Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ERFURT: DIE FRAUEN DER TOTEN von Alois Bröder

06.04.2013 | KRITIKEN, Oper

Erfurt: Die Frauen der Toten (Alois Bröder) UA – Vorstellung am 5.4.2013

 Als Auftragswerk des Theater Erfurt wurde die Uraufführung von ‚Die Frauen der Toten‘, Oper in zwei Versionen von A.Bröder nach einer Erzählung des US-Autors Nathanael Hawthorne gespielt. Das Libretto dazu wurde von dem jungen Komponisten für seine Oper selber eingerichtet. Für diese seine erste Oper ist ihm dabei gleich ein großer Wurf gelungen. Die Erzählung aus der Mitte des 19. Jahrh. berichtet von zwei Frauen, die etwa in New England mit ihren Männern, zwei Brüdern, unter einem Dach leben, die beiden Männer  kommen etwa zur selben Zeit um, der eine als Landgänger an der Grenze zu Kanada, der andere als Seefahrer. Die Oper setzt mit der Trauerfeier für die beiden ein, bei der der Pfarrer beziehungsreich die Lazarusepisode verliest.

Nachdem sich die Frauen in den gemeinsamen unteren Räumen verabschiedet haben, gehen sie nach oben in die getrennten Schlafzimmer. Später kommt erst ein Bote, der der Frau Mary mitteilt, daß er ihren Mann noch lebend gesehen habe, sie will aber ihre Schwägerin Margaret nicht wecken, da sie diese mit der nur für sie positiven Nachricht nicht verstören will. Später teilt an anderer Bote der Margaret genau dasselbe mit, also dass er ihren Mann noch lebend gesehen habe, und Margaret verhält sich genauso wie Mary. Anschließend spielen beide im Schlafzimmer ihre Freude aus. Die 2.Version/2.Teil ist die Reprise des ersten, mit Veränderungen.

Die Beerdigung am Beginn ist weggelassen. Die Frauen sind wieder oben, die beiden Männer treffen sich unten. Wieder tauchen die Boten Stephen und Parker auf, die die Frauen z.T. auch bedrängen und diesmal großen Jammer bei ihnen auslösen. Am Ende zieht die Beerdigungsgesellschaft durch den Gemeinschaftsraum des Hauses.

 Aois Bröder arbeitet wie in seinen bisherigen symphonischen Werken mit großem Orchesterapparat. Elektronische Bänder, die das Mysreiöse und die Spannung noch verstärken, werden zugespielt. Passagenweise wird vom gut präparierten Chor sehrt textdeutlich geflüstert. Bröder versucht immer mit Erfolg dem Ausdrucksgehalt des Textes nachzuspüren, wobei meist auf deutsch gesungen wird, nur in der 2.Version wegen der gebotenen Eindringlichkeit auch in original Englisch. Die Musik ist weitgehend tonal gehalten, dabei entwicklungsreich, und wird vom Erfurter Orchester außerordentlich gut gemeistert. Der junge Kapellmeister Johannes Pell hat sie sehr sensibel und kompetent einstudiert.

 Gabriele Rech bringt mit viel Fingerspitzengefühl eine tragfähige Inszenierung zustande. Norman Heinrich hat ihr eine nach vorn aufgeschnittene Bauernkate gebaut, die die dumpfe pietistisch-quäkerische Atmosphäre blendend widergibt. In der Mitte führt eine Treppe in das obere Stockwerk , wo links und rechts die Schlafräume mit den Ehebetten abgehen.

An den verwaschenen schmierigen Blümchentapeten hängen jeweils Kreuze, Waschtische komplettieren die Einrichtung. Die Kostüme sind genau aus der Handlungszeit heraus entworfen (Gabriele Heimann). Die Trauergäste stellen ein männliches Solistenquartett dar. Der Pfarrer wird Manuel Meyer auch akkurat gespielt. Margarets Mann/Stephen wird wird vom Tenor Marwan Shamiyeh, Marys Mann/Parker vom Bariton Florian Götz, beide in eindrücklichen Verkörperungen gegeben. Margret ist der Mezzo Mireille Lebel mit grossem und schönstimmigem Timbre. Ihr „Gegenstück“ ist Mariska Mulder mit lyrisch durchdrungenem, dabei weich geführtem Sopran. Beide verkörpern exzellent und spielen das Angstbesetzt dieser paradox makabren Erzählung aus.

Friedeon Rosén

 

 

Diese Seite drucken