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Dominique Meyer / Lois Lammerhuber: GENESIS

06.03.2016 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover Lammerhuber Genesis

Dominique Meyer / Lois Lammerhuber
GENESIS
320 Seiten, 197 Fotos
Deutsch, Englisch, Französisch
Edition Lammerhuber 2016

Wieder ein Prachtband, der in Co-Produktion zwischen der Wiener Staatsoper und dem Verlag Lammerhuber (das bedeutet natürlich den Fotografen Lois Lammerhuber…!) entstanden ist (und den die Herren am Opernball als Geschenk heimtragen durften). „Genesis“ bedeutet „Entstehung“, und es handelt sich in diesem Fall um die sorglich dokumentierte Premiere von „Don Pasquale“ in der vorangegangenen Saison.

Aber es dauert, bis es so weit ist: Offenbar findet Dominique Meyer, und damit hat er nicht unrecht, dass Mitarbeiter, die man in der Öffentlichkeit sonst nicht einmal per Namen kennt und die so essentielle Arbeit leisten, es auch verdienen, einmal vorgestellt zu werden. Da ist der Fotograf also durch die Büros der Oper gehuscht und hat Damen und Herren an ihren Schreibtischen „erwischt“ – wobei schon die Premiere vorbereitet wird.

Skizzen, Stoffmuster, große Pläne sind erkennbar, Requisiten werden zusammen gesucht, die Schneiderinnen gustieren, die Korrepetitoren sitzen erwartungsvoll am Flügel, das Aufführungsmaterial wird zusammen gesucht. Weit mehr als man sich je vorstellen kann, hängt an einer solchen Produktion – und man sieht es mit Interesse. Dann sind schon Dirigent und Regisseurin am Werk, Valentina Narfornita ist noch in Wartepose zu sehen, Juan Diego Florez singt schon…

Viele Proben- und Arbeitsfotos zeigen dem Laien, was da vorgeht (und viele, viele Mitarbeiter des Hauses werden sich hier finden), die bunten Dekorationen werfen ihre Farbkleckse in die Fotos, in der Regiekanzlei rauchen die Köpfe, um alle Termine zu koordinieren, und die Probenpläne machen darauf aufmerksam, dass ja „nebenbei“ noch der tägliche Betrieb eines riesigen Opernhauses aufrecht zu erhalten ist…

Nicht weniger als vier Damen und ein Herr nesteln an der schönen Valentina herum, wenn sie ein Kostüm probiert, Bühnenproben mit Klavier zeigen alles in „halbfertigem“ Zustand, und auch die Cover-Besetzungen dürfen proben. Das alles wirkt so anstrengend, dass es nicht verwundert, Titelrollenhelden Michele Pertusi bei einem Schläfchen zu erwischen…

Die Beleuchtung, die Technik (eine Batterie von Bildschirmen), das Orchester, der Souffleur in Aktion, schließlich ist man schon bei der Einführungsmatinee (obwohl man sich durch die Bilder des Buches doch wohl wesentlich schneller blättert, als man real braucht, um zur Premiere zu kommen…), für die Garderobieren wird es sehr ernst, das Pressebüro schiebt noch einen TV-Termin für arte ein (Valentina posiert, der Direktor telefoniert), auch die Choristinnen sitzen an den Schminktischen.

Dann bekommt man einmal auch Michael Pöhn zu Gesicht, von dem man normalerweise nur die Fotos kennt, die er von den Produktionen „schießt“, und so rast die Produktion über Orchesterhauptprobe und Generalprobe auf die Premiere zu.

Und da sitzen sie auf ihren Stühlchen wie eh und je und warten auf den Stehplatz-Verkauf für die Premiere – die Opernfreunde, die auch dazu gehören, um das Ereignis komplett zu machen. Oliver Lang hält seinen Einführungsvortrag, das Pressebüro steht parat, der Dirigent bindet seine Krawatte – und dann gibt es schon den Schlussapplaus und die Premierenfeier…

Und man war wirklich über 300 großformatige Seiten lang, Bild für Bild von Station zu Station dabei, und nur einmal gibt es für jene, die nicht nur schauen, sondern auch lesen wollen, eine ausführliche Darstellung der „Genesis“ einer Inszenierung durch Dominique Meyer – dem man dafür dankt, dass er nicht nur Sinn für die neuen Medien, sondern auch noch für schöne Bücher hat.

Renate Wagner

 

 

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