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GESAMTKUNSTWERK

07.03.2020 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

GESAMTKUNSTWERK
WIENER STAATSOPER [BACKSTAGE]
Herausgegeben von Dominique Meyer u.a.
Fotos: Lois Lammerhuber u.a.
Edition Lammerhuber, 200 Seiten, Großformat, 2020

Die Ära Dominique Meyer neigt sich nach zehn Jahren ihrem Ende zu (genau genommen, ist sie seit Februar 2020 zu Ende, läuft aber noch nach seinen Plänen  diese Spielzeit), und damit wird man sich von etwas trennen müssen, was gute, schöne, liebe Tradition geworden ist. An sich haben die Oper, der Fotograf Lois Lammerhuber und sein Verlag vor zehn Jahren mit den opulenten Bildbänden aus dem Staatsopern-Leben als „Herrengabe“ beim Opernball begonnen. Mittlerweile sind sie längst im allgemeinen Verkauf, und man hat jedes Jahr für den Text und viele Bilder eigene und neue Themen gefunden.

Das „Gesamtkunstwerk“ ist nun der Abschied: Die Brüder Lang, die unendlich fleißigen Dramaturgen des Hauses, sorgen für zehn Seiten, jeder ein Rückblick auf eine Spielzeit gewidmet (der Text auf Englisch und Französisch folgt darauf). Dazwischen zeichnet Ensemblemitglied Benedikt Kobel jene liebenswürdigen Karikaturen, für die er bekannt geworden ist. Natürlich bedenkt man, dass es wohl  das Schicksal herausfordert, wenn man die noch ausständigen Opern-Neuproduktionen („Cosi fan tutte“ und „Un ballo in maschera“) gewissermaßen als gegeben ansetzt (der Teufel schläft nicht, was da theoretisch noch alles passieren kann…), aber es ging wohl nicht anders, Betrachte man das Unternehmen „Direktion Dominique Meyer“ als abgeschlossen – und zum Beethoven-Jahr zeichnet Kobel den Meister mit freundlicheren Gesichtszügen als üblich und einem offenen Vogelkäfig in der Hand: Dem ist offenbar eine „Leonore I“-Partitur entflogen. Kritische Anmerkungen zu dieser Produktion versagt man sich, man will ja freundlich in die Vergangenheit schauen.

Im übrigen ist es, wie immer, ein Buch der Bilder, und nur, wer selbst gelegentlich versucht, zu „fotografieren“, statt bloß zu knipsen, wird in die gebührende Bewunderung verfallen: die Perspektiven, die da rund um das Operngebäude gewählt werden, die vollkommen ungewohnten Blicke, die poetische Schönheit, der Glanz des Hauses als solches en gros und en detail.

Und dann geht es, entsprechend dem „Gesamtkunstwerk“-Motto des Bandes, umfassend zu den Menschen, die Bühnenarbeiter, die Techniker, die Beleuchter bei der Arbeit, der Blick in die Gänge, in die Büros (da sitzen sie rund um den Direktor und gehen Pläne durch), die Schneiderei, die Malerei, die Requisiten: diese Sammlung von Herrenhüten und –mützen aller Art kann sich sehen lassen.

Da kollern Kulissen herum, da scherzen die Schneider, da rollen die Requisiteure auch Harfen, da arbeiten die Dirigenten, da zucken ein paar Sänger aus  (Jonas Kaufmann sogar am Dach des Hauses), kurz, Lois Lammerhuber war hinter allen her, von den Stars bis zum Kinderchor. Und natürlich ergeben die Tänzer immer besonders schöne Bilder.

Es ist ein Abschied, jeder Abschied macht traurig, aber mit diesen Büchern hat die Ära Meyer etwas Schönes zu bieten, womit man sich in Zukunft immer wieder in die Erinnerung „zurückblättern“ kann.

Renate Wagner

 

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