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FRANKFURT: FALSTAFF – Premiere

10.02.2014 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: FALSTAFF. Premiere am  9.2.2014

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Zeljko Lucic, Artur Rucinski. Foto: Monika Rittershaus

 An der Oper Frankfurt hatte vielleicht als Nachzügler zum vergangenen Verdijahr sein opus ultimum ‚Falstaff‘ Premiere. Es gelang, für dieses in jeder Hinsicht bemerkenswerte Spätwerk eine hochkarätige Besetzung zusammen zu bekommen, angefangen mit Bertrand de Billy als Dirigent, Repertoire-Stütze an der Wiener Staatsoper und fester Gastdirigent an der Oper Frankfurt, Keith Warner, dem weltberühmten Ausnahmeregisseur mit einem phantastischen ‚Lohengrin‘ in Bayreuth und vielen bemerkenswerten Inszenierungen in Frankfurt als Visitenkarte samt eingespieltem Team, sowie mit Zeljko Lucic, einem Falstaff der Güteklasse XXL.

Nun konnte man denken, dass die Produktion bei einer solchen Starbesetzung auch ein Selbstläufer wird. Aber ‚Falstaff‘ hat auch seine Tücken, und es erscheint für viele schwierig, den Bogen zu einem sich selbst „entfremdeten“ Verdi zu schlagen, der sich sich für diese Shakespeare-Vorlagen von 1597 auf einen Text seines Meister-Librettisten Arrigo Boito eine Musik erfand, die als relativ kurzes Musikdrama auch manchmal sperrig wirkt, ganz durchkomponiert ist und natürlich auch Anklänge an Barockmusik mit ihrer Fugentechnik (Schlussfuge) enthält. Nur eine ganz kurze Arie für Falstaff „Quand‘ ero paggio“ oder oder ein Duett für das Liebespaar Nannetta – Fenton sind vorgesehen. Das alles wird vom Orchester mit de Billy an der Spitze, der auch intensiven Kontakt zur Bühne hält, sehr federnd, nie donnernd, aber kultiviert und spritzig aufbereitet.Hervorzuheben das Holz, das virtuoseste Einwürfe animiert schön bläst und phrasiert.

 Auf der Bühne führt uns Warner tatsächlich in das vergangene mystische Windsor, allerdings beim 3.Akt in den Kupferstich-Paravent-Wandkulissen (Bb.: Boris Kudlicka) von ganz London und der Themse. Zu Beginn sitzt Sir John in der  großen offenen Bühne, die wie ein großer Pferdestall erscheint und mit dicken Weinfässern bestückt ist, in die sich Falstaff schon auch mal verkriecht, an einer Arbeit mit Holzspänen, dann spielen sich in Warners trefflich köstlicher Regie seine „Verhandlungen“ mit Dr.Cajus und seinen Dienstmännern Bardolfo und Pistola ab. Der 2.Teil führt uns in einen stilisierten Windsor-Hofpark, bei dem die Damen in ausgepichten z.T. überkandidelten Renaissance-Kostümen (Kaspar Glarner), Nannetta aber als kleiner Reitfratz im Hosenanzug und Gerte, ihre Intrige gegen den Sir aushecken. In der Schlußszene haben sich Bardolfo und Pistola in zwei zünftige Henkerknechte verwandelt, die nicht anstehen, Fallstaff, der schon vom vielen Schlucken von Themsewasser nicht mehr in Bestform ist, auf den Richtblock legen und schon das Beil erheben… Für den Chor (E.: Markus Ehrmann) hat sich Warner/Glarner auch hübsche historisierende Verkleidungen wie Kleopatra einfallen lassen.

 Für Bardolfo/Pistola stehen mit Peter Marsh und Alfred Reiter zwei im Ensemble erprobte,  witzig gutstimmige Chargen zur Verfügung. Den Dr.Cajus gibt mit seinem schneidend hellen gutdisponierten Tenor Hans-Jürgen Lazar. Als Mrs Quickly ist der amerikanische Alt Meredith Arwady stimmlich und darstellerisch eine Wucht. Als Mrs. Meg Page blüht Claudia Mahnke auf, indem sie auch selber die Fäden spinnen kann und prunkt zuletzt in einer Königinnenrobe. Leah Crocetto/Mrs.Alice Ford wird Fallstaff quasi als Lockvogel präsentiert, und die junge Sopranistin entledigt sich diesem ‚Amt‘ mit viel Charme. Artur Rucinski als ihr Gatte ist ein bramabasierender Bariton, der sich als eifersüchtiger Ehemann verrennt. Hinreißend auch das Liebespärchen.Grazia Doronzio und Martin Mitterrutzner, die sich ganz belcantesc anhimmeln.

Über Zeljko Lucic braucht nicht mehr viel gesagt werden. Im Schottenrock oder im die Themse symbolisiernden Aquarium trägt sein balsamisch voluminöser Bariton das Stück über alle Klippen hinweg.

 Friedeon Rosén

 

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