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FRANKFURT: DER SPIELER (IGROK) von Prokofjew. Premiere

14.01.2013 | KRITIKEN, Oper

Frankfurt: DER SPIELER von Prokofjew am  13 1.2013 – Premiere


Foto: Monika Rittershaus

 In einer fast schrillen Regie von Harry Kupfer wird an der Oper Franfurt ‚Der Spieler‘ von Sergej Prokofjew erstmals gespielt. Nach dem Roman von Dostojewski erscheint es als ein einigermaßen vertracktes, auch psychologisch aufgeladenes Spiel um einen russischen Emigrantenklüngel, der in Roulettenburg meist auf Nachschub von Geld aus der Heimat wartet und sich die Zeit im Spielsalon vertreibt. Harry Kupfer sah nun seine Aufgabe darin, das Geschehen in großen Dimensionen darzustellen, wozu ihm Hans Schavernoch als Spieltisch einen bühnengroße Scheibe konstruiert hat, die stark an die Scheibe beim Frankfurter Ring des Nibelungen erinnert. Darauf tummeln sich natürlich die Spieler in schicker, aber auch fetzenhafter (Damen) Abendgarderobe von Yan Tax und belegen sie auch in den aufgemalten Feldern mit Spielkarten, und die Croupiers fegen die Jetons darauf hin und her. Die Scheibe bewegt sich im fortschreitenden Spiel immer rasanter, dazu aber auch die Bühne, und zwar in der Gegenrichtung. Die Spielfelder der Scheibe sind bunt ausgeleuchtet, oben erscheint oft ein projizierter Glitzerpalast, und das Interieur ist Glaskristallwänden abgegrenzt. In einem oberen Vries laufen Videos, die gern die Austattungen früherer imperialer Spielcasinos zeigen und die die Immaginationskraft verschärfen sollen (Video:Thomas Reimer). An Opulenz wurde nicht gespart, und es wäre keine Kupfer-Regie, wenn nicht auch permanent ordentliche Bewegung auf der Bühne herrschte.

Hier ist in erster Linie die Titelfigur Alexej zu nennen. Es ist schon toll, wie Frank van Aken das hinbekommt, sich immer hinzuwerfen und herumzutollen, ist er doch fast permanent im Stimmeinsatz mit seinem zupackend flexiblen gut klingenden Tenor. Die zuerst nicht leicht zu durchschauende Handlung hat Prokofjew mit einer genialisch diskursiven Musik bestückt, die die Begebenheiten immer vorantreibt. Ein Gustav Mahler der Oper, der seine Gestaltungen immer höchst intelligent instrumentiert, was auch vom Orchester dankbar aufgegriffen wird. Es macht Spaß, dem zuzuhören, was aus dem Graben kommt, und Sebastian Weigle dirigiert es mit ganz leichter Hand, dabei mit bester Präzision.

 Bei dieser Premiere wird der merkbare Trend zum Deutsch-singen slawischsprachiger Opern bestätigt. Es gelingt hier bestens, und die deutsche Fassung von Karlheinz Gutheim erscheint in ganz vorzüglichem Deutsch. Vor allem hat GMD Weigle das Orchester so disponiert, daß nahezu alle Sänger meist gut textverständlich durchkommen. Natürlich unterstützt die Übertitelung zusätzlich. Ein besonderes Lob für diese Homogenität Bühne – Graben.

 Vuyani Mlinde gibt den Casinodirektor, und er wirkt in seinen vielen Wiederholungen, das Casino sei am Ende und die Bank kaputt, gar nicht monoton. Dietrich Volle wirkt als Potapitsch mit “Wodkastimme“ wie ein typisch russischer Haushofmeister der Babuschka. Diese gibt mit einer blenden Gesangsleistung Anja Silja. Wie die sich bis ins hohe Alter diese berückend schönfließende Stimme bewahren kann, ist ein Phänomen. Da kann man sich noch auf manche Rolle freuen. In Nebenrollen charakterisieren Magnus Baldvinsson den Würmerhelm und Peter Marsh den Fürst Nilski. Darüber hinaus kommen noch 14 SängerInnen in der Spielszene zum Einsatz, die einen Chor ersetzen.

Es herrscht eine musikalisch überzeugende Vielfalt. Den Mr.Astey gibt als distinguierten Engländer Sungkon Kim mit gut heraushörbarem Bariton.

Die Blanche, ein Hauptobjekt im Intrigenspiel, wird von Claudia Mahnke gesanglich flexibel gestaltet. Martin Mitterrutzner hat sich in kurzer Zeit zu einem Sänger von Hauptrollen hochgearbeitet.Hier gibt er den Marquis mit edlem aber nicht großem Tenor, eine ganz mysteriöse Figur, deren Gestaltung ihm kein Problem aufgibt. Polina, die ihn unglücklich zu lieben scheint, stellt Barbara Zechmeister sehr prägnant dar. Wie sie zu Beginn im dunkelroten Hosenanzug um den ihr bis zur Devotion ergebenen Hauslehrer Alexej herumtänzelt, ist bemerkenswert. Dazu bringt sie ihren angenehm timbrierten, gelenkigen Sopran ein. Ihr Stiefvater, der General, wird mit markantem Bass von Clive Bayley besonders wirkungsvoll markiert. Als Anführer der Sippe gleitet im alles aus der Hand, als Babuschka  das Erbe verweigert. Danach wird ihm auf der weiß strahlenden Spielscheibe von Wärterinnen die Zwangsjacke übergeworfen.

 Friedeon Rosén

 

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