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GÜNTHER GROISSBÖCK: Bayreuth ist der Ort meiner Träume

23.09.2019 | INTERVIEWS, Sänger

GÜNTHER GROISSBÖCK

Bayreuth ist
der Ort meiner Träume

Der österreichische Baß Günther Groissböck feiert am 24. September 2019 seinen 43. Geburtstag. Das ideale Alter für einen Mann, der mit seinem breiten Repertoire an allen großen Opernhäusern der Welt gefragt ist. Und der nächsten Sommer mit den „drei Wotans“ in Bayreuth den Mount Everest an Herausforderung erklimmen wird.

Das Gespräch führte Renate Wagner

Herr Groissböck, herzliche Glückwünsche zu einem Geburtstag, der Sie kurz vor dem Gipfel Ihrer Wünsche zeigt. Wie fühlt man sich denn da – ehrlich?

Einerseits ist es wunderbar, dass man endlich dort ist, wo man eigentlich immer hin wollte, aber das Ziel ist ja noch nicht erreicht, da liegt noch viel vor mir, jetzt muss man die harte Arbeit des Aufwärtsgehens erledigen, die Steilwand erklettern, bevor man am Gipfel ist. Gelegentlich ist da natürlich auch ein wenig Bangigkeit dabei, ob man es schafft – aber andererseits habe ich im Innersten eigentlich keine Zweifel, dass diese drei Wotans für mich eine zu bewältigende Herausforderung sind.

Ioan Holender hat ein sehr schönes TV-Porträt über Sie gedreht und ein altes Interview gefunden, wo Sie als ganz junger Sänger nach einem gewonnenen Wettbewerb sagen, Wagner wäre Ihr Traum. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie es so schnell so weit bringen würden?

Das ist weniger als 20 Jahre her, ja… Mein Gott, damals war Bayreuth der Ort meiner Träume und ist es übrigens geblieben. Aber ich wäre schon glücklich und selig gewesen, wenn ich irgendwann mal dort den Nachtwächter in den „Meistersingern“ hätte singen dürfen… Und jetzt ist es doch viel mehr geworden.

Verdankt man das sich selbst, oder gehört auch sehr viel Glück dazu?

Also, der unermüdliche Fleiß, eigentlich fast eine Art Besessenheit für die Sache, was man mitbringen muss, ist sicher die Basis. Aber dann geht es natürlich um das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und von den richtigen Leuten gehört zu werden… Ich habe z.B. einmal in Madrid als Landgraf in Tannhäuser bei einer BO im Unterschied zu einigen Kollegen richtig ausgesungen, weil ich mich gut fühlte und in der letzten Reihe einen unbekannter Herrn im Anzug  und Krawatte sitzen sah. Danach kam dieser Herr zu mir in die Garderobe. Es war Gerard Mortier, der mir seine Begeisterung zum Ausdruck brachte. Er werde hier Intendant, sagte er, und bot mir die schönsten Rollen an, darunter den Boris Godunow, den ich 2012 dann dort auch gesungen habe. Wie gesagt – man braucht Glück.

Und man braucht die Stimme für Richard Wagner. Bei ihm haben Sie ja flächendeckend, mit ganz wenigen Ausnahmen, die großen Baßrollen gesungen: Daland, König Heinrich, Landgraf, Pogner, Marke, Fasolt, Fafner, Hunding und Gurnezmanz… Hatten Sie eigentlich nie Lust auf die „richtigen“ Bösewichte, die so schön schillern, wie Alberich und Hagen?

Für den Alberich braucht man ein, wie sage ich es am besten, „schmutzigeres“ Timbre, das ich nicht habe oder noch nicht. Und was den Hagen betrifft, so denke ich an etwas „schwärzere“, breitere Stimmen als die meine, etwa Gottlob Frick, Eric Halvarson oder Kurt Rydl, mit dem ich am Stehplatz aufgewachsen bin.

Aber der Wotan liegt Ihnen? Obwohl es Sänger gibt, die meinen, jeder der drei Wotans – ich nenne jetzt einmal den Wanderer auch so – hätte eine andere Tessitura und Stimmfärbung?

