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FRANKFURT/ Opernhaus: ENSEMBLE-ABEND – Auf der Opernbühne

am 19.6. (Gerhard Hoffmann)

Katharina Magiera (Künstler) | Opera Online - Die Website für Opernliebhaber
Katharina Magiera. Foto: Barbara Aumüller

Frankfurt: „ENSEMBLE-ABEND“  –    Auf der Opernbühne – 19.06.2020

Erneut wurde die Oper Frankfurt  kreativ mit einem besonderen Event und kreierte einen Liederabend der besonderen Art mit jungen Sängern aus dem Ensemble. Den Reigen eröffnete Katharina Magiera mit dem Liederkreis „Frauenliebe und Leben“ von Robert Schumann,  Episoden nach Gedichten von Adelbert von Chamisso, in deren Verlauf werden in idealisiertem Stil die Begegnung einer jungen Frau mit dem Geliebten, die Hochzeit, die Geburt des Kindes und schließlich der Tod des Ehemanns geschildert.

Deklamatorisch wie musikalisch verstand es die junge Mezzosopranistin vortrefflich die Retrospektive dieses  Frauenlebens zu präsentieren. Zu Beginn des spannungsreichen erzählerischen Bogens färbte Magiera in idealer Ausdrucksform den schwärmerischen Überschwang der Verliebten bei Seit ich ihn gesehen – Er, der Herrlichste von allen in helle freudig erregte Töne. Dem nachdenklichen Duktus, den seelischen Verfassungen der Liebenden verhalf die Sängerin mit dunkleren Couleurs den Strophen Ich kann´s nicht fassen, nicht glauben zu leidenschaftlichem Ausdruck. Ein kleines Einsatz-Malheur war schnell behoben. Innig, verhalten erklang Du Ring an meinem Finger, im lebhaft schwungvollen Impetus folgte Helft mir, Ihr Schwestern. Sinnend, nonchalante Töne setzte die Sängerin bei Süßer Freund, fröhlich und innig voll Liebe schwelgte sie im Mutterglück zu An meinem Herzen, an meiner Brust. Vorzüglich verstand es Katharina Magiera die unaufhaltsamen Schicksalsläufe im Hochgefühl bis zum niederschmetternden Ausdruck des leidvollen Liedes Nun hast du mir den ersten Schmerz getan zu interpretieren.

Vom ersten bis letzten Klaviersatz verstand es Simone Di Felice den pianistischen Bogen zu spannen um den Vertonungen auch instrumental die musikalischen überströmenden Gefühlswelten zu schenken.

Vierhändiges Klavierspiel, aber auch Duett- und Quartett-Singen, gehörten zu den beliebten Formen geselliger Hausmusik im 19. Jahrhundert, diesem Genre leisteten auch große und berühmte Komponisten ihrer Zeit gerne die gewünschten Salon-Beiträge. In diesen Rahmen reihten sich auch die „Liebesliederwalzer“ von Johannes Brahms ein, welche der Komponist für vier Singstimmen und zwei Klaviere im Sommer 1868 verfasste. Die Texte dafür entstammten der Sammlung „Polydora“ des Lyrikers Georg Friedrich Daumer.

Gleich einem bunten Kaleidoskop erklangen nun die kurzen Miniaturen flugs vorüber, die ohne durchgängige Handlung nicht nur von Liebe, menschlichen Regungen sondern auch von Spott und Zorn künden.  Nein es ist nicht auszukommen mit den Leuten wird das giftige Getuschel neidischer Nachbarn lautmalerisch imitiert und als Reaktion auf diese Verärgerungen über die üblen Nachreden folgte Schlosser, mache Schlösser ohne Zahl, den die bösen Mäuler will ich schließen. Vom hübschen kleinen Vogel war die Rede, der sich letztlich gerne fangen ließ, kommt er doch in eine schöne Hand. Auch von Natur-Metaphorik geprägt  waren diverse Vertonungen, welche Brahms als vierstimmig schrieb jedoch auch für 2 Solisten wo Tenor und Bass bekennen, nur die Existenz der Frauen hätte sie vom Gang ins Kloster abgehalten (Nr. 3). Sodann folgte das Duett von Sopran und Mezzo, auch zwei  einstimmige Strophen für Sopran und Tenor enthielt der Zyklus, in welchen  von Liebesenttäuschung die Rede war.

Es war eine Freude den bestens disponierten und prächtig agierenden Solisten Angela Vallone mit hellstrahlendem Sopran, Bianca Andrews sehr beweglichen und schön stimmigen Mezzosopran, dem lyrischen herrlichen Tenor-Timbre von Michael Porter sowie dem profunden und bestens artikulierenden Bass Anthony Robin Schneider

während den vollstimmigen Gesängen oder dialogisch angelegten Vokalsätzen zu lauschen. Gleich einem Kanon erklang die Quelle (Nr.10) welche sich sanft durch die Wiesen windet. Kunstvoll widerfuhr Brahms mit der Liebe einem dunklen Schacht, in den man hinein fallen kann, im Lied Nr. 16 wirkte der einsetzende Bass als Spiegelung des Soprans. In tänzerischer Bewegung der Musik ordnete Brahms in Walzer- oder Ländler-Tönen an. „Übrigens möchte ich doch riskieren, ein Esel zu heißen, wenn unsere Liebeslieder nicht einigen Leuten Freude machen“ äußerte sich der Komponist und erhielt mit der Prognose Recht, als diese im Januar 1870 erstmals dem Wiener Publikum vorgestellt wurden.

Freude und Kurzweil bereiteten sie ebenso der kleinen Frankfurter Hörer-Gemeinde und zu diesem Erfolg leisteten auch die beiden Pianisten Anne Larlee und Mariusz Klubczuk  ihren entscheidenden Beitrag. Kontrastreich, skurril, stets in harmonischem Wohlklang, verstanden es die Herren die pianistischen Feinheiten der Miniaturen zu ergründen,  bestechend in bewundernswerter Noblesse die Solisten zu begleiten und den Kompositionen tiefgründige Substanzen zu schenken.

Das Publikum war hingerissen und bedankte sich begeistert mit Bravos und heftigem Applaus.

Gerhard Hoffmann

 

 

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