Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ Semperoper: BALLETT – GALA

11.07.2013 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Dresden / Semperoper: “BALLETT-GALA“ – 10. 7. 2013

 Als Saison-Abschluss präsentierte das Semperoper Ballett eine große Gala mit 2 Uraufführungen, Ausschnitten aus erfolgreichen Neueinstudierungen und Teilen aus seinem Repertoire und setzte damit noch einmal einen Höhepunkt der Spielzeit 2012/13.

 Die erste Uraufführung brachte bereits ein glanzvolles Highlight. Unter dem sehr schlichten Titel „5“ zeigten die 3 federleicht tanzenden Damen Sarah Hay, Anna Merkulova und Arika Togawa sowie 2 Herren, Michael Tucker und Jón Vallejo eine neue, nicht nur sehr ansprechende, sondern mit großen Schwierigkeiten „gespickte“, Choreografie von David Dawson, den Pas de Cinq aus dem Ballett „Giselle“ nach der Musik von Adolphe Adam. Was hier die drei Damen zeigten, versuchten andere Tänzerinnen schon lange, aber nicht mit dem gewünschten Erfolg. Wie die Federn wirbelten die drei über die Bühne, als gäbe es (fast) keine Erdanziehungskraft, in einem Mit- und Gegeneinander adäquat ergänzt von den beiden Herren, die ebenfalls ihr großes Können zeigten. Mit Spitzenleistungen im doppelten Sinne trieben die fünf in ihren edlen weißen Kostümen (Yumiko Takeshima) den Tanz im wahrsten Sinne des Wortes „auf die Spitze“ und dazu noch sehr ästhetisch.

 Den halben Abend konnte das Auge noch weiter im klassischen Tanz schwelgen, bei den vier, meisterhaft getanzten Pas de deux, aus den „Diamanten“ von George Balanchine (Kostüme: Karinska, Musik: P. I. Tschaikowsky – 3. Satz aus der „Sinfonie Nr. 3 D Dur“ op. 29), meisterhaft dargeboten von Svetlana Gileva und Milán Madar, im Pas de deux der Neueinstudierung von „El Talisman“, einer Choreografie von Aaron S. Watkin (nach Marius Petipa) nach der Musik von Riccardo Drigo (Kostüme: Frauke Schernau), mit klassischer Eleganz dargeboten von Gina Scott und István Simon, dem Pas de deux aus der entzückend inszenierten „Coppélia“ von George Balanchine & Alexandra Danilova (nach Marius Petipa), die zurzeit ganz oben in der Gunst des Publikums steht (Musik Léo Delibes, Kostüme Roberta Guidi di Bagno) mit Yuki Ogasawara und Denis Vegina als Protagonisten und einer weiteren Neueinstudierung, dem „Don Quichote“ zur Musik von Ludwig Minkus in der Choreografie von Aaron S. Watkin (nach Marius Petipa) in den reizvollen rot und schwarzen Kostümen von Irina Bilinchyk mit der unvergleichlichen Elena Vostrotina und dem in jeder Bewegung eleganten Dmitry Semionov.

 Erfreulicherweise wurde hier die Musik, die Grundlage jedes klassischen Tanzes, nach der sich die Tänzer des Semperoper Ballett immer sehr genau orientieren und von der sie sich inspirieren lassen, live unter der Leitung von David Coleman, der auch einige musikalische Arrangements geschaffen hat, von der Sächsischen Staatskapelle Dresden gespielt.

 Die „Musik“ zu den modernen Choreografien im 2. Teil, die mitunter auch nur aus Geräuschen, Lautstärken, hämmernden Rhythmen und gesprochenem Wort besteht, wurde vom Tonträger eingespielt. Dazu bedarf es keines Orchesters.

 In diesem Teil gab es eine weitere Uraufführung „Opus.11“ – eine Choreografie von David Dawson (Kostümdesign: Yumiko Takeshima), die erstaunlich viele Elemente des klassischen Pas de deux in eine moderne Ausdrucksform und Körpersprache umsetzt, sehr gut ausgeführt von Courtney Richardson und Raphael Coumes-Marquet.

 Aus der Chopreografie „Herman Schmerman“ von William Forsythe, der auch für Bühne und Licht verantwortlich zeichnet (Kostüme: Gianni Versace) tanzten Polina Semionova als ständiger Gast und Federico Spallitta als Gast den Pas de deux ausdrucksstark und mit großer Körperbeherrschung.

 Aus dem Repertoire folgten noch Ausschnitte aus „Bella Figura“ (Choreografie und Bühne: Jiri Kilian, Musik: G. B. Pergolesi, Kostüme: Joke Visser), „Spazio-Tempo“ (Choreografie: Jacopo Godani), „Echad Mi Yodea“ (Choreografie: Ohad Naharin), die „Plattformszene“ aus „Sie war schwarz“ (Choreografie: Mats Ek, Musik: H. M. Górecki) und aus der, beim Publikum mit wenig Begeisterung aufgenommenen Choreografie von Stijn Celis zu „Romeo & Julia“ zur Musik von S. Prokofjew (Gegenwarts-Kostüme: Catherin Voeffry). Celis verlegte die Handlung in die Gegenwart, wodurch sie sehr an Reiz verliert. Es wurden „Rittertanz“ und „Balkonszene“ gezeigt, die die gegenwärtigen Probleme junger Leute darstellen, aber den Reiz der ursprünglichen Geschichte vermissen lassen, allerdings sehr gut getanzt von Julia Weiss und Jiri Bubenicek, der hier mehr dem Ausdruck der Körpersprache als den großen Sprüngen und ausdrucksstarken Gesten (seinem Markenzeichen) verpflichtet ist.

 Trotz dieser (kleinen) Einschränkungen war es eine Gala, die sich sehen lassen konnte, in der noch einmal die großartigen Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer des Semperoper Ballett Revue passieren und die überaus zahlreich erschienenen, vor allem jugendlichen, Zuschauer begeistern konnten.

 Ingrid Gerk

 

 

 

Diese Seite drucken