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GENF/ Grand Théâtre de Genève: PARSIFAL , Derniere

Grand Théâtre de Genève: Parsifal, Derniere vom 5. Februar 2023

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ChristopherMaltman (Amfortas), Daniel Johansson (Parsifal), Tanja Ariane Baumgartner (Kundry). Foto: Carole Parodi

Jetzt verfolgen wir die Geschichte des Parsifal, in verschiedenen Stationen. Er kommt, Monsalvat, zu den Gralsrittern, eine absterbende Gesellschaft, im Gefühl nach einer Apokalypse, sie haben keinen Auftrag mehr, sind nur noch mit sich selbst beschäftigt, sind krank müde sterbend. Er nimmt diese Welt wahr, versteht diese Welt nicht, geht weiter auf Wanderschaft, kommt in eine Traumwelt von Klingsor, ein verbannter Gralsritter der Monsalvat nochmals nachgebaut hat, er kommt und ist plötzlich in dem Amt als König der Gralsritter und ist gänzlich überfordert. Weiss nicht, weil er nichts kann, was wird von ihm erwartet und wie ist es möglich eine Welt überhaupt retten zu können, als einzelner Mensch. Das ist die Geschichte erzählt von Michael Thalheimer.

Genf bringt einen Parsifal auf die Bühne mit viel Blut. Der Regisseur Michael Thalheimer zeichnet eine düstere Geschichte des Parsifals. Das Bühnenbild ist karg und grau. Die Gralsmänner sind voll Blut beschmiert und beschmieren unentwegt die Mauern mit Blut. Malen Kreuze an die Wand und werfen Säcke mit Blut an die Wände.

Ein weisses Podest dreht sich auf einer Scheibe, dahinter stehen zwei weisse eckige Türme, deren Querbalken mit der Lücke dazwischen das Kreuzzeichen formen. Auch aus diesen Lücken fliesst Blut die Wände herunter.

Es gibt kaum Requisiten, kein Altar, kein Kelch einfach gar nichts. Einzig Kundry ist mit einer Pistole bewaffnet und erschiesst damit Klingsor und hält sich am Schluss die Waffe an die Schläfe bevor der Vorhang fällt.

Man kann mit dieser Interpretationsweise einverstanden sein oder nicht. Eines macht sie aber deutlich, die stringente Personenregie. Thalheimer bringt es fertig, jeder einzelnen Figur ins Rampenlicht zu führen, ihr eine Plattform zu geben und damit hoch aufleben zu lassen. Grosse Regiearbeit, bravo!

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Daniel Johansson (Parsifal). Foto: Carole Parodi

Ensemble

Gesungen wird durchweg auf beglückendem sehr hohem Niveau. Tanja Ariane Baumgartner verfügt über eine starke Bühnenpräsenz in Spiel und Gesang und beeindruckte mit ihrer dunkel timbrierten, sicher geführten Stimme grossen Formats. Sie hat als Kundry nicht nur Erfahrung, sondern die stimmlichen und darstellerischen Mittel für diese Figur.

Daniel Johansson gestaltete den Parsifal mit abgestimmter, sicherer Intonation und strahlender Variabilität auch in den Höhen. Der leidende an Krücken gebundene Amfortas wird glanzvoll von Christopher Maltman gespielt und gesungen. Auch hervorragend sind Tareq Nazmi als Gurnemanz und Martin Gantner als Klingsor, welches das positive Gesamtbild abrundeten.

Klingsors Blumenmädchen beklagen den Tod ihrer Geliebten und fordern Parsifal auf, mit ihnen zu spielen. Dies sind Julieth Lozano, Tineke von Ingelgem, Louise Foor, Valeria Savinskaia, Ena Pongrac und Ramya Ray.

 

Dirigat

Sehr viel Applaus bekam völlig zu Recht Dirigent Jonathan Nott, so herrlich ausbalanciert und hervorragend geprobt, wie sich das Orchester de la Suisse Romande präsentierte. Das klang transparent lichtdurchflutet beseelt, nicht pompös und weihrauchschwanger.

Er ist zweifelsohne ein Dirigent der Präzision und Nuancen, der mit Verve und tiefgründigem Geist agiert sowie deutlich und klar strukturiert vorgeht, um seine Linie und Interpretation zum Ausdruck zu bringen.

Auch der Chor du Grand Théâtre du Genève unter der profunden Leitung von Alan Woodbridge trugen zu diesem Eindruck ganz entscheidend bei.

 

Marcel Emil Burkhardt

 

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