Das stimmt schon, jeder der drei hat seine ganz besonderen Tücken und Herausforderungen. Sogar der vergleichsweise kurze Rheingold-Wotan. Während die meisten Baritone im 2.Akt Walküre mit der tiefen Lage kämpfen bzw. sich festsingen können, muss ich vor allem aufs Passaggio, sprich die obere Übergangslage aufpassen, dass ich bei aller Begeisterung und Hingabe nicht zu viel Material sprich Bruststimme mit hochstemme. Es wird eine spannende Herausforderung. Denn ich liebe es mich dieser Musik und dieser Rolle hinzugeben. Nur hier muss es eben sehr bewusst geschehen, aber jetzt meine ich doch, dass ich alle drei in die Kehle bekommen kann. Noch habe ich die Rollen aber noch nicht auf der Bühne gesungen. Fragen Sie mich also in einem Jahr wieder, da weiß ich mehr.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Wotan?

Ehrlich gesagt, seit 1996, als ich am Stehplatz als totaler Anfänger Falk Struckmann in dieser Rolle gehört habe, da habe ich mir völlig naiv gedacht: Das will ich auch mal machen. Und dann kam 2015 in Bayreuth das Vorsingen, ich bin zwischen der Generalprobe und der Premiere des Salzburger „Rosenkavaliers“ schnell hin gedüst, Christian Thielemann und Katharina Wagner waren im Zuschauerraum, und nachher habe ich zu meiner Frau gesagt: Ich fürchte, das wird was. Und so kam es auch. Seither ist Wotan mein ständiger Begleiter. Nicht in dem Sinn, dass ich mir fünfmal in der Woche einen Korrepetitor bestelle, aber Text und Klavierauszug sind immer dabei. Ich singe ja auch oft den Hunding, und ich habe mir angewöhnt, im zweiten Akt in der Garderobe die Musik, die aus der Vorstellung kommt, ganz laut zu stellen und den Wotan mit meinem Kollegen mitzusingen… Das ist sehr lehrreich, wenn man rechtzeitig merkt, wo man sich wie einbremsen muss, um am Ende noch Luft zu haben…

Und wer und wie wird Ihr Wotan sein?

Also, was dann genau auf der Bühne stattfinden wird, wissen wir noch nicht, da wird es auch noch sehr viele Gespräche mit Valentin Schwarz geben, der jetzt auch zu diesem Zweck nach Wien kommt und sich auch „Rusalka“ ansehen wird. Aber ich habe natürlich meine eigene Vorstellung von Wotan, und die ist absolut nicht negativ. Er macht Fehler, viele sogar, aber er handelt nicht aus niedriger Gesinnung wie etwa Alberich. Natürlich geht es um Geld, aber er braucht es für Besitztümer wie Walhall, er muss sich nicht wie Alberich Liebe dafür erkaufen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich ein negatives Wotan-Bild auf die Bühne bringen werde.

Der Bayreuther „Ring“ von 2020 wird sehr „österreichisch“: Der Regisseur Valentin Schwarz ist Oberösterreicher, Ihr Siegfried wird der doppelte Landsmann Andreas Schager sein, Sie sind ja beide Niederösterreicher. Haben die Österreicher, wenn sie sich in der deutschen Welt Bayreuths bewegen, „einen Ton miteinander“, wie Hofmannsthal es ausdrückt?

Also ehrlich, gerade unter Österreichern kann die Neidgesellschaft ganz gewaltig sein. Fast möchte man sagen Neid ist in der österreichischen DNA. Aber mit Andreas und mir ist das anders, wir kennen uns, seit wir in der Musikhochschule Penzing gemeinsam in der letzten Reihe gesessen sind und im Fach Harmonielehre/Solfeggio gemeinsam lauter gebrüllt haben als alle anderen… Wir haben uns dann etwas aus den Augen verloren, bis plötzlich ein „Andreas Schager“ im schweren Wagner-Fach auftauchte. Und ich dachte, das ist doch nicht mein Schagerl? Aber er war es. Seither haben wir schon oft miteinander gesungen, er hat phantastisches Stimmmaterial. Und ich ärgere mich immer ein bisschen, wenn man ihn nur als „Brüller“ abwerten will, denn er kann wirklich sehr viel mehr als nur Stimme geben. Mittlerweile ist er zurecht der wohl bedeutendsten Heldentenor weltweit. Im übrigen lachen wir immer darüber, wie weit es der Bauernbub Andreas und die „schwierige“ Halbwaise Günther aus Niederösterreich gebracht haben…

