines Ensembles, die er nicht selbst moderieren durfte, denn dieser Abend sollte ja ein Geschenk an ihn sein. Isabelle Vertès-Schütter übernahm diesen Part galant. „Lieber John, das musst Du jetzt aushalten!“ stimmte sie ihn vorab ein. Berühmte Weggefährten Neumeiers waren darüber hinaus mit Grußbotschaften vertreten, die alle sehr emotional gehalten waren und uns Zuschauern die Persönlichkeit Neumeiers näherbrachten.

Alle Künstler vereint auf der Bühne beim tosenden Schlussapplaus
Ein schon vor der Pause mit lang anhaltenden Standing Ovations gefeiertes Highlight des Abends war die Interpretation des Stücks „Opus 100 – für Maurice“, in dem im ersten Teil die beiden an der Uraufführung im Jahre 1996 beteiligten Solisten Kevin Haigen und Ivan Liška mitwirkten.
Nach der Pause wurde der in diesem Jahr erstmals vergebene John Neumeier-Preis für Choreografie an Edvin Revazov (langjähriger Solist beim Hamburg Ballett und Gründer des Hamburger Kammerballetts mit aus der Ukraine geflohenen Tänzern) verliehen. Der mit 50.000,- Euro dotierte Preis verpflichtet den ausgezeichneten Künstler dazu, im kommenden Jahr eine Choreographie für das Bundesjugendballett zu kreieren – von Neumeier clever eingefädelt!
Ausschnitte aus „Yondering“, gesanglich untermalt von Thomas Hampson, waren ein weiterer Stimmung machender Publikumshit an diesem festlichen Abend, der ohnehin gänzlich aus Höhepunkten bestand.
Einen ungewöhnlichen Kontrast stellte das anschließend a capella vom Vokalensemble Rastatt (Leitung: Holger Speck) dargebotene „Urlicht“ von Gustav Mahler dar. Ohne jegliche tänzerische Aktion vermochte diese musikalische Einlage zutiefst zu bewegen.
John Neumeier selbst sollte an diesem Abend auch nicht zu kurz kommen und wurde von mit der Ehrenmitgliedschaft der Hamburgischen Staatsoper geehrt.
Schließlich wurde Neumeier noch von seiner Kompagnie auf Händen getragen und ich bin sicher, falls der Meister von der Bühne ins Publikum gesprungen wäre, hätten auch die Zuschauer ihn sanft aufgefangen und durchs Parkett schweben lassen.
Fernsehbericht des Hamburg Journals (bis 30.6.2025 in der Mediathek des NDR abrufbar)

