Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/Semperoper: DIE BASSKLARINETTE SOLO IM 8. KAMMERABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE

Dresden / Semperoper: DIE BASSKLARINETTE SOLO IM 8. KAMMERABEND DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE – 26. 6. 2013

 Gibt es ein Konkurrenzdenken zwischen der Sächsischen Staatskapelle Dresden und dem Gewandhausorchester Leipzig? – durchaus nicht, einmal im Jahr findet u. a. ein Kammermusik-Austausch statt.

 Im 8. Kammerabend der Staatskapelle kamen nun Musiker des Gewandhausorchesters nach Dresden. Im Fokus stand die Bassklarinette. Im großen Symphonieorchester wird sie vom Publikum kaum beachtet, und doch ist sie wichtig für die Klangfärbung und mitunter auch Solopassagen.

 Der Solo-Bassklarinettist des Gewandhausorchesters Leipzig, Volker Hemken, hatte hier reichlich Gelegenheit, sein vielseitiges Können auf diesem Instrument zu präsentieren, zunächst zusammen mit der Australierin, besser Kosmopolitin Tahlia Petrosian (Vater Armenier, Mutter Chinesin, Studium u. a. in Berlin, tätig in London, Australien, Niederlande, Leipzig) mit der Viola und Christian Hornef (Studienleiter an der Oper Leipzig) am Klavier. Sie eröffneten den Abend mit dem relativ kurzen, dreisätzigen „Trio für Viola, Bassklarinette und Klavier“ von Ulrich Leyendecker (*1946), das sie sehr gewissenhaft musizierten und mit einem heiteren Schnörkel der Bassklarinette beendeten.

 Bei der 1927/28 komponierten „Sonate für Bassklarinette und Klavier (op. 41) von Othmar Schoeck, hatte Hemken reichlich Gelegenheit, in gutem Zusammenspiel mit dem Pianisten sein enormes technisches Können vorzuführen, alle Tonlagen des Instrumentes auszuloten und in flüssig gespielten Passagen dem spätromantischen Charakter der Komposition Rechnung zu tragen.

 Ganz auf sich und sein Instrument alleingestellt, konnte Hemken im 2. Satz „Auf den Flügeln des Gesanges“ der „Partita sopra diverse Sonate“ von Daniel Smutny (*1976) noch mehr sein vielseitiges Können unter Beweis stellen. Hier hatte er Gelegenheit, das Stück mit allen ausgefallenen Details zu gestalten und alle extremen Höhen und Tiefen auszureizen.

 Da es für die solistische Bassklarinette naturgemäß nur wenige Kompositionen gibt und noch weniger in der Vergangenheit gab, griff Hemken selbst zur Feder und schrieb die Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 e Moll (op. 38) von Johannes Brahms um – für Klavier und Bassklarinette. Er hatte hier reichlich Gelegenheit, sein Können zu zeigen, allerdings mit einer verfremdenden Klangwirkung. Man vermisste den warmen, singenden Ton eines Cellos, die Klangharmonie zwischen beiden Instrumenten. Die für Brahms typische Klangschönheit kam hier vor allem im Klavierpart zum Tragen. Hornef spielte sehr einfühlsam und besonders klangschön. Er „streichelte“ förmlich die Tasten und entlockte ihnen „himmlisch“ schöne Passagen.

 Ähnlich wie Hemken verfuhr auch Tahlia Petrosan kurioserweise mit der „Sonate für Klavier und Klarinette f-Moll“ (op. 120 Nr. 1), die sie in einer Fassung für Klavier und Viola mit schönem, weichem Ton spielte.

 Wieder ganz in seinem Element, der modernen Virtuosität war Hemken in „Press Release“ von David Lang (*1957), wieder für Bassklarinette solo. Mit der einen Hand wurden rhythmische Geräusche erzeugt, mit der anderen „nebenbei“ leise eine “exotische“ Melodie gespielt, ein starker Kontrast zwischen dumpfen, klopfenden Geräuschen und leisen, sanften Tönen – eine großartige spieltechnische Leistung.

 Alle drei Musiker fanden sich abschließend zu einer Uraufführung zusammen, dem zweisätzigen „trio concorde“ für Klavier, Viola und Bassklarinette von Johannes Harneit (*1963), in diesem Jahr erst auf Anregung von Hemken entstanden.

 „In verschiedenen Schichtungen bilden die Instrumente wechselnde Vorder- und Hintergründe“, so der Komponist. Es gab eine Zeit, da hieß es, das Wichtigste in der Musik seien die Pausen. Hier gab es sehr viele davon, viel „beredtes Schweigen“ und dazwischen mal hier eine ungewöhnliche Ton- oder Geräuschfolge, mal da einige schwierig auszugführende Takte, neuartige „Töne“ und „Klang“-Möglichkeiten – eine Suche nach neuen Effekten, Klangwirkungen und Möglichkeiten, die Instrumente ungewöhnlich auszureizen.

 Ingrid Gerk

 

 

 

Diese Seite drucken