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Porträt: Elsa KASTELA-KREIHSL

25.11.2011 | INTERVIEWS, Sänger

Porträt

Prof. Elsa Kastela-Kreihsl

Entnommen der Ausgabe der Zeitschrift „Fidelio“ des Konservatoriums der Stadt Wien

Ende 1999 trat die aus Griechenland stammende Gesangspädagogin Prof. Elsa Kastela-Kreihsl nach 18-jähriger Lehrtätigkeit am Konservatorium der Stadt Wien in den Ruhestand. Dieses Wort ist freilich sehr relativ zu betrachten, denn die dynamische Sängerin sieht in dem Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt keineswegs das Ende ihrer Berufslaufbahn.

Wir sprachen mit ihr über ihre bisherige Karriere, über ihre Einstellung zum Singen, zum Unterrichten und zum Leben überhaupt sowie über ihre Zukunftspläne.

 

„Die perfekte Stimme ist schön – für jeden. Das ist keine Frage des Geschmacks. Ich höre so oft: ‚Das ist mein Geschmack, das ist dein Geschmack.‘ Das ist ein Blödsinn. Das sagen nur die Dilettanten. Es gibt keinen Geschmack. Die Karyatiden sind schön für jeden, egal ob sie einem gefallen oder nicht. Die Schönheit kann man nicht in Zweifel ziehen. Sie ist eine Tatsache.“


[„Tannhäuser“: Elisabeth]
„Vortrefflich , wie Elsa Kastela die Partie der Elisabeth bewältigte,
mit nunmehr ganz gleichmäßiger Gesangsführung und mit einer natürlichen Gebärdensprache,
die in der seelischen Intensität nie opernhaft wirkt.“

„Für mich ist Gesang das Mysterium des Lebens. Warum? Weil wir aus zwei Materien bestehen. Die eine, unsichtbare Materie, die nur in uns drinnen versteckt ist, ist die Luft. Die zweite ist das Fleisch und die Knochen. Diese Kombination zweier Welten schafft in uns die Welt der Stimme. Das ist für mich sehr bedeutend. Der Klang, den man erzeugt,  zeigt uns, wer wir sind, denn wir müssen den Körper beherrschen, damit sich die Seele offenbart. Je mehr wir in uns den Raum öffnen für die Luft und für den heiligen Geist, wie die Kirche sagt, desto vollendeter wird die Stimme. Und je mehr wir am Körper arbeiten, desto besser können wir ihn beherrschen.“

 
Die Sopranistin Elsa Kastela wurde in der Bucht von Kastela (daher auch ihr Künstlername) in Piräus als Tochter einer hochmusikalischen Familie geboren.
Ihre Mutter war Musikprofessorin in Athen und erteilte ihr auch den ersten Unterricht. Von 1948 bis 1957 studierte Elsa Kastela  am National-Konservatorium in Athen Klavier und Gesang und graduierte jeweils mit Auszeichnung in den Fächern Sologesang und Oper sowie im Konzertfach Klavier.

Diese Ausbildung setzte sie von 1958 bis 1962 an der Wiener Akademie für Musik und darstellende Kunst bei den Professoren Elisabeth Radó (Sologesang), Alexander Kolo (Operndarstellung), Erik Werba (Lied und Oratorium) und Ludwig Czaczkes (Klavier) fort. Am Ende eines sechsmonatigen Studienaufenthalts in den USA im Jahre 1961 erhielt sie von der „Julliard School of Music“ in New-York ein ausgezeichnetes Zeugnis.

Im Mai 1961 gewann sie beim internationalen Opernsängerwettbewerb der Zeitung „Express“ in Wien unter ihrem Familiennamen Elsa Lapaki den von Mario del Monaco im Konzerthaus überreichten Dritten Preis. Noch im gleichen Jahr schloss sie ihren ersten Bühnenvertrag als erste Sopranistin mit dem Theater der Stadt Bonn ab und debütierte als Kleopatra in Händels „Julius Caesar“ unter Peter Ronnefeld.

Nach dem großen Erfolg ihres Debüts erhielt sie nach einer Vorversetzungsprüfung im Jänner 1962 ihr Abschlussdiplom für Gesang und Operndarstellung von der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien.
1966 sang sie in Bonn in der Uraufführung von Wolfgang Fortners Oper „Die Bluthochzeit“ die Rolle der Braut. 