Dieser kommende „Ring“ erregt ja allseits Aufsehen, durch den 30jährigen Regisseur, durch den ganz neuen Wotan, der im Sommer 2020 in Bayreuth in allen Rollen debutieren wird. Sie haben hier in Wien derzeit sogar ein Team des Bayrischen Rundfunks auf den Fersen?

Ja, die machen anlässlich des Wotan-Debüts ein einstündiges Porträt über mich, das dann nächsten Sommer gesendet werden soll und wo sie mich periodischen begleiten. Da fühlt man sich natürlich doch ganz schön beobachtet…

Nun wären ja die drei Wotans schon genug, um einen Sänger glücklich zu machen, aber bei Ihnen steht ja noch mehr bevor. Intendant Peter Gelb hat ja bereits verraten, dass Sie an der Met der König Philipp in der nächsten „Don Carlos“-Produktion sein werden…

Ja, und das wird 2022 besonders interessant, weil wir zuerst die französische Fassung machen und ein halbes Jahr später die italienische. Das ist nicht ganz leicht, aber auch eine gute Herausforderung, um nicht einzurosten. Darum bin ich froh, dass es neben Wagner auch Verdi für mich gibt…  Zu dem Philipp gibt es übrigens eine hübsche Geschichte, als ich in München mal mit einer schweren Mittelohrentzündung den Großinquisitor gesungen habe. Am rechten Ohr war ich völlig taub, habe eigentlich nichts gehört und hatte Schmerzen. Mit dem Ergebnis, dass ich einfach viel zu laut, fast gewalttätig gesungen habe. Worauf ein Freund nach der Vorstellung zu mir sagte: „Wir wissen ja alle, dass Du lieber der Philipp wärst, aber deshalb musst Du ihn als Großinquisitor nicht gleich totsingen…“

Wie viel bietet Verdi als Abwechslung für einen Baß?

Nun, ich habe bereits den Zaccaria in Berlin, den Banquo an der Met und in der Zeit meines Zürcher Festengagements oft den Sparafucile gesungen. Als nächste große Rolle kommt nun im September 2020 der Fiesco. Aber ich würde der Abwechslung wegen sogar gerne auch einmal wieder einen Händel machen, denn das finde ich interessant. Wenn man etwas zu oft tut, kann man stecken bleiben. Vor allem auch geistig.  Ich erinnere mich an meine ersten freiberuflichen Anfängerjahre, wo ich immer und überall den Sarastro gesungen habe. Mozart immerhin, und doch denkt man sich ab und an, wenn man zum gefühlten hundertsten Mal die Papageno-Arie hört: Schon wieder?

Apropos Met, der Philipp folgt ja gewissermaßen wegen des Erfolgs als Ochs: War der sensationelle „Rosenkavalier“ 2017 an der Met, wo Sie einen so anderen, so ekelhaften Ochs gespielt haben, für Sie ein Karriereschub?

Der Philippe konkret war eine direkte Konsequenz des Einspringens für Ferruccio Furlanetto bei der 50-Jahr-Jubiläumsgala im Mai 2017. Solche Geschichten freuen mich immer besonders, denn es zeigt, dass man doch auch noch mit ehrlicher Leistung weiterkommen kann. Die Met ist diesbezüglich überhaupt ein ganz besonderes Haus und deshalb bin ich auch so gern dort. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass schon die Münchner „Rusalka“ 2010 für mich karrieremäßig sehr wichtig war. Es ist ja wirklich kaum glaublich, dass da eine Produktion mit lauter Einspringern zusammen gestoppelt wurde und solchen Erfolg hatte. Kusej kam statt Loy, Kristina Opolais statt der Stemme, und den Wassermann hätte auch jemand anderer singen sollen. Und dann hatte Kusej dieses überzeugende Konzept der Mädchen, die im Fritzl/Priklopil- Keller festgehalten wurden, und wir sind alle dermaßen in unsere Rollen hineingewachsen, dass es ein Riesenerfolg wurde, der dann auch manches nach sich zog.


