
GIUSEPPE VERDI: REQUIEM – LONDON SYMPHONY ORCHESTRA – NOSEDA; LSO Hybrid-SACD
Live aus der Barbican Hall 18. September 2016
Gianandrea Noseda, seit 2016 erster Gastdirigent des London Symphony Orchestra, hat legitimerweise das Verdi Requiem aufgeführt. Was die Qualität des Orchesters und vor allem des herausragenden London Symphony Chorus angeht, scheint eine Veröffentlichung auf Tonträger rechtfertigbar, zumal Noseda die Kontraste gehörig schärft und diese spirituellste aller Opern Verdis mit der nötigen Theatralik, wo nötig auch mit überidischen Piani ausstaffiert.
Leider kann das Solistenquartett da nicht mithalten. Francesco Meli enttäuscht mit harter Tongebung und gepressten Höhen, im Verlauf des Abends steigert sich sein Tenor vor allem in den lyrischeren Passagen sowie den Ensembles. Michele Pertusi, als höchst verdienstvoller Belcantist und Rossini Spezialist bekannt, fehlen die breit strömenden Legati und das Kulinarisch-Großzügige dieser grandiosen Basspartie. Daniela Barcellona, ebenso eher im Rossini Fach zu Hause, weiß mit ihrer Mittellage zu bezaubern. In den dramatisch fordernden Höhen klingt der vokale Strom forciert, bisweilen macht sich ein unschönes Vibrato bemerkbar. Einzig die verdi-, rossini- und mozartgestählte Sopranistin Erika Grimaldi lässt mit guter Technik und einem interessanten Timbre aufhorchen. Ihren Namen sollte man sich merken.
Diese insgesamt gerade einmal befriedigende Aufnahme (auch die Tonbalance zwischen Orchester, Chor und Solisten lässt zu wünschen übrig) ist ein gutes Beispiel dafür, dass seit dem Aufkommen der vielen Orchester-Eigenlabels nicht alles Gold ist, was glänzt. Vielleicht wäre es besser, erst nach einem Konzert festzulegen, ob ein Mitschnitt veröffentlich wird oder nicht. Was die Solisten angeht, gibt es jede Menge an besseren und empfehlenswerteren Aufnahmen im Katalog (Karajan, Abbado, Solti, Giulini, Harnoncourt, Jansons etc.).
Dr. Ingobert Waltenberger

