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DRESDEN/ Frauenkirche: KONZERT WINDSBACHER KNABENCHOR

Dresden/Frauenkirche: WINDSBACHER KNABENCHOR – 12.10. 2013

 In der Reihe berühmter Knabenchöre setzte der Windsbacher Knabenchor unter seinem jetzigen Leiter, Martin Lehmann die schöne Tradition in der Dresdner Frauenkirche fort. Mit selbstverständlicher Disziplin (was leider schon nicht mehr selbstverständlich ist) und kultiviertem Chorgesang eroberten die jungen Sänger die Herzen des Publikums. Mit glockenklaren Sopranen, gut harmonierenden Altstimmen und sehr sicheren Männerstimmen boten sie mit Hingabe in sehr guter Abstimmung und ausgeglichenem Chorklang ein reichhaltiges und sehr vielseitiges Programm mit Motetten alter und neuer Meister von J. H. Schein (1586-1630), dem deutschen Organisten und Komponisten in Nürnberg, Bayreuth und Dresden, und Johann Staden (16./17. Jh.) über F. Mendelssohn-Bartholdy, mit echt romantischem Chorklang im besten Sinne, sehr feinem Piano und kleinen, sinnfälligen, dem Text entstprechenden, Zäsuren in der Motette „Richte mich, Gott“ dargeboten, bis zu dem Norweger Knut Nystedt (*1915), Javier Busto (*1949) aus dem spanischen Baskenland, dem Chorleiter und Komponisten Vytautas Miskinis (*1954) und G. A. Homilius (1714-1785), dem wohl prominentesten Schüler J. S. Bachs und Bach selbst (Motette „Ich lasse dich nicht“ – BWWV 159) sowie H. Schütz, bei dessen Madrigal die einzelnen Stimmgruppen besonders gut herausgearbeitet und zu einem wunderbaren Zusammenklang geführt wurden.

Möglicherweise als „Experiment“, die relativ strenge Chormusik aufzulockern, sie lebendiger werden zu lassen und „Abwechslung“ in das Programm zu bringen – was bei dieser Qualität der Chormusik und ihrer Ausführung auf hohem Nievau durchaus nicht nötig gewesen wäre – wurde als instrumentale „Erweiterung“ der sehr flott spielende Akkordeonist Denis Patkovic einbezogen.

Antonio Solers (1729-1783) „getupft“ gespielte „Sonate G-Dur“ war interessant anzuhören. Bei G. Frescobaldi und erst recht bei J. S. Bach mögen sich die Geister scheiden. Es war nicht einfach „Bach einmal anders“. Bei dem relativ schnellen Spiel auf dem Akkordeon konnten sich die polyphonen Linien nicht entfalten. Sie schienen flüchtig wie ein Windauch und die Kompositionen mehr angedeutet als in ihrer Struktur erfasst.

 Das Akkordeon wollte als Kontrast zum edlen, anspruchsvollen Chorklang auf hohem Niveau nicht so recht passen. Während der Akkordeonklang die volkstümliche Seite betonte, entführte der Chor in „höhere“, geistige Sphären und bot ohnehin mit den Kompositionen aus verschiedenen Jahrhunderten ein sehr abwechslungsreiches Programm, bei dem die drei sehr guten, sehr sicheren Solisten aus dem Chor mit ihren schönen Stimmen „Abwechslung“ und Höhepunkte genug gewesen wären.

Eine Harfe, Gambe, Violine oder irgend ein Instrument des klassischen Orchesters wäre da doch besser geeignet. Diese Instrumente harmonieren einfach besser mit der menschlichen Stimme. Das sind nicht nur Hörgewohnheiten die aufgebrochen werden müssten, sondern pragmatische Erfahrungen aus vielen Jahrhunderten, die sich in jeder Generation wiederholen. Die naturgegebenen menschlichen Empfindungen ändern sich nicht so schnell. Man wurde immer wieder aus der Welt des guten, vor allem geistlichen Chorgesanges herausgerissen und in eine profanere Welt „gestürzt“.

Nach einer Zugabe mit J. S. Bach auf dem Akkordeon, bei dessen „imitierten Orgelklängen“ erst recht klar wurde, dass dieses Instrument in dieser Spielweie doch wenig dafür geeignet ist, ließ der Chor den Abend stilvoll mit dem „Abendlied“ von Max Reger ausklingen.

Ingrid Gerk

 

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