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Edith Kneifl (Hg): TATORT HOFBURG

20.06.2016 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover  tatort Hofburg

Edith Kneifl (Hg): 
TATORT HOFBURG
13 Kriminalgeschichten aus Wien
264 Seiten, Falter Verlag, 2016 

Die Wiener „Tatort“-Anthologien – Kriminalgeschichten, bitte! Mord oder anderes Verbrechen muss dabei sein – haben sich längst bewährt. Beisl und Würstelstand sind die gewissermaßen „volkstümlichen“ Schauplätze, Prater und Heuriger, Naschmarkt und Friedhof sind so wienerisch, wie man es sich nur wünschen darf, aber die Geschichten werden keinesfalls weniger griffig, wenn man sich „kultureller“ (im Kaffeehaus oder im Burgtheater) oder gar „imperialer“ gibt.

Da ist jetzt nach Schönbrunn die Hofburg an der Reihe, wie immer herausgegeben von Edith Kneifl, die uns im Vorwort erzählt, wie reichhaltig dieser Schauplatz mit seinen 240.000 Quadratmetern (!) ist, gemordet werden kann in 2600 Räumen, in 54 Stiegenhäusern und endlosen Gängen, aber zu der „Stadt in der Stadt“ gehören ja auch Bibliothek und Museen und Burggarten und Volksgarten oder Michaelertor… es gibt kein Ende.

Österreich hat eine eindrucksvolle Schar von Krimi-Autoren, Edith Kneifl kann aus dem Vollen schöpfen, diesmal sind es  Raoul Biltgen, Constanze Dennig, Nora Miedler, Sabina Naber, Günter Neuwirth, Andres P. Pittler, Theresa Prammer, Sylvia Treudl, Peter Wehle und Manfred Wieninger (die alphabetische Aufzählung ist immer die gerechteste), die sie eingeladen hat.

Ihre eigene Erzählung steht, wie immer, am Schluß – nach „Montevideo“ setzt sich der Museumsaufseher in den Kaiserappartements ab, nachdem er, wie stets, mit seiner (im Geiste anwesenden) Majestät geplaudert hat, Tote können ja nichts dagegen tun, wenn man sie mit Monologen überschüttet. Und selbst, wenn man dann erfährt, dass eine Ehefrau mit etwas Hilfe den letzten Weg angetreten hat und so einiges vom kaiserlichen Silber nach Südamerika mitreist… was soll man machen? Autoren von heute lassen es nicht mehr moralisch und gesetzestreu zugehen, da kommt auch schon der eine oder andere Täter davon. Und dass sich Autor Andreas P. Pitter den Nechyba des Kollegen Loibelsberger ausgeborgt hat (wenn auch nur als Nebenfigur, den Fall darf schon der Bronstein lösen), wird der im Wien-Krimi versierte Leser auch mit Freude feststellen.

Gemordet wird auch am Heldenplatz (schaurige Rache!), geplaudert wird mit dem Grillparzer-Denkmal, ob Michaelerkuppel oder Palmenhaus, schon schön, wie die Schauplätze das Flair geben. Wieder eine teilweise gruselige, aber fast immer amüsante Nachtkastl-Lektüre.

Renate Wagner

 

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