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FRANCK /CHAUSSON: Kammermusik für Klavier, Violine (und Streichquartett),

22.05.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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CÉSAR FRANCK, ERNEST CHAUSSON: Kammermusik für Klavier, Violine (und Streichquartett), harmonia mundi CD

Isabelle Faust (Violine) und Alexander Melnikov (Klavier) sind auf dem Podium und in der Tonträgerindustrie ein bereits überaus bekanntes und erfolgreiches Gespann. Gemeinsame Projekte umfassten wichtige Oeuvres Schuberts, Schumanns, Beethovens, Brahms‘ und Carl Maria von Webers. Im deutschen Repertoire pflegen die beiden einen strukturell historischen Zugang. Ausdruck geht ihnen vor Klangschönheit, expressive Phrasierungen mit eloquenter Bogenführung bzw. konkret sachlichem Anschlag lassen die interpretierten Werke eher von innen als auf der Oberfläche leuchten. Das Feingeäst im Notengebälk und die subtilen Abschattierungen im Klangbild kamen da gelegentlich schon ins Hintertreffen.

Nun zeigt ihre Befassung mit zwei französischen Komponisten, dass Faust und Melnikov auch zu ganz anderen Tönen, einer weicheren Feinzeichnung mit „impressionistischen fin-de-siècle Finessen“ aller Art befähigt sind. Liegt es am Wiener Erard Flügel von 1885, dass der so temperamentvolle und hin und wieder schon wuchtig in die Tasten hinlangende Melnikov bei der berühmten Sonate von César Franck für Klavier und Violine in A-Dur aus dem Jahr 1886 die hohen Violin-Legati der drei ersten Sätze so behutsam und differenziert stützt? Der Hauptpart der Sonate kommt ja dem Klavier zu (Franck war ja nicht nur ein begnadeter Organist, sondern in erster Linie ein toller Pianist). Die chromatischen Wendungen und stimmungsvollen Scharaden der Musik sollen ja bekanntlich schon Marcel Proust zumindest partiell zu der berühmten „kleine Phrase von Vinteuil“ in der „Suche nach der verlorenen Zeit“ angeregt haben. Isabelle Faust wandelt in der Sonate auf den Spuren des Widmungsträgers und großen Geigers Eugène Ysaÿe. Sie spielt mit Darmsaiten auf der Stradivarius »Vieuxtemps« und kontrastiert die poetische Sanglichkeit der melodischen Linien mit kurzen und vibratoarmen historisierenden Strichtechniken. Halb erfüllte Sehnsüchte mit einem Rest an Träumerei…

Sechs Jahre nach Francks Sonate geschrieben, vereint Ernest Chaussons Kammermusikstück „Konzert für Klavier, Violine und Streichquartett in D-Dur, Op. 21, vieles aus den Gattungen des Klavier- und des Streichquintetts. Chausson, vom Massenet und Franck gleichermaßen beeinflusst, beruft sich in seinem „Concerto“ aber auf das Erbe von Rameau und Couperin. Das auf historischen Instrumenten und Bögen spielende deutsche Salagon Quartett weiß sowohl in den schwermütigen Teilen des viersätzigen Werkes als auch dem Finale Très animé artikulatorisch und energetisch mit den Solisten Faust und Melnikov in motivische und wettstreitende These und Antithese zu treten. Der Musikfreund goutiert es und freut sich an einer wichtigen Publikation abseits eingepflegter Hörgewohnheiten. Meine aktuelle Lieblings-CD.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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