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Gerhard Tötschinger: VON ST. STEPHAN NACH ST. MARX

23.11.2015 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover Tötschinger, Von St. Stephan jpg

Gerhard Tötschinger:
VON ST. STEPHAN NACH ST. MARX
Die Wiener Bezirke I, II und II
Wiener Geschichten für Fortgeschrittene
257 Seiten,
Amalthea Verlag, 2015

Gerhard Tötschinger ist, wie man bereits aus vielen Büchern weiß, ein begnadeter Erzähler im doppelten Sinn: Er erzählt Geschichten, und er erzählt über Geschichte, so dass nie der Staub herumfliegt, sondern die „Süffigkeit“ von Ereignissen sich zum spannenden Lesevergnügen ausbreitet.

Diesmal hat er sich Wien vorgenommen, die Bezirke I bis III, wobei der „Erste“ gut zwei Drittel des Buches einnimmt. Kunststück, hat sich auf diesem Zentrum – wir reden von drei Quadratkilometern, nicht mehr! – so gut wie alles abgespielt, was in der Geschichte der Stadt wesentlich ist.

Tötschinger erzählt in Epochen – die Römer, die Babenberger, die Habsburger, das 20. Jahrhundert -, aber er tut es großteils anhand von Menschen und ihren Schicksalen. Das macht seine Erzählweise so lebendig, die – wie man fast nebenbei bemerkt – eine ungeheure Akkumulation von Wissen mit sich bringt. Man kann es als Geschichte, Kulturgeschichte, Geschichte von Menschen, aber auch als Stadtführer lesen, so viel erfährt man darüber, was, wann, warum geschehen ist und welche (teils bis heute sichtbaren) Folgen es hatte.

Der Zweite Bezirk, die „Mazzesinsel“, 19,24 Quadratkilometer zwischen Donau und Donaukanal, erzählt natürlich vom Leopoldstädter Theater und dem Prater, vom einst so prächtigen Nordbahnhof (der abgerissen wurde wie so vieles andere, statt dass man ihn wieder aufgebaut hätte!), und natürlich vor allem von den Juden, die in dieser Leopoldstadt daheim waren und es teilweise noch sind. Übrigens: Es stimmt, dass Arthur Schnitzler in der Praterstraße geboren wurde, aber von dort ist er beileibe nicht auf die Schottenbastei gezogen, wie hier behauptet… aber bei so vielen Fakten darf dann auch einmal ein Fehler unterlaufen.

Schade, sehr schade, dass für den Dritten Bezirk (7,37 Quadratkilometer) nur 20 Seiten Platz geblieben sind – wie man Tötschinger kennt, wäre ihm da noch viel, viel mehr eingefallen.

Möge der Autor diese Art von leicht konsumierbarer Information auch für die anderen Bezirke Wiens fortsetzen und der Verlag ihm viele Seiten dafür einräumen.

Renate Wagner

 

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