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EXILES: Musik für Cello und Orchester von BLOCH, KORNGOLD und PROKOFIEV

08.05.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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EXILES: Musik für Cello und Orchester von BLOCH, KORNGOLD u. PROKOFIEV

OPHÉLIE GAILLARD, Orchestre philharmonique de Monte-Carlo

apartemusic CD, 2 LPs

Die neue CD/Vinyl 2 LPs der französischen Cellistin Ophélie Gaillard enthält Musik jüdischer Inspiration, die von Emigranten auf dem amerikanischen Kontinent geschrieben wurde. „Das Exil, das die verschiedenen Komponisten dieser Einspielung auf sich nahmen oder absichtlich wählten, ist geographisch sehr real und hat die verschiedensten Ursachen. Man kann ihm auch in seinem Innersten begegnen. Das lässt in uns häufig eine Beweglichkeit des Geistes entstehen, eine innere Welt ungeahnten Reichtums und eine erstaunlichen Erinnerungsfähigkeit“, räsoniert Ophélie Gaillard. Jedenfalls ist das Programm mit Ernest Blochs „Rhapsodie hébraique „Schelomo“ und seinem schönen Zyklus „Aus jüdischem Leben“ erwartbar, mit Erich Wolfgang Korngolds „Konzert in einem Satz für Cello und Orchester in C, Op. 37“, dessen „Tanzlied des Pierrot“ aus der „Toten Stadt“ sowie der „Ouvertüre über hebräische Themen“ von Sergej Prokofiev interessant ausgefallen.

Ophélie Gaillard pflegt auf ihrem Instrument von Francesco Goffriller aus dem Jahr 1737 einen eleganten, edlen, schlanken Ton. Damit psalmodiert und erzählt sie „feurig und facettenreich“ (wie offenbar der Cellist Alexander Barjansky) die Worte des Predigers Salomon aus dem Buch Ecclesiastes in „Schelomo“. Dessen Motto „Alles ist eitel “ Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen…“  ließe zwar auf eine karge, pessimistische Musik schließen, das glatte Gegenteil jedoch ist der Fall. In der dreiteiligen Komposition stellt das Streichinstrument die Stimme des Königs Salomo dar, während das Orchester die ihn umgebende Welt in Klängen malt. Die Musik ist üppig-expressiv, erblüht in fast schon orientalischer Farbenpracht. Gaillard ist in ihrem Ansatz und Bogenstrich ihrem Landsmann Pierre Fournier näher als dem Russen Rostropovich. Sie kommt mit weniger Vibrato und damit Pathos aus und erhöht vielleicht gerade dadurch die Intensität des Mitgeteilten.

Die hohe Spielfreudigkeit und das faszinierende Licht-Schattenspiel der Saiten kommen auch dem Cellokonzert von Korngold entgegen. Die Musik entstand für den Streifen „Deception“ (Trügerische Leidenschaft). Korngolds Musik steht im Zentrum einer Dreiecksgeschichte: Der fiktive Komponist Hollenius schreibt Ende des Zweiten Weltkriegs in New York ein Cellokonzert und lässt es mit dem einzigen Zweck aufführen, sich an seiner Geliebten, der Pianistin Christine Radcliffe zu rächen. Diese hatte ihn wegen Karel Novak, eines Cellisten, verlassen. Bette Davis verkörperte im Film die Heldin Christine. Ophélie Gaillard begnügt sich freilich nicht mit der auf 6 Minuten verkürzten Filmversion, sondern lässt das volle Konzert mit dem nötigen „Suspense“ erklingen.

Das Orchestre philharmonique de Monte-Carlo unter der passionierten Leitung von James Judd überzeugt in Schelomo genau so wie „Die Musiker“ in dieser ungeachtet der hohen Hollywood-Tauglichkeit so wienerisch spätromantischen Musik Korngolds (ganz charmant auch das Tanzlied des Pierrot aus der Toten Stadt) als auch der Prokofiev Ouvertüre. Das Album beschließt Ophélie Gaillard stimmungsvoll mit Chava Albersteins „Wiegenlied für den kleinen Isaac“.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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