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DRESDEN/ Semperoper: „12. SYMPHONIEKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN MIT JOSHUA BELL UND JAKUB HRůšA

Dresden / Semperoper: „12. SYMPHONIEKONZERT DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN MIT JOSHUA BELL UND JAKUB HRůšA – 13.7.2021

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Jakub Hrusa. Foto: Pavel Hejnz

Das – der ursprünglichen Zählung nach – 12. und letzte Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden in dieser Saison brachte als „Variation 12“ die Begegnung mit dem tschechischen Dirigenten Jakub Hrůša, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, Erster Gastdirigent des Londoner Philharmonia Orchestra und der Tschechischen Philharmonie, sowie Joshua Bell, seit 2011 Musikdirektor der Academy of St. Martin in the Fields, der auf eine fast vierzigjährige Karriere als Geiger zurückblicken kann.

Mit einem überwiegend tschechischen Programm gab Hrůša sein Debüt am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden, eröffnete das Konzert aber mit César Francks selten zu hörender Symphonischer Dichtung „Le Chasseur maudit“ („Der verfuchte Jäger“), nach der Ballade „Der wilde Jäger“ von Gottfried August Bürger, die einen rücksichtslos jagenden Grafen, dessen Blutrausch bis zum Jüngsten Gericht führt, zum Gegenstand hat. Entsprechend wild und lautstark, tosend und aufgeregt, mit schrillem Klang, ganz anders als man Franck kennt, war auch die Ausführung, die dieses wilde Leben in den Sätzen: Die friedliche Sonntagslandschaft“, „Die Jagd“, „Der Fluch“ und „Die Jagd der Dämonen“ veranschaulicht. Bei aller Turbulenz  blieb die Wiedergabe aber transparent und stets im Einklang zwischen den guten Bläsern mit ihren solistischen Passagen und ebenso guten Streichern, oft aber auch mit hartem, rauem Klang.

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Joshua Bell. Foto: Shervin Lainez

Im starken Kontrast dazu spielte der US-amerikanische Geiger Joshua Bell, der nach 29 Jahren in die Semperoper zurückkehrte, wo er 1992 unter Christoph Eschenbach mit Sergej Prokofjews „Zweitem Violinkonzert“ aufrat, mit besonders weichem Strich und leisen, behutsamen Tönen, von denen die besonders zarten, hohen nicht selten pianissimo in der Luft verflogen, das „Violinkonzert a‑Moll“ (op. 53) von Antonín Dvořák, das, einst der legendäre Josef Suk (der Jüngere) so hinreißend gespielt und damit (nicht zuletzt mit zahlreichen Tonträgern) hohe Maßstäbe gesetzt hat.

Bell, sehr auf Äußerlichkeiten bedacht, die im Ausland Effekt machen, in Dresden aber überflüssig sind und eher störend wirken, spielte vorsichtig und zurückhaltend, mitunter auch etwas eigenwillig und stellenweise mit einem leichten Ritardando, so dass zwar die lyrische Seite dieses Violinkonzertes sehr betont wurde, nicht selten aber das Orchester dominierte, vor allem im dritten und letzten Satz. Nach Suks Tod war das Violinkonzert in den Konzertsälen sehr rar geworden, so dass es endlich wieder einmal live zu hören war. Mancher Hörer wird es da zum ersten Mal gehört, kennengelernt und geliebt haben.

Der energiegeladene Hrůša, der es temperament- und kraftvoll liebt, hatte als drittes Werk wieder ein sehr klanggewaltiges ausgewählt, „Taras Bulba“, Rhapsodie für Orchester von Leoš Janáček, nach einer Novelle von Nikolai Gogol.

Mit starken Kontrasten zwischen sehr laut und sehr leise schilderte er die sehr unterschiedlichen zentralen Szenen der Novelle mit ihren Gemütsbewegungen, wie die, von Glocken begleiteten, flehentlichen Gebete der Bewohner einer belagerten Stadt, Bulbas nächtlicher Gang in die belagerte Stadt, die vom Englischhorn ausgedrückte Sehnsucht nach seiner Geliebten, die Liebesszene, Kampf, Tötung, Reiterschlacht, eine wilde Mazurka, die den Triumph der Feinde schildert, Folter, Trauer über die Gefangennahme Bulbas, die Errichtung des Scheiterhaufens und seinen Tod, der bis zu einer Apotheose als Ausdruck einer Vision mit ungewohnten harmonischen Wendungen gesteigert wird und mit Glocken von der Größe des russischen Volkes kündet.

Bei allen Turbulenzen spielte das Orchester immer konform und ausgewogen zwischen den sauberen und klangvollen Bläsern mit ihren Soli und den Streichern, aber die besondere Stärke des Orchesters liegt nun einmal in den feinen, leisen Tönen und lyrischen Szenen, bei denen der spezifische Klang der Kapelle entstehen kann.

 Ingrid Gerk

 

 

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