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EINDHOVEN/ Parktheater/ Opera Zuid: MADAMA BUTTERFLY – Premiere

20.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Leben und Tod eines Schmetterlings auf einer Lotusblüte – Giacomo Puccini: Madama Butterfly, Premiere Opera Zuid – Parktheaster Eindhoven, 19. Mai 2012


Foto: Opera Zuid

  Mit dem Fall des Dolches mit dem Cio-Cio-San sich gerade schmerzensreich die Halsschlagader durchschnitten hat, setzt der Monsun ein. Ein archaisches Fanal, das den ganzen Abend schon bleiern hinter der nebelverhangenen Gebirgskette dräute. Kein realistischer Monsun, sondern Unmengen von Reis prasseln da auf die stilisierte Lotusblüte nieder, Butterflys Rückzugsort und Präsentierteller zugleich. Wir durften wieder einen der eindrucksvollen Abende der rührigen Opera Zuid erleben, die durch punktgenaue Interpretationen in so einfachen wie atemberaubenden Bildern besticht. Für das Schicksal der „Kleinen Frau Schmetterling“ zeichnete diesmal das Team um Regisseur Frank van Laecke verantwortlich: Paul Gallis – Bühne, Yan Tax – Kostüme & Marc Heinz – Licht. Van Laeckens Regie besticht durch die choreographische Strenge, die den rituellen Charakter eines No-Schauspiels ebenso evoziert, wie die beklemmende Dichte eines Strindbergschen Kammerspiels, dabei ist der äußerst realistische Ritualtod der Protagonistin schon ein fast zu veristisches Eingeständnis an das Genre. Die präzise Arbeit besticht vielmehr durch ihre ganz eigene Poesie ästhetischer Bilder, wie das bezeubernde Blütenduett, der Sonnenaufgang zu Beginn des dritten Aktes und natürlich das atemberaubende Schlußtableau.

In diesem Ambiente können die Sänger sich ganz der musikalischen Aufgabe widmen und sie tun es alle auf hohem bis höchstem Niveau. In der jungen Koreanerin Soojin Moon hat man an der Opera Zuid wieder ein außerordentliches Talent gefunden, eine Idealbesetzung der Butterfly. Im ersten Akt ganz Anmut, eine zerbrechlich erscheinende Präziose. Den Wandel zur liebenden und an ihrer Liebesstandhaftigkeit zerbrechenden Frau, bis zum nur noch konsequenten Ende, zeichnet sie uns erschütternd auf. Musikalisch hat sie mit den Ausbrüchen des zweiten Aktes noch etwas zu kämpfen, was allerdings auch an der recht heiklen und äußerst trockenen Akkustik des Eindhovener Parktheaters liegen kann. Ergreifende Töne findet auch der warmtimbrierte Mezzo von Karin Strobos (Suzuki). Adriano Graziani versieht den blasierten Liebhaber Pinkerton mit einer süßen Kantilene, die schon fast eine Spur zu schön ist, für diesen Lüstling in Marineuniform. Mahnend balsamische Worte findet Marcel van Dieren als jovial loyaler Sharpless. In seiner schlangenhaften Quirligkeit vermag Elmar Gilbertsson als intriganter Goro zu reüssieren. Jacques de Faber empfiehlt sich mit seinem schönklingenden Liebeswerben als Yamadori für größere Aufgaben, nur die Bannflüche des Onkel Bonze hätte man sich etwas markanter, martialischer gewünscht als durch die angeraut klingenden Laute Martijn Sanders.

 
Foto: Opera Zuid

Het Zuidelijk Teaterkoor (Einstudierung: Frank Zielhorst) hatte mit dem perfekt bocca chiusa gesungen Summchor nicht nur einen „Schlager“ sondern gelang ihm damit auch einer der musikalischen Höhepunkte des Abends. Het Brabants Orkest unter dem umsichtigen Dirigat Fabrice Bollons lieferte den richtigen „Sound“, was angesichts der schon erwähnten trockenen Akkustik in Eindhoven ein schwieriges Unterfangen ist. Dirigent und Orchester wendeten das aber gekonnt ins Positive und unterstrichen mit ihrer unerbittlichen Attacke und Härte des Klangs den unprätentiösen Regieansatz, der keinen Raum für falsche Süße bot.

Das enthusiasmierte Premierenpublikum spendete diesem sowohl szenisch wie musikalischen beeindruckenden Abend langanhaltenden jubelnden Applaus. Wünschen wir von hieraus, daß sich dieser Erfolg auf der langen Reise durch die Niederlande und Belgien fortsetzt, die Aufführungsorte und Daten der weiteren Stationen finden sich unter www.operazuid.nl

Dirk Altenaer 

 

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