Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ESSEN: HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN – Wiederaufnahme im Weltklasse-Format

30.09.2012 | KRITIKEN, Oper

ESSEN: „Hoffmanns Erzählungen“ –  Wiederaufnahme im Weltklasse-Format

 Endlich wieder ein Sterne-Abend in der Essener Oper

 Ein großer Abend  bei der WA von „Hoffmanns Erzählungen“- erheblich besser und geschlossener als die letztjährige Premiere.  Nun sind es ja in letzter Zeit überhaupt die Wiederaufnahmen in Essen, welche noch den Internationalen Ruf weiter rechtfertigen – bei den Premieren mussten wir leider einen enormen Qualitätsschwund feststellen, der sich hoffentlich in diesem letzten, Jahr von Stefan Soltesz´s Regiment nicht weiter fortsetzt. Von einem insbesondere künstlerischem Niedergang des Hauses kann man natürlich nach so einem „Weltklasse-Abend“ nicht mehr sprechen.

 
Zurab Zurabishvvili

http://www.zurabzurabishvili.com

 Es war der große Abend des Zurab Zurabishvili als Hoffmann. Was für eine Stimme! Endlich seit langen Jahren mal wieder ein Sänger, der auch die lyrischen Stellen und die kraftvolle schöne Höhenlage stilvoll beherrscht. Zurabishvili ist ein mutiger Bursche; er nimmt keine Rücksicht und schont sich nicht. Geradezu tollkühn wirft er sich in alle gefährlichen Spitzentöne; er meidet nichts, umgeht nichts und transformiert nichts nach unten. Seine gestrige Leistung war absolute Weltklasse! Nirgends auf der internationalen Opernszene wird zur Zeit ein Hoffmann besser und einfühlsamer gesungen. Ein Glücksgriff fürs Essener Haus, wo er ja schon u.a. als ganz großer Puccini-Tenor brillierte.

 
© Marie-Belle Sandis

 Die fabelhafte Marie-Belle Sandis hat sich weiter verbessert, obwohl sie mir in der ersten letztjährigen Serie schon sehr gefallen hat; und bringt nun eine Muse, der man ebenfalls großes internationales Spitzenniveau attestieren muss. Die Angebote der ganz großen Häuser werden kommen, also laßt uns diese tolle Sängerin noch in Essen und Mannheim zu zivilen Eintrittspreisen genießen…

 Überhaupt ein Abend der großen Stimmen wo weiterhin (noch aus der Erstbesetzung) die Antonia von Olga Mykytenko fulminant überzeugt. Die beiden anderen Damen aus Hoffmann Leben waren mit Urtnasan Cozzoli (Olympia) und Yaroslava Kozina (Giulietta) adäquat besetzt. Für mich immer ein Burg ist Almas Svilpa (Lindorf, Coppelius, Miracle, Dapertutto) wann immer ich ihn erlebe, er ist ein Sänger ohne jeglichen Fehl und Tadel. Großes Lob auch für die Comprimarii und den (diesmal) wieder makellosen und sehr beeindruckenden Chor (Lt. Alexander Eberle). Ein lautes „Bravi“ allen Beteiligten!

 Genau jenen, bei der Premiere unter Soltesz noch fehlenden, französischen Esprit und die obligate Wiener Leichtigkeit, brachte nun der bravouröse und auch höchst sängerfreundlich dirigierende Wolfram-Maria Märtig mit den Essener Philharmonikern zu Gehör. Zu Recht bekommt er im November den „Aalto Bühnenpreis für junge Künstler“. Es ist für mich ein lokaler Skandal, dass man (ignoranter Weise?) diesen vielversprechenden Dirigier-Genius an die Staatsoper nach Berlin wechseln lässt. Wer hat da geschlafen?

 Und was ist mit dem Essener Opernpublikum los? So ein halbleeres Opernhaus habe ich in den letzten 25 Jahren nicht erlebt. Es gibt noch vier Aufführungen – bitte hinfahren! Diese Hilsdorf-Produktion gehört zu seinen Besten, mit nur ganz wenigen Mätzchen und überflüssigen Irritationen.

 Peter Bilsing / 30.9.

 

Diese Seite drucken