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FRANKFURT: DIE LIEBE DER DANAE. Konzertant

20.06.2014 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: Die Liebe der Danae/konzertant  19.6.2014

 Zum 150.Geburtstag R.Strauss‘ bringt die Frankfurter Oper in konzertanter Aufführung ‚Die Liebe der Danae‘, seine letzte große und weitgehend unbekannt gebliebene Oper von 1944. Die ‚Heitere Mythologie‘ von Joseph Gregor nach dem Entwurf Hugo v.Hofmannsthals fußt auf den beiden Episoden über Midas und Danae aus den Metamorephosen Ovids. Jupiter, um vor eifersüchtigen Nachstellungen seiner Gattin Juno sicher zu sein, sendet einen ‚Brautwerber‘ namens Chrysopher zu Danae, der Tochter des hochverschuldeten Königs Pollux von Eos. Dieser muß seine Gläubiger im Zaum halten, indem er seine Tochter baldigst gewinnbringend zu vermählen ankündigt. Nachdem sich Jupiter im Traum bei Danae als „Goldregen“ angekündigt hat, scheint die Heirat auch zu funktionieren. Nur dass sich Danae dann für den armen Eselstreiber Midas und nicht für Jupiter entscheidet. In einem letzten Versuch möchte Jupiter, dessen ehemalige Geliebten von Semele bis Leda bei der Brautwerbung eifersüchtig von der Partie waren, als ‚Wanderer‘ sich vom wirklichen Ehegrück der Danae in Burnus überzeugen.

 An der musikalischen Ausführung kann es nicht gelegen haben, dass die Oper nicht auf allen großen Bühnen heimisch wurde. Es handelt sich hier nochmals um Strauss’sche Symphonik vom Feinsten, er zieht alle Register seines Könnens, z.B. indem er den Goldregen im Orchester gefühlte 5 Minuten fallen läßt oder die Auseinandersetzung Midas – Jupiter eminent dramatisch führt und spannend zuspitzt. Mit den 4 Ex-Geliebten ergibt sich die Möglichkeit für ein solistisches Frauenquartett, das sich auf höchstem Niveau gewaschen hat, zu komponieren, und woran später H.W.Henze in seinen mythologischen Opern wieder anknüpfen konnte.Strauss setzt diese  Quertreiberinnen bestens in Szene. Besonders hat es aber auch das Zwischenspiel 2. zu 3. Akt in sich, wo Strauss  satztechnisch-rhthmisch und im harmonischen Verbund Großartiges vorlegt. Sebastian Weigle hat das alles mit dem Opernorchester präzise bis ins Detail erarbeitet und ausgefeilt, und bei der Vorstellung selber überläßt der GMD nichts dem Zufall sondern ist auch physisch mit umfassender Zeichengebung allpräsent und fokussiert. Auch das virtuos vielstimmig wie immer eingesetzte (tiefe) Blech erscheint richtig in den Gesamt-Sound eingebettet. Der Chor vermittelt zwar im Bühnenhintergrund ein gut durchhörbares Klangbild und ist gut studiert vom scheidenden Matthias Köhler.

 Für diese Aufführung, die auch für CD aufgenommen wurde, konnten z.T. exzellente Strauss-Sänger herangezogen werden. Aus dem Ensemble waren bis auf Yves Saelens, der aber in Frankfurt schon als Alfredo, Stewa und Alwa tenoral reussierte, die Königsneffen mit Michael McCown, Björn Bürger und Franz Mayer ausgeglichen  besetzt. Den Merkur sang Peter Marsh mit seinem hohen prononciert fließendem Tenor. Von königlichen Zwängen singt Beau Gibson mit einem ganz prosaischen gar nicht ‚götterhaften‘ Tenor. Mit äußerst schönklanglichem, weich timbrierten Sopran kann Karen Vuong als Danaes Dienerin Xante und Stimme aus der Höhe der Arkaden aufwarten. Auch aus dem Operensemble stammen die 4 Zeusgeliebten, die mit Britta Stallmeister/Semele, 1,Sopran, Barbara Zechmeister/Europa, 2,Sop., Tanja Ariane Baumgartner/Alkmene, Mezzosop. und Katharina Magiera/Leda, Alt ein vital stimmfarbiges Gesangsquartett abgeben.

Den Jupiter singt Alejandro Marco-Buhrmester mit durchschlagskräftigem Heldenbariton, dabei auch apart timbriert im Stil eines herrschenden bis resignierten Wotan. Lance Ryan gibt den Midas mit ebenso schlagkräftiger Attacke sowie unschlagbarer Höhe. Er verfügt über bronzen timbrierte Resonanzen und und erstaunlich potente Stimmreserven, kann aber auch, wenn er will, piano singen. Anne Schwanewilms scheint nach einer Stimmkrise wieder auf einem guten Weg zu sein und macht ihrem Ruf als große Strauss-Sängerin alle Ehre; aufblühende Passagen und manch gelungene starke Spitzen-Phrasen lassen bei ihr diese exorbotante Partie in hellem Licht erstrahlen.                                                                               

Friedeon Rosén

 

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