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Elīna Garanča: ZWISCHEN DEN WELTEN

19.02.2019 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Elīna Garanča:
ZWISCHEN DEN WELTEN
Mein Weg auf die großen Opernbühnen
Aufgezeichnet von Ida Metzger und Peter Dusek
256 Seiten, Ecowin Verlag, 2019

Als Elīna Garanča vor sechs Jahren erstmals ihre Memoiren schrieb (damals trugen sie den Titel „Wirklich wichtig sind die Schuhe“), erwartete sie ihr zweites Kind und überlegte einen Fachwechsel. Nun ist sie – „schon oder erst 42 Jahre alt“, wie man es betrachtet – Mutter von zwei kleinen Töchtern, hat Eboli und Santuzza bereits gesungen – und ist um so viele Schritte weiter, dass die ergänzte Neuauflage ihres Buches anstand. Aus den einst 212 Seiten sind nun 256 geworden.

Erinnert man sich an das Buch, kann man etwa in der Mitte neu zu lesen beginnen. Zu einem Personenregister hat man sich wieder nicht entschließen können, wohl aber zu einem Verzeichnis ihrer Ehrungen, CDs und DVDs (zuletzt ist ihr berühmter Octavian – von ihrem „Abschied“ von der Rolle in der unvergesslichen Met-Aufführung – auf „Scheibe“ erschienen).

Nun schildert sie das Herangehen an neue Rollen, etwa die Santuzza, die Eboli in Paris (immer ein guter Boden für sie, sagt sie, und der „Don Carlos“ 2017 war tatsächlich traumhaft besetzt), wobei sie in strenger Selbstkritik trotz hervorragender Kritiken vor hat, ihr Niveau in beiden Rollen noch zu steigern. Bei Debuts ist man einfach noch zu nervös… Apropos: Was macht Elīna Garanča vor einer Premiere, um ihre Nervosität zu zügeln? Sie bügelt.

Was „Samson und Delilah“ betrifft, so gibt sie gerne zu, dass die Wiener Aufführung kein Preis war. Sie lässt sich auf solche Dinge ein, in der Hoffnung, sie würden doch noch funktionieren. Aber auch die viel gelungenere Aufführung der „Met“ bekam einige Schelte. Elīna Garanča weiß, dass es im Opernbetrieb keine Garantie gibt. Wichtig für sie ist, dass sie den Weg der neuen Rollen geht.

Noch steht, wenn der Opernfreund und Fan nun das neue Buch in der Hand hält, Amneris als nächster „Achttausender“ an. Und auch die Kundry zählt zu ihren künftigen Rollen, und sie zerbricht sich schon sehr ausführlich den Kopf über die Figur. Die Garanča gehört nicht zu den Sängerinnen, die alle paar Monate mit einer neuen Partie überraschen (wie jüngst Anna Netrebko), sie nimmt sich die Zeit, die sie braucht. (Und beim Lernen kreuzsticken oder nähen hat sich als nützlich erwiesen…)

Ja, und einmal will sie auch Lehrerin sein – in Mexiko hat sie schon ihre erste Masterclass gegeben (lohnend und frustrierend, stellte sie fest). Es hat sich viel getan in den letzten Jahren.

Elīna Garanča spricht auch offen über Privates – der Tod der Mutter, die so wichtig für sie war, und der sie wie ein „emotionaler Tsunami“ überrollt hat. Und wie ist das mit dem „normalen“ Leben, mit den Kindern, mit den allmächtigen Sozialen Medien, die man Künstlern abverlangt? (Sie erklärt auch, wie gerne sie ein paar YouTube-Links vernichten würde, die sie nicht in stimmlicher Bestform präsentieren…)

Das Buch ist in Ich-Form geschrieben, war aber gewissermaßen ein langes Interview mit Ida Metzger und Peter Dusek, die ihr für die „Verlängerung“ alles abgefragt haben, was Fans wissen wollen. Wieder lernt man die Garanča sehr gut kennen – auch mit ihrer berührenden Liebe zu den baltischen Ländern, aus denen sie herkommt…

Wie schnell aber die Realität über ein Buch hinwegeilt, sieht man auch hier: Auf Seite 182 nennt sie unter ihren Traumpartien noch die Didon – nun, in Wien hat sie sie nicht gesungen, in Paris ist sie zwei Wochen vor der Premiere abgesprungen, und eine weitere Didon ist derzeit nicht in Aussicht. Der Mensch (die Sängerin) denkt, und das Schicksal lenkt. Wahrscheinlich macht es das so spannend. Wer weiß, was uns Elīna Garanča in weiteren fünf Jahren zu erzählen hat?

Renate Wagner

 

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