 
[Elsa Kastela als Gräfin in „Figaros Hochzeit“]
„Elsa Kastela war die Gräfin, vielleicht ein wenig zu schön und seelenvoll insgesamt,
doch im ‚Dove sono‘ von innerer, erschütternder Strahlkraft, stimmlich die hohen Mezzopunkte
strahlend und mühelos treffend.“

„Mein Leben hat einen Sinn, wenn ich jetzt, bevor ich sterbe, diese Weisheit hinterlasse, die ich durch die Arbeit an mir selber gewonnen habe. Ich habe mich selber besiegt, diese Kleinigkeiten, die so schwer zu überwinden sind. Erfolg und Ruhm suche ich nicht. Ich habe das in meinem Leben als Sängerin gehabt und genossen. Das, was für mich wichtig ist, ist das Weitergeben dieser Forschung, damit sich die anderen nicht quälen und sich noch weiter entwickeln. Ich erinnere mich: das Atmen, das Singen war mein Leben. Anders könnte ich nicht leben.“

 
So manche Ihrer Bonner Vorstellungen wurde von prominenten deutschen Politikern wie dem Bundespräsidenten Wilhelm Lübke und dem Bundeskanzler Willy Brandt besucht. Neben ihrem festen Bonner Engagement, das von 1961 bis 1969 dauerte, gastierte sie von 1961 bis 1981 in verschiedenen Opernhäusern und Konzertsälen Deutschlands, der Schweiz, Österreichs, Griechenlands, Frankreichs und Luxemburgs.

1968 führte sie eine große Amerika-Tournee in 25 teils weltberühmte Konzertsäle wie die Philharmonic Hall New-York und die Constitution Hall Washington; unter den weiteren Tourneeorten sind zuvorderst Los Angeles und San Francisco zu nennen.

 
„Wenn man sich bewusst wird, wie man perfekter werden kann, gelangt man eher zur Vollendung. Man stirbt nicht ohne Atem, wenn man sich in den Kreis aus Einatmung und Ausatmung begibt. Wenn Einatmung und Ausatmung eins werden, dann geht es immer weiter, bis zur Seligkeit. Je perfekter jemand singt, desto weniger geht die Stimme verloren,  desto mehr geht sie nach oben, sodass wenn man stirbt, man nachher vielleicht oben die eigene Stimme hören kann, weil sie eben nicht stirbt. Das ist möglich, wenn man so schön gesungen hat, fast bis zur Perfektion. Man kann das erreichen,  wenn man einen guten Lehrer gehabt hat. Der Schüler ist bereit, das aufzunehmen, er strebt nach oben.“

 
[Elisabeth in „Don Carlos“]
„Die beste Leistung zeigte Elsa Kastela (Elisabeth von Valois), die gleich zweimal in Ohnmacht fallen musste.
Mit schönem, ausgeglichenem Timbre meisterte sie spielend die technischen Schwierigkeiten bis in die höchsten Lagen.
Ihr Monolog zu Beginn des achten Bildes offenbarte eine reiche Skala an emotionalen Farben.“


[„Troubadour“: Leonora]
„Welch beglückende Leistung bot wieder Elsa Kastela als Leonora!
Immer wieder überraschte sie durch ihre wunderbar geschwungenen Melodiebögen,
ihr klingendes Piano, ihre ergreifende Ausdruckskraft, die ganze Echtheit und Ehrlichkeit,
mit der sie diese liebende Frauengestalt zeichnete. Ihre große Arie vor dem Kerkerturm
wurde zu einem der Höhepunkte der Aufführung.“

1970 engagierte sie Herbert von Karajan für die Salzburger Festspiele. Durch Karajan lernte sie ihren späteren Ehemann, den damaligen Beleuchtungsinspektor der Salzburger Festspiele und der Wiener Volksoper, Wilhelm Kreihsl, kennen.
Von 1970 bis 1975 gastierte sie oftmals in Graz, Innsbruck und Linz, u. a. als Donna Elvira, Donna Anna, Leonore in „Trovatore“ Elisabeth in „Don Carlos“ und Senta. In der In der Schweiz dang die u. a. die Odabella in „Attila“, in Lübeck die Klytämnestra in der Erstaufführung von Vittorio Gnecchis Oper „Cassandra“.

Insgesamt gestaltete Elsa Kastela 27 Hauptrollen in mehr als 600 Bühnenvorstellungen. Außer den genannten Partien sang sie u. a. die Gräfin in „Figaros Hochzeit“, die Elektra in „Idomeneo“, Chrysotemis, Ariadne, Desdemona, André Chénier, Tosca, Aida und die Elisabeth in „Tannhäuser“.

