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Gabriele Hasmann: HABSBURGS SCHRÄGE VÖGEL

12.11.2018 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Gabriele Hasmann:
HABSBURGS SCHRÄGE VÖGEL
Extravaganzen und Allüren eines Herrscherhauses
184 Seiten, Verlag Ueberreuter, 2018

Dass die Autorin dieses Buches, Gabriele Hasmann, u.a. eine „erfahrene Spuk-Jägerin“ ist, wie der Klappentext verrät. verschafft ihr sicher in unserer esoterik-süchtigen Zeit gute Beschäftigungslage. Es prädestiniert sie allerdings nicht dazu, ein wirklich ernst zu nehmendes Buch über die Habsburger zu schreiben – aber vielleicht ist „Habsburgs schräge Vögel“ auch nicht so gemeint. Tatsächlich ist das, was sie als „Extravaganzen und Allüren eines Herrscherhauses“ anbietet, eine sagenhafte Sammlung von Klatsch und Tratsch.

Dabei gibt sich das Vorwort so anspruchsvoll, als sollte wirklich ein kritischer Blick auf „Aristokraten“ geworfen werden (nebenbei: Mitglieder der kaiserlichen Familie Habsburg waren keine „Aristokraten“!), die an „imperialem Narzissmus“ litten, „gepaart mit einem Hang zu Selbstüberschätzung sowie deutlichen Anzeichen von Fanatismus“. Sie hätten mit ihrer Lebensweise die Grenzen des guten Geschmacks überschritten (als ob sich diese nicht von Generation zu Generation änderten), die Regeln des Anstands negiert und selbstgewählte Außenseiter-Rollen eingenommen.

„Bewiesen“ wird das etwa durch die „Vorliebe für Sonderlinge“ (als ob dergleichen nicht auch der Durchschnittsmensch auf jedem Jahrmarkt mit Riesen und bärtigen Damen befriedigte), mit einer Neigung zu Magie und Geisterglauben (von Kaiser Rudolf II. bis zu Sisi sind da manche heranzuziehen), mit Wahnsinn (wo man nicht nur „Johanna die Wahnsinnige“ nennen kann), mit der Behauptung von Sado-Maso-Veranlagungen (worunter sogar Maria Theresia angeführt wird!) und homosexuelle Neigungen. Die Autorin stöbert Narzissten auf, Kontroll-Freaks und wahre Schurken, von den sexuellen Eskapaden von Erzherzog Otto und Kronprinz Rudolf ganz zu schweigen, und sie erzählt nie etwas Neues. Sie stellt nur Bekanntes hektisch-übertreibend dar.

Neben vielen Behauptungen, für die es keinen Beweis gibt (ein Schwarzbuch voll von Fake News), stehen einfach total falsche Behauptungen. Wie kann Maria Theresia, die 1780 starb, in Pluderhosen und bunten Seidengewändern in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ aufgetreten sein, die 1782 uraufgeführt wurde (und das wird gleich zweimal behauptet)? Wie kann sich Kaiserin Maria Ludovica als des „Teufels Großmutter“ bezeichnet haben, wenn die Dame 1792 gestorben ist und die Hochzeit ihrer Enkelin Marie Louise mit Napoleon 1810 stattfand? (Es war, um es der schlampigen Autorin zu sagen, die andere Großmutter, die sich so nannte.) Wie kann man „Kaiser Karl V. von Spanien“ mixen – als König von Spanien war er Carlos I., als Karl V. war er Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und hatte mit Spanien in dem Sinn nichts zu tun… Das sind keine Kleinigkeiten, das und viel mehr beweist die mangelnde Sorgfalt, die hier waltete.

Aber wer gerne das „Bunte Blatt“ oder die „Skandal Postille“ liest, kann sich hier an Habsburgischen Exzessen entzücken (die oft – etwa beim Sammlerwahn – nur Zeichen ihrer Zeit waren…).

Renate Wagner

 

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