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ERL/ Passionshaus/ Tiroler Feststspiele: DIE WALKÜRE

Tiroler Festspiele Erl:  DIE WALKÜRE am 14.7.2022

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Irina Simmes, Clay Hilley. Foto: Xiomara Bender

In der Regie von Brigitte Faßbaender und unter dem Dirigat von Erik Nielsen, dem jetzigen Chefdirigenten des Festivals, wird in der Sommerausgabe 2022 der 1.Tag des Nibelungenrings, Die Walküre, im Passionsspielhaus gegeben.

Das unsichtbare Orchester spielt hinter der Bühne verdeckt von einem Gazé , der aber die Armbewegungen des Dirigenten noch intuitiv erahnen läßt. Als Chefdirigent ist Nielsen also jetzt in die Nachfolge Gustav Kuhns als musikalischer Leiter eingetreten. Und kann in der Walküre die Erfahrungen  seiner vielseitigen Operndirigate ausspielen. Es gelingt ihm, den  ‚unendlichen‘ Fluß des  Musikdramas auf natürlichste Weise in Bewegung zu setzen und auf höchstem Niveau zu halten. Dabei kommt ihm das Festspielorchester, unter G. Kuhn an Wagner geschult, seinerseits entgegen. Der kammermusikalisch blühende 1.Akt, der hochdramatische zweite und der episch angelegte Schlußakt bauen sich  in immer neuen Farben und einem immer zupackenden Duktus auf.

Brigitte Faßbaender, die sich in den Kostümen von Kaspar Glarner (auch Bühnenbild) zwar auf einen heutigen Alltag festlegt, bei der aber auch eine ‚belle Epoche‘ in den Möbe anklingt, interpretiert die Walkürenhandlung ganz aus sich selbst und aus seinen Charakteren heraus. Im 1.Akt besteht Hundings Gefolge aus zwei Kriegern, die ‚mitdenken‘, daß sie nach dem Nachtmahl keine Waffen im Saal mit der durch die Decke gewachsenen Weltesche lassen dürfen, die sich Siegmund aneignen könnte. Die Annäherung der Geschwister geschieht behutsam, bis Sieglinde im blau romantischen Unterkleid vor Siegmund steht, der sich nun auch seines Wolfsfellmantel entledigt hat. Wenn der Lenz die Tür aufbricht, und die Natur ihr Recht beansprucht, reagiert im Bühnenbild erst mal nicht, nur die stilisierten Videos an den seitlichen Bühnenwänder laufen schneller. Später ergibt sich für Fricka ein sich nach unten bewegender Steg, auf dem sie mit Widdermaske würdevoll zu Wotan im Straßenanzug an einem Sekretär schreitet. Auch auf der anderen Seite befindet sich so eine kleine Hebebühne, für mich eine Novität im Passionsspielhaus, das bisher mit eher oratorialen Mitteln auskommen mußte. Walhall ist hier mit sich auftürmenden Felsblöcken im Hintergrund gezeichnet. Im 3.Akt säubern die Walküren die gefallenen Helden in kleinen Seen,  sie sind, wie schon öfter gesehen, in schwarze Ledermonturen, Umhänge, Röcke und Hosen gekleidet und tragen schwarze und rote Frisuren. Aber die Regie läßt sehr präzise aufscheinen, wie die Walküren Brünnhilde vor  Wotan verteidigen und schützen. Meistens brechen sie in ihrem Widerstand gegen ‚Walvater‘ ganz schnell zusammen, um nur noch zu jammern. Hier dagegen schützen und verteidigen sie die Schwester aktiv in verschiedenen Gruppen, und einzelne stellen sich Wotan direkt entgegen, greifen ihn sogar an. Erst als Brünnhilde sich dazu durchringt, sich Wotan und ihrer Strafe zu stellen, lassen sie von ihm ab. Loge ahnt dann schon, daß er nochmal gebraucht wird und läßt sich bei der Auseinandersetzung Vater – Tochter in gelbem Anzug öfter mal an der Seitenbühne blicken, um dann kräftige Feuerlohen aufbrausen zu lassen. Es ist Thomas Riess, der auch als Krieger mit Vinicius Da Silva als Statist auftritt.

Die Walküren sind Ekin Su Paker (Helwige), Mojca Bitenc (Gerhilde), Nina Tarandek (Ortlinde), Corinna Scheurle (Waltraute), Anna Werle (Siegrune), Anna-Katharina Tonauer (Rossweisse), Marta Herman (Grimgerde) und Ksenia Leonideva (Schwertleite).die sich mit abwechslungsreichen tollen Stimmen Wotan Fehdehandschuhe zuwerfen. Anthony Robin Schneider, der obzwar sehr jugendlich, weiß  seinen Baß bereits böse und schwarz einzufärben. Fricka Claire Barnett-Jones wirft bei ihren Anklagen gegen Wotan einen geschärften Mezzo in die Waagschale. Irina Simmes reussiert als Sieglinde mit schlanker Figur und singt einen ebenso schlanken aufblühenden Sopran, mit dem sie Wagners poetische Bilder auskostet. Clay Hilley ist ein zuverlässiger Siegmund mit  baritonal grundiertem Tenor, der inspirierend angesetzte  und gesteigerte Wälserufe servieren kann. Sein Gegenpart in der Todesverkündigung, Christiane Libor, agiert da eher verhaltener. Simon Bailey debutierte mit seinem Wotan auf imposante Art, bietet tiefste Tiefen zum Atem anhalten bei der Erzählung seiner Anfänge und kann ebenso mit gleißenden Höhen seines klangstarken Bass-Baritons aufwarten.                     

Friedeon Rosén

 

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