„Mein Leben besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil habe ich gesungen, im mittleren Teil habe ich unterrichtet, und im dritten Teil schreibe ich das, was ich sagen möchte. Das ist für mich die Krönung meiner Laufbahn als Sängerin, nicht wie ich gesungen habe. Als ich gesungen habe, bin ich vor den Scheinwerfern gestanden; als ich unterrichtet habe, habe ich mich selber mit großer Mühe und mit Hilfe meines Mannes zurückgenommen, denn ich musste hinter den Scheinwerfern stehen, damit die Schüler nach vorne kommen. Und jetzt im dritten Teil meines Lebens will ich sprechen – über das Resultat.“

 
Neben diesen Bühnengastspielen gab Elsa Kastela noch zahlreiche Liederabende und Konzerte in Europa, so auch im Rahmen von Festivals und von Tourneen mit der Philharmonie Budapest unter János Ferencsik. Ferner wirkte sie in mehreren Produktionen des Westdeutschen, Hessischen und Süddeutschen Rundfunks mit und machte eine Reihe von Fernsehaufnahmen beim WDF in Köln.

1981 wurde Elsa Kastela als Gesangspädagogin an das Konservatorium der Stadt Wien berufen und widmete fortan ihre ganze Kraft der neuen Künstlergeneration. 1977 wurde ihr von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil der Berufstitel „Professorin“ verliehen.

 
„Wenn ich mit Schülern arbeite, versuche ich auf ihren Charakter einzugehen. Ich bin kein Diktator, der sagt: Du machst das, was ich will‘. Ich bin nur der Führer, der dem Schüler hilft, sich selber zu finden. Ich sage: ‚Gehen wir miteinander, stelle deinen Fuß auf die rechte Seite, links ist eine Schlange, rechts ist ein Stein. Wenn du nicht befolgst, was ich dir sage, fällst du hinunter‘. Das, was der Schüler sucht, habe ich schon gefunden. Und wenn er das Richtige gefunden hat, dann sind wir der gleichen Meinung – so wie auch Jesus sagte, wenn alle Menschen der gleichen Meinung sind, dann ist es richtig. Das heißt, wir stehen dann auf derselben Ebene.“

 
[„Othello“: Desdemona]
„Elsa Kastela (Desdemona) hält das, was ihre Gastspiele in der vorigen Spielzeit versprochen:
Ihr leuchtender Sopran ist von makelloser Schönheit in der Erfüllung lyrischer Linien und
beherrscht auch den großen, kraftvollen Ton. Beim ‚Lied von der Weide‘  und Gebet,
ideal interpretiert, hält man den Atem an.“

Elsa Kastela betätigt sich auch als Verfasserin fachlicher Bücher. „Oratorium des Todes“ mit philosophischen Betrachtungen liegt bereits vor; derzeit entstehen „Philosophie des Singens in Beziehung zum Leben“ und „Technik des Gesangs“. Weiters sind Vorträge mit lebendigen Beispielen geplant.

 

ELSA KASTELA-KREIHSL:

 Die Sopranistin Elsa Kastela, die in Piräus (Griechenland) geboren wurde (in der Ortschaft Kastela, daher der Künstlername) stammt aus einer Künstlerfamilie. Sie erhielt bereits in frühester Jugend  bei ihrer Mutter, die Musikprofessorin in Athen war, den ersten Unterricht

1951 legte sie in Athen die Reifeprüfung im Gymnasium mit Auszeichnung ab. Sie studierte am National-Konservatorium in Athen, absolvierte die Klavierklasse und erhielt 1957 als Solistin den ersten Preis

1960 erhielt sie vom National-Konservatorium in Athen ihr Abschlussdiplom für Gesang und Oper mit dem 1. Preis und Auszeichnung für hervorragende Leistungen.

 1958 – 1962 besuchte sie die Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, die Fächer Klavier bei Prof. Ludwig Czaczkes, Gesang bei Prof. Elisabeth Radó, Lied und Oratorium bei Prof. Erik Werba und Operndramatischen Unterricht bei Prof. Alexander Kolo.

 1956 und 1961 (mit Stipendium der Wiener Musikakademie) besuchte sie daneben die „Internationale Sommer-Akademie des Mozarteums in Salzburg, die Gesangsklasse (Prof. E. Radó) und Lied und Oratorium  (Prof. E. Werba).

 Im Oktober 1961 schloß sie ihren ersten Bühnenvertrag als erste Sopranistin ihres Daches mit dem Theater der Stadt Bonn ab und debütierte als Kleopatra in Händels „Julius Caesar“ unter der musikalischen Leitung von Peter Ronnefeld. Nach diesem großen Erfolg in Bonn erhielt sie im Februar 1962 nach einer Vorversetzungsprüfung ihr Diplom der Akademie in Wien.

