
Georg Markus:
GAR NICHT LANGE HER
MEINE GESCHICHTEN MIT GESCHICHTE
304 Seiten, Amalthea Verlag, 2025
Geschichten ohne Ende
Das schier unerschöpfliche Geschichten-Reservoir, das Georg Markus Buch für Buch ausbreitet, beruht auf einem langen, intensiven, arbeitsreichen Journalistenleben. Wenn er in seinem neuesten Werk mit dem Titel „Gar nicht lange her“ erneut sein Erfolgsrezept beschwört, dann erzählt er diesmal auch en passant direkt von sich – nämlich, wie er Journalist wurde.
Neunzehnjährig ging er 1970 auf der Suche nach einem Ferialjob in das damalige Kurier-Haus in der Lindengasse und fragte den Portier naiv, wie man Journalist würde. Er muss ihm, vermerkt Markus, den richtigen Rat gegeben haben, denn aus dem Ferialjob wurden 55 Jahre…
Chronik-Chef Herr Jäger brauchte „sofort“ jemanden, und Georg Markus war da. Er arbeitete sich von Autounfällen in den Gerichtssaal und zum Staatsbesuch des belgischen Königs hoch. Sein erstes Künstlerinterview führte er mit Maxi Böhm, und so kam er schnell in die Welt des Theaters, des Films, der Schauspieler. Dazu kam sein persönliches ausgeprägtes historisches Interesse.
Was es bedeutete, mit Leib und Seele Journalist zu sein, zeigte ihm als großes Vorbild Hugo Portisch. Und in der Kronen Zeitung fand sich Markus dann inmitten einer Regie höchstkarätiger Kollegen, denen er – bis zu Sportreporter Heribert Meisel – ein respekt- und liebevolles Denkmal setzt. Kurt Waldheim durfte er übrigens in New York interviewen, als dieser noch hoch geachteter UNO-Generalsekretär war…was sich ja später bekanntlich geändert hat.
Es ist dies nur eine Geschichte unter den vielen hier, und Georg Markus hat. wie man weiß, in mancher Episode (man sage nur: Mayerling) sich selbst „mitgespielt“, dennoch könnte man sieh seine Memoiren gut vorstellen.
Sein jüngstes Buch fasst ältere und neuere Themen unter seinen üblichen, von den Lesern gewünschten Schwerpunkten zusammen – Kaiserlich-Königliches, wobei die Habsburger naturgemäß immer eine besondere Rolle spielen, , Historisches (mit der alten Beschwörungsformel, was der Welt erspart geblieben wäre, hätte man Hitler als Maler an der Akademie angenommen), Man begegnet Adeligen, Promis und auch Verbrechern (denn von Kriminalfällen liest man offenbar nicht nur in den Lokalseiten der Zeitungen besonders gern), es gibt Filmstars und Love Stories, und, man ist schließlich bei Markus immer sehr stark in Wien, Kaffeehausgeschichten.
Sehr schön sind seine Nachrufe auf zwei der wichtigsten Schauspieler Wiens, Helmuth Lohner und Otto Schenk, und dabei erinnert er auch noch an Oskar Werner, der den Älteren unvergessen blieb. Was allerdings nicht überall der Fall ist. Beim Lokalaugenschein im Marburger Hof, wo Oskar Werner am 23. Oktober 1984 einsam starb, erinnert man sich gar nicht mehr an ihn, wie Markus feststellte.
Seine Erinnerungen an Helmuth Lohner, mit dem er eine zeitlang im selben Haus wohnte, sind liebe- und verständnisvoll, zeichnen den öffentlichkeitsscheuen Künstler, mit dem ihn ein Vertrauensverhältnis verband und der vor zehn Jahren gestorben ist. Otto Schenk hat man erst jüngst zu Grabe getragen, dieses Universaltalent als Schauspieler, überbordender Komödiant in allen Gassen und Regisseur, wie es wenige gegeben hat oder gar gibt. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben – auf vielen Bühnen werden seine stilbildenden, epochemachenden Inszenierungen noch gezeigt.
Kurz, es ist die beliebte Markus-Mischung im großen Buchformat, die wieder verlässlich auf vielen Weihnachtstischen liegen wird.
Renate Wagner

