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DIE WIENER STAATSOPER. Jahrbuch 2015

09.09.2015 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover Staatsoper Jahrbuch 2015 76kb

DIE WIENER STAATSOPER.
Jahrbuch 2015
Herausgegeben von den Freunden der Wiener Staatsoper
Redaktion: Rainhard Wiesinger
Verlag Barylli 2015

Valentina Narforniata küsst Michele Pertusi, und Juan Diego Florez sieht interessiert zu – damit haben auch die Wiener Opernfreunde auf ihr alljährliches Jahrbuch der Wiener Staatsoper die „Don Pasquale“-Inszierung gestellt, wenn auch den strahlenden Tenor nicht als alleinigen Mittelpunkt gewählt.

Nach dem bewährten Motto, ein „winning“ Konzept so wenig zu ändern wie ein „Winning Team“, bietet man, herausgegeben wie immer von Rainhard Wiesinger, genau das, was man von diesem Buch wünscht und erwartet – nicht nur, dass es lange in der Bibliothek steht (und nicht im Container landet), später zum Nachschlagen, sowohl der Besetzungen wie der Fotos, vorerst aber durchaus noch zum Lesen.

Die Spielzeit 2014 / 15 ist Geschichte, hier kann man sie in Bildern nachblättern – man hat übrigens den Eindruck, dass der Fototeil diesmal besonders gut gelungen ist, übersichtlicher, die Bilder strahlender, aussagestark sowieso, immer auch mit Gesamtansichten der Szene (die in „Idomeneo“ mit den Spiegeleffekten etwa ja wirklich spektakulär war).

Und alle Besetzungen sind, wie immer, im Anhang auch da. Wenn man nur noch das Datum weiß, wann man etwa den „Parsifal“ gesehen hat, aber wegen eines Besetzungsdetails in Zweifel ist – da steht alles.

Die Vorbereitung auf die Spielzeit 2015 / 16 bringt die bewährten Einführungsartikel, natürlich schreibt Verdi-Spezialist Christian Springer über „Macbeth“, Details über die verschiedenen Fassungen sind hier nachzulesen. (Beim Rückblick über die Wiener Premieren – vergessen wir Frau Nemirova mit dem armen Keenlyside – stellt man fest, dass man die Premiere Böhm / Christa Ludwig / Milnes viel stärker in Erinnerung hat als alles andere!)

Oswald Panagl berichtet von „Hänsel und Gretel“ (plus einer schönen Übersicht über alle Bühnenwerke Humperdincks, von denen man die meisten nicht kennt).

Rainhard Wiesinger scheibt über „Die Sache Markopulos“ (das wird Franz Welser-Möst nun doch schmerzen, dass er seinen Janacek-Zyklus, den er initiiert hat, nicht weiterführen kann) und hat auch Komponistin Johanna Doderer anlässlich ihrer Kinderoper „Fatima“ interviewt.

Viel zu erfahren ist über die „Tri Sestri“ von Peter Eötvös (Autor: Gottfried Franz Kasparek),weil man darüber viel weniger weiß als etwa über „Turandot“ (aufgearbeitet von Vera Grund). Auch die Ballettabende kommen zur Sprache.

Wahrscheinlich ist für Opernfreunde – wenn sie bei den Live-Gesprächen nicht dabei waren, und wenn sie dabei waren erst recht? – die Rubrik „Künstler am Wort“ am interessantesten, man will schließlich privat und bezüglich der Arbeit mehr von den Leuten wissen, die man auf der Bühne bewundert.

Die Auswahl ist wieder reichlich, international (Bryn Terfel, Johan Botha, obwohl er halber Österreicher ist, Olga Peretyatko), „unsere“ geliebten Oldies von Sramek bis Miljakovic, unsere Neuen (Groissböck, Serafin, Hartig), dazu Geburtstagkind Schenk und „Klassiker“ John Neumeier – und natürlich Heinz Zednik. Nicht nur wegen seines runden Geburtstags (Barbara Rett hat ihm in Ö III ausführlich gehuldigt, das muss anerkannt sein), sondern weil er ja auch Präsident der Freunde der Wiener Staatsoper ist. Und vor allem, weil er so viel zu erzählen hat.

Wie immer gibt es die beiliegende CD mit Musikbeispielen der vorangegangenen Spielzeit, und wie immer ist das ein Buch, das man gar nicht empfehlen muss, weil es sich für Opernfreunde von selbst versteht.

Renate Wagner

 

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