 Bis heute hat Elsa Kastela 27 Hauptrollen in rund 600 Bühnenvorstellungen gestaltet. Besondere Höhepunkte in ihrem Wirken am Theater konnte die als „Staatsformatsängerin“ bezeichnete Elsa Kastela als Elvira in „Don Giovanni“, Elektra in „Idomeneo“, Chrysothemis in „Elektra“ von R. Strauss, Ariadne sowie Desdemona, Tosca, Elisabeth in „Don Carlo“ und „Tannhäuser usw, verzeichnen. Mit diesen Partien gastierte sie auch an einer Reihe namhafter deutscher Opernhäuser. Daneben hat sie zahlreiche Konzerte und Liederabende vornehmlich im deutschsprachigen Raum, in Frankreich und in Amerika gegeben. Mit dem Westdeutschen Rundfunk, dem Hessischen  Rundfunk, dem Süddeutschen Rundfunk und dem deutschen Fernsehen  hat sie eine Reihe von Aufnahmen und Produktionen gemacht.

 Neben ihrem festen Bonner Engagement, das von 1961 bis 1970 dauerte, gastierte sie von 1961 – 1981 an verschiedenen Opernhäusern Deutschlands, der Schweiz, Österreichs, Griechenland, Frankreich und Luxemburg.

 1966 sang sie in Bonn in der  Uraufführung von Fortners „Die Bluthochzeit“ die Rolle der Braut. So manche ihrer Bonner Vorstellungen wurden von prominenten deutschen Politikern wie Bundespräsident Lübke und Kanzler Willy Brandt besucht.

 Ein Gastvertrag mit mehreren Vorstellungen führte sie 1967 an die National Oper Athen, wo sie die Elisabeth in Wagners „Tannhäuser“ sang. In 1968  sang sie wieder in ihrer Heimat beim Festival Saloniki die „Aida“

 1968 führte sie eine große Amerika-Tournee mit 25 Konzerten in die Philharmonic Hall (Lincoln Center) New York, die Constitution Hall in Washington, Los Angeles, San Francisco und weitere Großstädte Amerikas.

 Weitere Tourneen brachten sie in mehrere Städte Deutschlands und Frankreichs, eine davon mit der Philharmonie Budapest unter der Leitung von Janos Ferencik.  Ebenso wirkte sie am Beethoven-Festival in der Beethovenhalle in Bonn mit, an den Festwochen in Wien und am Bach-Festival Ansbach, weiters an mehreren Konzerten im Redoutensaal Bad Godesberg, im Schumannhaus in Bonn und in zahlreichen anderen Städten Deutschlands. Mit der „Kinderstube“ von Mussorgski hatte Elsa Kastela großen Erfolg im Westdeutschen Rundfunk Köln, wo sie live in original russischer Sprache gesungen hat.

 1970 sang sie vor Herbert von Karajan, der sie dann für die Salzburger Festspiele im Sommer 1970 als Cover für die Rollen der Desdemona, Donna Elvira und Donna Anna, Gräfin und Fiordiligi engagierte!

1970-1975 sang sie als Gast im Opernhaus Graz die Donna Elvira, Donna Anna und die Leonore im „Trovatore“. Sie gastierte auch im Landestheater Innsbruck und Linz. Auch im Wiener Konzerthaus gab sie Konzerte.

Im Mai 1974 sang die Künstlerin in Anwesenheit des Kardinals DDr. Franz König das Requiem für Msgr. Prof. Otto Maurer in der griechischen orthodoxen Kirche in Wien.

Im Mai 1975 sang sie in Lübeck bei der Erstaufführung in Deutschland die Klytemnestra in Vittorio Gnecchis „Cassandra“.

 Im Jahr 1978 ehelichte sie Wilhelm Kreihsl, den Beleuchtungsinspektor der Volksoper Wien, der Salzburger und der Salzburger Osterfestspiele und wurde damit österreichische Staatsbürgerin.

 Während ihrer Bühnentätigkeit unterrichtete Elsa Kastela viele ihrer Kollegen und Schüler und hat diese auch gesangstechnisch aufgebaut und vollendet.

Im Jahr 1981 wurde sie an das Konservatorium der Stadt Wien als Gesangspädagogin berufen, später dann auch an das Prayner-Konservatorium in Wien 4  und widmet bis heute ihre ganze Kraft der neuen Künstlergeneration.

 Mit Entschließung vom 22. April 1997 ist ihr vom Bundespräsidenten Dr. Thomas Klestil der Berufstitel „Professorin“ verliehen worden. Die Überreichung der Urkunde fand am 18. Juni 1997 im Kongresssaal des Bundeskanzleramtes in Wien statt.

 

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