Als Ochs mit Elina Garanca an der Met

Aber zu Ihrem ganz anderen Ochs muss ich doch noch nachfragen. War das die geniale Idee von Regisseur Robert Carsen, den Ochs so jung und  pöbelhaft sein zu lassen? Und könnten Sie sich heute noch vorstellen, einen ganz wienerisch konventionellen Ochs als netten, dummen Tölpel zu spielen?

Also ich hatte ja schon einen einigermaßen „alternativen“ Ochs mit Harry Kupfer 2014 in Salzburg erarbeitet. Und dann habe ich 2016 in München in der alten Schenk-Inszenierung den Ochs gesungen – und man bringt auch im barocken Kostüm eine ganz andere Lebendigkeit, schon einen anderen Körperduktus für die Rolle mit. Die Erfahrungen, die man mit einer Figur macht, trägt man schließlich mit sich. Aber was uns mit Carsen in New York gelungen ist, war schon sehr besonders.


Als „Wassermann“ in „Rusalka“ im Theater ab der Wien (Foto: Herwig Prammer)

Denkt man an Wagner oder den Ochs, dann erscheint der Wassermann in der „Rusalka“, als welcher Sie eben im Theater an der Wien einen großen persönlichen Erfolg hatten, fast wie leichte Arbeit?

Das ist er nicht, er hat schon Einiges zu singen, auch Dramatisches, viel Schönes, und da ist ja noch die tschechische Sprache, die nicht leicht ist. Ich achte immer besonders auf die Sprache, übrigens auch im Deutschen – ich weiß, dass wir Sänger mit Deutsch als Muttersprache oft faul sind, weil wir nichts Fremdes lernen müssen und uns folglich nicht ausreichend um die Artikulation kümmern. Wenn Sie mich fragen, sind die Engländer und Amerikaner da oft besser, und was das Sprachliche betrifft, ist etwa der Engländer John Tomlinson mein Vorbild für den Wotan, weil er jedem Wort auch noch die Bedeutung gibt: „Grimm“ darf nicht nur Grimm heißen, sondern muss auch das Gefühl von Grimm vermitteln…

Apropos Vorbilder: Orientieren Sie sich, wenn Sie einen Wotan erarbeiten, an dem, was die anderen getan haben?

Selbstverständlich, ich bin ein großer Verfechter alter Aufnahmen, ich höre und sehe, was ich bekommen kann. Man wird sicher nichts nachmachen, aber es wäre vermessen zu glauben, dass man nichts daraus lernen kann, wie große Kollegen gewisse Probleme bewältigt haben.

Einen Mann, der die Wotans und den Philipp vor sich hat, zu fragen, was er noch machen möchte, ist fast vermessen.

Doch, da gibt es vieles. Ich bin ein „basso cantante“ mit entsprechend großem Spektrum. Über dieses Fach hinaus will ich die Stimme derzeit noch nicht allzu viel beanspruchen. Aber es gibt natürlich unendlich viel. Sicher noch einmal den Boris. Sehr gern den Scarpia: allein der Auftritt im ersten Akt! Und im zweiten Akt dieses herrliche Psycho-Duell mit Tosca, in die er so verliebt ist… Escamillo würde zu meiner Stimme passen, aber der scheint mir abseits von seinem prächtigen Auftrittslied als Figur keine besondere Herausforderung. Eine Rolle, die ich wirklich über die Maßen gerne singen würde, wäre der John Claggart in „Billy Budd“. Ja, und ich sage es, weil es schon einen Termin gibt: der Sachs wird kommen. Ob ich allerdings den Holländer singen werde… das weiß ich noch nicht.

