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FRENCH IMPRESSIONS

07.05.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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FRENCH IMPRESSIONS 

SOFIA DE SALIS, ELINA KACHALOVA

Ars Production CD

Hommage an den Zauber des Augenblicks

Programm-CDs sind en vogue. Solisten suchen sich ein Thema, unter das sie das stellen, was sie gerade spielen wollen. Da sind die Zusammenhänge manchmal an den Haaren herbeigezogen, manchmal nur ein Zusammenfassen von „Best of-“ Stücken. Sofia de Salis, Flötistin russischer Herkunft hat das anders gemacht. Neben dem für Jean-Pierre Rampal im Auftrag der Coolidge Foundation geschriebenen „Gassenhauer“ für Flöte und Klavier, der berühmten Sonate von Francis Poulenc aus dem Jahr 1956, wartet Sofia de Salis mit echten Raritäten auf, die es allemal wert sind, gehört und entdeckt zu werden. 

Da gibt es eine dicht quirlige Sonatine für Flöte und Klavier von Pierre Sancan zu genießen. Das dreisätzige 10 minütige Werk aus dem Jahr 1946 quillt über vor melodischer Raffinesse und überzeugt mehr noch mit einer Meisterschaft der Durchführung und schwungvoll intensiven Verflechtung der musikalischen Motive.  

Danach wendet sich Sofia de Salis drei kurzen Stücken von Claude Debussy zu, den Liedern „Romance“ (Nr. 1), „Beau Soir“ und „La faune“ , bearbeitet für Flöte und Klavier von Tatiana Smirnova. Gefällige „Schlager“ aus der impressionistischen Werkstatt des Meisters, die durch eingängige Melodien und vor allem das Spiel der beiden Solistinnen für sich einnehmen.

Sofia de Salis, das fällt spätesten ab der Mitte des Albums äußerst positiv auf, pflegt nicht den schönen Einheitston, das klanglich polierte Optimum. Sie nutzt alle Möglichkeiten der modernen Querflöte, um aufbauend auf einer perfekten Technik, Ausdruck und atmosphärische Vielfalt erstehen zu lassen. Da verlässt Sofia de Salis schon mal die Skala des Sanglichen, raut Töne auf, spitzt sie zu, lässt neben feenhaft gesponnenen Kantilenen ein ganzes Arsenal an klanglichem Experiment Ton werden. Ein gutes Beispiel für diese dem jeweiligen Stück angepasste Spielweise ist der „Chant de Linos“ von André Jolivet. 1944 als Auftragswerk für einen Wettbewerb des Pariser Konservatoriums verfasst, wird in dem einsätzigen Werk Linos beschworen. Dieser Sohn des Apoll soll als Musiklehrer des Orpheus und des Herakles gewirkt haben. Jedenfalls bietet das Stück Gelegenheit, rare Spieltechniken zu zeigen, dynamische Extreme auszukosten und virtuose Flötenkunst mit einer bestimmten romantischen Sachlichkeit zu einem ganz eigenen Flair zu stäuben. 

Dagegen ist die „Pièce en forme de Habanera“ von Maurice Ravel doch eher ein populäres Gelegenheitsstück. Die CD schließt wieder mit einer hochinteressanten Rarität von Jules Mouquet. Sein Stück „La Flûte de Pan“ aus dem Jahr 1906 überrascht durch ein Kaleidoskop der Invention, ein rankenreiches Miteinander von Flöte und Klavier sowie die Beherztheit und den Elan im musikalischen Vorwärts. Und wieder interpretieren Sofia de Salis und auch die hervorragende ebenfalls russische Pianistin Elina Kachalova ganz vorzüglich diese klanglichen Scherenschnitte des Augenblicks, diese Wunderwerke an zarter Harmonik, melancholisch bis frecher Melodik sowie konzertierender Emphase. 

Eine CD für einen sonnigen Sonntagnachmittag.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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