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FRANKFURT: Robert MENASSE gewinnt Deutschen Buchpreis 2017

11.10.2017 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps
Robert-Menasse-Buchpreis-2017

Robert-Menasse-Buchpreis-2017   Foto APA

Robert Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
>
>   Frankfurt/Wien (APA) – Robert Menasse ist für seinen in Brüssel
> spielenden Europa-Roman „Die Hauptstadt“, der auch für den
> Österreichischen Buchpreis nominiert ist, am Montagabend in
> Frankfurt mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet worden.
> Nach Arno Geiger (2005) ist Menasse erst der zweite Österreicher,
> der diese prestigeträchtige, verkaufsfördernde und mit 25.000 Euro
> dotierte Auszeichnung erhält.
>
>   Robert Menasse taucht in seinem Roman tief in die Brüsseler
> EU-Institutionen ein. Rund um die Planung von Feierlichkeiten zum
> 50-jährigen Bestehen der Europäischen Kommission entwirft er anhand
> eines Gesellschaftsromans mit eingewobener Krimihandlung ein
> vielstimmiges europäisches Panorama, in dem Geschichte, Gegenwart
> und Zukunft enggeführt werden.
>
>   „Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den
> Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen. Und macht
> unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird
> uns keine friedliche Zukunft sichern können“, befand die
> siebenköpfige Jury. „Die, die dieses Friedensprojekt Europa
> unterhöhlen, sie sitzen unter uns – ‚die anderen‘, das sind nicht
> selten wir selbst.“
>
>   In seiner kurzen Dankesrede betonte der „überraschte und sehr
> gerührte“ Autor, der für die Recherchen zu seinem Roman „Die
> Hauptstadt“ mehrere Jahre in Brüssel gelebt hatte, dass es sich bei
> der EU um einen „prägenden und unser aller Leben bestimmenden
> Prozess, den entscheidenden unserer Lebenszeit“, handle. Es sei die
> Generaldirektion Bildung und Kultur an der Europäischen Kommission
> gewesen, die verhindert habe, dass Amazon mit seiner Klage gegen die
> Buchpreis-Bindung durchkomme. Damit habe sie auch „das Sterben von
> Abertausenden Buchhandlungen auf diesem Kontinent“ verhindert. Das
> verdiene auch einen Applaus „für diese manchmal sehr schrullige,
> manchmal sehr tapfere Institution“.
>
>   „Ich habe nicht gewusst, dass ich diesen Preis bekomme, aber was
> ich gewusst habe ist, dass jeder von uns Nominierten diesen Preis
> verdient hätte“, sagte Menasse. Auf der Shortlist hatten sich neben
> dem 63-jährigen Österreicher auch sein Landsmann Franzobel („Das
> Floß der Medusa“) sowie die deutschen Autoren Gerhard Falkner
> („Romeo oder Julia“), Thomas Lehr („Schlafende Sonne“), Marion
> Poschmann („Die Kieferninseln“) und Sasha Marianna Salzmann („Außer
> sich“) befunden. Sie erhalten jeweils 2.500 Euro.
>
>   In einem APA-Interview kurz nach der Preisverleihung freute sich
> Menasse über die enorme Wirksamkeit, die der Buchpreis entfalte:
> „Ich habe immer den Anspruch gehabt, ich will gute Literatur machen,
> aber ich will auch eine bestimmte Form von Wirksamkeit. (…) Ich
> habe den Anspruch, dass ich literarisch verdichte, was zentrale
> Fragen unserer Zeitgenossenschaft sind, und damit auch mithelfe,
> einen Diskurs zu befeuern, der sich damit auseinandersetzt. Deswegen
> freut mich dieser Preis so, weil ich das Gefühl habe, dass es genau
> das bewirkt. Die Menschen hier sagen: Das große Abstraktum EU hat
> durch mich ein Gesicht bekommen.“
>
>   Gratulationen gab es von politischer Seite: „Robert Menasses
> Roman über die Brüsseler Bürokratie ist ein kluges, witziges und
> nachdenklich machendes Buch, das vieles in einem ist: ein
> Ideenroman, ein Krimi, ein Buch über europäische Politik und eines
> über unsere Wirklichkeit und Gegenwart, samt ihren verpassten
> Möglichkeiten“, hob Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) in
> einer Aussendung hervor. Der Preis sei „eine würdige Anerkennung
> seines jahrzehntelangen Diensts an der Exaktheit“, fand Wiens
> Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ): „So wie er unsere
> Österreich-Vorstellung zurechtgerückt hat, korrigiert er in seinem
> Buch ‚Die Hauptstadt‘ den Blick auf unser Europa. Schonungslos, aber
> nie unter Verlust der Zuneigung. Das ist – im Wortsinn – sein
> Kunststück.“

 

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