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DRESDEN/ Frauenkirche: J. S. BACHS JOHANNESPASSION UNTER MATTHIAS GRÜNERT

Dresden/Frauenkirche: J. S. BACHS JOHANNESPASSION UNTER MATTHIAS GRÜNERT – 3.4.2015

 

Nach J. S. Bachs „Matthäuspassion“ am Palmsonntag unter der Leitung von Ludwig Güttler folgte in der Dresdner Frauenkirche am Karfreitag Bachs „Johannespassion“ unter der Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert. Die zweichörige Aufstellung des Kammerchores der Frauenkirche verriet bereits eine, u. a. auch an historischer Aufführungspraxis orientierte, Wiedergabe.

 Mit sehr schönen und sicheren Stimmen sowohl bei den Sopranen, als auch bei den Bässen stimmte der Chor mit dem Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ in einem gut gewählten Tempo auf die Passion ein und bewies bei dem Chor „Eilt, ihr angefochtnen Seelen“ Flexibilität und Reaktionsfähigkeit. Der Schlusschor „Ach, Herr, lass dein lieb Engelein“ begann relativ rasch, sorgte aber dann doch für einen stimmungsvollen Ausklang der Passion.

 Bei den Chorälen konnten sich die Stimmen in gemäßigtem Tempo am schönsten entfalten und die Sänger sich auch Inhalt und Worten widmen, die (nach Albert Schweitzer) bei der Komposition eine wesentliche Rolle gespielt haben. Bei angemessenem Tempo entfaltete sich stimmlicher Glanz und ließ die Choräle sehr lebendig erscheinen. Selbst im sehr raschen Tempo des ersten Chorales, bei dem für die Chorsänger kaum Zeit zum Atemholen blieb, sangen sie noch homogen und transparent.

 Die Sopran-Arien „Ich folge dir gleichsam“ mit den heiklen chromatischen Aufwärtsbewegungen und „Zerfließe mein Herze“ sang Julia Sophie Wagner sehr hell-timbriert und mit Leichtigkeit. Sie orientierte vor allem auf Klarheit und gute Gesangstechnik, weniger auf Gestaltung oder Textverständlichkeit.

 Britta Schwarz kann sich auf ihre weiche, warme Altstimme mit dem samtenen Timbre verlassen. Sie widmete sich einer sehr beeindruckenden und bewundernswerten Gestaltung der von ihr sehr bewegend gesungenen Alt-Arien und setzte damit einmal mehr hohe Maßstäbe.

 Eric Stoklossa sang die Evangelistenpartie und auch die Tenor-Arie „Erwäge wie sein blutgefärbter Rücken“ sehr lebendig und doch ausgeglichen, stets bemüht, alles extrem genau, ausdrucksvoll und je nach Inhalt dramatisch oder lyrisch, und vor allem mit sehr guter Textverständlichkeit zu singen.

 Sebastian Richter widmete seine Stimme mit seltsam forcierter Sprache der Vox Christi, wenig verklärt und auch ein wenig guttural. Die Worte „Mich dürstet“ hauchte er bewusst schwach.

 Georg Streuber, Opern- und Konzertsänger und Mitglied des RIAS Kammerchores Berlin und des Bayreuther Festspielchores sang das Arioso „Betrachte, meine Seel“ nicht sehr ausgeglichen, aber die Bass-Arie „Mein liebster Heiland lass dich fragen“ durchaus gut, untermalt von den sehr gut mitgestaltenden Worten durch den Kammerchor.

 Der Verzicht auf kleine Pausen zwischen den einzelnen Nummern sorgte für eine geschlossene Aufführung. Die einzigen, etwas längeren Pausen waren für das Nachstimmen der Viola da Gamba erforderlich, aber der Aufwand wurde durch das beseelte Spiel und den singenden Ton des Instrumentes (Friederike Heumann) ausgeglichen. Das ensemble frauenkirche stellte als weitere Instrumentalsolisten eine gute Oboe und Flöte für die Arienbegleitung sowie 2 Viola d’amore und Englischhorn. Es begleitete die Aufführung im Sinne einer an historischer Aufführungspraxis orientierten Musizierweise, jedoch auf modernen Instrumenten, was kein Nachteil ist, sondern für ein lebendiges Musizieren sorgt und den modernen Hörgewohnheiten entgegenkommt.

 Ingrid Gerk

 

 

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