Wenn ich zu einem anderen Thema kommen darf: In dem Porträt über Sie, das Ioan Holender gedreht hat, sieht man Sie an der Kraftmaschine, und das muss natürlich sein, denn jeder weiß, wie viel Kraft das Singen kostet. Nebenbei sorgt man dafür, dass man gut aussieht. Aber Stichwort „Bodyshaming“:Hat ein Kritiker Ihrer Meinung nach das Recht anzumerken, dass beispielsweise eine Sängerin, die als „Nymphe“ auf der Bühne stehen soll und eigentlich eine Tonne ist, optisch nicht entspricht?

Also, zuerst die „körperliche Ertüchtigung“: Die ist für mich selbstverständlich, ich war mein Leben lang ein Sportler, ich kann gar nicht anders. Und vielleicht komme auch ich langsam in das Alter, wo man sich mehr überlegen muss, wie man aussieht. Es war schon gut beispielsweise, als ich an der Scala den Kaspar im „Freischütz“ gesungen habe und die Szene in der Wolfsschlucht mit nacktem Oberkörper stattfand, wenn man da kein klägliches Bild abgibt. Wie viel Kritiker über das Äußere der Sänger sagen sollen – ich denke, der Ton macht die Musik. Aber ich meine auch, dass man aus einer Kritik nicht einen Riesenwirbel machen soll, der dann eigentlich nur dem  Ego des Sängers dient…

Damit ist man bei den Sozialen Medien, die von manchen Kollegen – ich denke an Netrebko oder Kaufmann – so virtuos bespielt werden, indem sie ihre Fans dauernd mit privaten Nachrichten füttern. Tun Sie es auch?

In ganz geringem Maße auf Twitter und nur dort, und das nicht zuletzt, weil es eine gute Art ist, auch mit Kollegen in Kontakt zu bleiben. Privat halte ich mich zurück. Nur manchmal kann man selbst nicht widerstehen, so wie ich das Foto von mir und meiner Tochter Margot gepostet habe, wie sie vor dem Bayreuther Festspielhaus auf meinen Schultern sitzt… Aber sonst halte ich von dieser sich dauernd selbst bespiegelnden und sich selbst ausstellenden Tendenz unserer Zeit wenig bis gar nichts.

Apropos Tochter, apropos Familie im Tessin. Nach der Wiener „Rusalka“-Serie geht es für Sie nach München zu einem „Fidelio“, an die Met zu einem „Rosenkavalier“ mit anderer Damen-Besetzung als zuletzt, wieder nach München zur „Verkauften Braut“, nach Madrid zu einem Hunding in der „Walküre“, nach Paris zu einer Beethoven „Neunten“, nach Barcelona zu einem „Lohengrin“, dann haben wir Sie im April für einen „Fidelio“ mit Kollegen Schager in Wien, dann gibt es in München einen Großinquisitor, bei dem Sie Kollegen Abdrazakov wieder über die Schulter schauen können, wie er den König Philipp anlegt, dann folgt in Berlin ein Gurnemanz im „Parsifal“, bevor es nach Bayreuth geht… Ist das ein Leben? Wo bleibt die Familie?

Die kommt zu kurz, das wissen wir alle in diesem Beruf, darauf muss man sich selbst und darauf muss sich die Familie einrichten. Im übrigen ist es natürlich eine Hetzjagd, aber ich muss ehrlich sagen, sie macht mir auch Spaß. Wenn wir Sänger „jammern“, tun wir es ja doch auf sehr hohem Niveau. Wir werden ja nicht, wie es früher der Fall war, in die Fremde und in den Krieg geschickt, wo man umkommen kann, wir gehen freiwillig und werden nicht nur mit Geld, sondern oft auch mit sehr schöner Arbeit und einem Gefühl innerer Befriedigung, ja das Glücksrausches – wie z.B. als Gurnemanz im dritten Akt! – belohnt.

Die letzte Frage bezieht sich auf Wien. Werden Sie bei den kolportieren „zehn Premieren der ersten Saison Roscic“ dabei sein?

Nein, aber mit drei großen Rollen im Repertoire, eine italienische, zwei deutsche, von der ich eine in Wien noch nicht gesungen habe. In der zweiten Saison wird es weniger, weil so viele Termine schon weg sind  – aber man muss ja dankbar sein, so gefragt zu sein.

Lieber Herr Groissböck, wir halten die Daumen für alles, was Sie vor haben!

 

 

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