Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Eva Demmerle: 100 x ÖSTERREICH: HABSBURG

14.05.2019 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Eva Demmerle:
100 x ÖSTERREICH:
HABSBURG
240 Seiten, Amalthea Verlag, 2019

Der Amalthea-Verlag hat das Prinzip „100 x ÖSTERREICH“ erfunden. Da lässt sich vieles subsummieren. Hundert Kapitel, das ist viel, selbst für ein so ergiebiges Thema wie die Habsburger. Da kann man die Familiengeschichte nicht nur personalisieren, sondern viel Grundsätzliches erzählen. Autorin Eva Demmerle, einst enge Mitarbeiterin von Otto von Habsburg, Biographin von dessen Vater Kaiser Karl, hat nicht nur tief, sondern auch vielfältig und informativ in die Familiengeschichte gegriffen. Von den Mythen und Realitäten der Anfänge bis zu Habsburg heute.

Und schließlich legt sie noch ein (positives) Bekenntnis zur einstigen Monarchie ab, als „einzigartig kultureller Raum, dessen zeitlose Prinzipien heute nichts an politischer Aktualität verloren haben: Kontinuität, Rechtsstaatlichkeit, Respekt für die Eigenheiten und Traditionen der Völker, Vielfalt und Toleranz im besten Sinn.“ (Man kennt Leute rot-grüner Coleur, die hier hohnlachen werden, aber Toleranz gebietet Meinungsfreiheit.)

Natürlich gibt es Persönlichkeiten, um die man nicht herumkommt – jener Rudolf I., mit dem es begann und der schon König war. Jener Rudolf IV., der so jung starb und in kürzester Zeit so viel in Bewegung setzte. Der „Medienprofi“ Maximilian I. und sein Enkel Karl V., fast Weltherrscher. Dessen Sohn Philipp II., mit dem endgültig die „spanische“ Linie der Casa Austria etabliert war. Und Rudolf II., dessen Seltsamkeit Grillparzer in Literatur gegossen hat. Die „Mutter der Nation“ natürlich, denn Maria Theresia darf man wahrlich nicht unterschätzen. Kaiser Franz, dessen Enkel, Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth, ein paar interessante Aussteiger und seltsame Vögel („Wilhelm der Bestickte“ wird nicht jedermann ein Begriff sein). Und natürlich hinauf bis Otto, der es nur noch zum Kronprinzen brachte, und Karl, dem heutigen „Chef“ des Hauses. In Zeiten, wo es so gut wie keine Monarchisten mehr gibt… Aber man liest immer wieder gerne darüber.

Dazu viel Verschiedenes: die verschiedenen Kronen des Reichs, aus Ungarn, Böhmen, der Lombardei zum Beispiel, die Habsburgs Kaiser / Könige zierten (hätte der Erzherzogshut im weitesten Sinn nicht auch dazu gehört?), diverse Habsburgische Bauten (von Schönbrunn bis Ischl), Humorvolles (Beinamen aller Art oder der „Doppeladler“ als „besonderes Federvieh“) und Ernstes (Kriege), die Habsburger als Musiker, als Sammler, als geistliche Herren, das Hofzeremoniell und Hoflieferanten, Literatur und Kitsch, Habsburg im Kino – gelegentlich ist es schade, dass jedes Thema nur eine Doppelseite bekommt, es wäre oft mehr zu erzählen.

Immerhin gibt es auch Flüchtigkeitsfehler in dem Buch. Man kann behaupten, Marie Louise habe kein Glück in der Ehe mit Napoleon gefunden, aber das stimmt nur bedingt (sie mochten sich sehr gerne). Und es ist zweifellos richtig, dass schon Rudolf der Stifter mit jener Kaiserkrone liebäugelte, die damals auf dem Haupt seines Luxemburgischen Schwiegervaters Karl IV. saß. Aber die Behauptung, nach Rudolfs Tod 1365 „sollte es keine Generation mehr dauern, bis die Habsburger wieder einen Kaiser stellten“, ist doppelt falsch. Erstens war noch kein Habsburger Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gewesen. Und jener Friedrich III., der in dieser Eigenschaft der erste war, war ein Enkel von Rudolfs Bruder Leopold III. Und gekrönt wurde Friedrich 1453. Ganz so schnell war es also nicht gegangen…

Dennoch erinnert das an den Spruch: Als die Habsburger kamen, hieß es, die würden sich nicht halten. Und tatsächlich, kaum sind 700 Jahre um, haben sie sich auch schon nicht gehalten…

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken