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GENF: DAS RHEINGOLD – Derniere

25.03.2013 | KRITIKEN, Oper

DAS RHEINGOLD  in Genf, Derniere vom 24.03.2013


Foto: Grand Théâtre de Génève

 Dieter Dorn wurde damit beauftragt, eins szenische Deutung für die Tetralogie zu entwickeln. Für Dorn und sein Ausstattungsteam Jürgen Rose (Kostüm und Bühnenbild) und Tobias Löffler (Beleuchtung) ist dies eine grosse Herausforderung, obwohl wir es hier mit langjährigen Profis zu tun haben. Das fantasievolle aussagekräftige Bühnenbild, in dem Zwischenvorhänge und offener Raum gleichermassen eingebunden sind, ist ein grosser Wurf, dessen Wirkung die vortrefflichen Kostüme noch verstärken.

 Leicht und bedacht, wie in ein Kammerspiel, wirkt dieser Anfang, des Ring der Nibelungen. Ironisch, sparsam und verspielt. Die Figuren wie aus der griechischen Mythologie entsprungen, eine Zeitreise in die archaische Geschichte der Griechen und die der Götter. Im „Rheingold“ geht es noch nicht um Krieg, Mord, Inzest, Liebe und Tod, sondern um Zwerge, Riesen und Götter. Eine Märchenwelt die verschont wird von den düsteren Machenschaften der Menschen. Hier geht es um Gold stehlende Gnome, gut ausgepolsterte Riesen und um rollschuhfahrende Nixen in bunten und farbigen Strümpfen.

 Schön sind die verspielten gar verzaubernden Effekt, die auf ein solides Handwerk hindeuten und wie früher, als man die Oper noch als Theaterspektakel aufführte, wiedergegeben werden. Als Alberich sich den Tarnhelm aufsetzt, verschwindet er wirklich pünktlich in diesem Moment und nur noch der Stuhl bleibt sichtbar. Es gibt eine giftgrüne Kröte zu sehen und einen schönen rauchenden Riesenwurm. Einfach schön anzusehen.


Foto: Grand Théâtre de Génève

 Ingo Metzmacher stellt einmal mehr unter beweis, dass er ein guter Wagner Dirigent ist. Er kann differenzieren, betören, und bis ins kleinste Detail hinein prägnante Töne bilden und getragene Spannungsbögen spielen. Er lässt der Musik Zeit und Atem sich zu entfalten. Wagners „unendliche Melodie“, ganz aus Sprache und dramaturgischer Entwicklung geboren, so begreift das der Hörer an einem solchen perfekt einstudierten Abend. Was Metzmacher an Detailarbeit aus dem Orchester herausholt, ist hörbar wunderschön.

Tom Fox erreichte als kühl agierender Wotan mit warm strömender Stimme grosses Format und war dem rastlosen Alberich, den John Lundgren ausdrucksstark und temperamentvoll gestaltete, ein ebenbürtiger Gegenspieler. Corby Welch exaltierter Loge rückte stets präzise artikulierend in den Mittelpunkt der Aufführung. Eine gelungene Fricka sang Elena Zhidkova deren klangvoller, farbenreicher Mezzosopran alle Schattierungen der Partie aufzuzeigen vermochte. Andreas Conrad verlieh Mime mit bewegendem Wehklang grosse Gestaltungskraft. Alfred Reiter als Fasolt und sein Begleiter Steven Humes als Fafner bildeten gesanglich wie darstellerisch ein gelungenes Paar. Die ausgepolsterten Körper waren effektvoll und visualisierten die Riesenhaftigkeit der Beiden. Die Erda der Maria Radner kam stimmlich wie gestalterisch gut zur Geltung. Freias sorgenvolle Unruhe aufgrund der ungewissen Zukunft trug Agneta Eichenholz energisch vor. Thomas Oliemans fehlte es für den Donner an der nötigen Durchschlagskraft und Christoph Strehl machten als Froh enge Höhen zu schaffen. Für einen weiteren Glanzpunkt sorgten Woglinde (Polina Pasztircsák), Wellgunde, (Stephanie Lauricella) und Flosshilde (Laura Nykänen), stimmlich vorzüglich besetzten und bestens harmonierenden Rheintöchter.

 Da kann man sich als Zuschauer freuen, dass in der nächsten Spielzeit die folgenden Teile der Tetralogie gegeben werden. Das Publikum goutierte die Aufführung mit viel Applaus und Wohlwollen.

 Marcel Paolino

 

 

 

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