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DIE KUNST IM GEWANDHAUS

06.09.2020 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

DIE KUNST IM GEWANDHAUS |
THE ART AT THE GEWANDHAUS
Ein Gesamtkunstwerk aus Form, Farbe und Klang |
A Gesamtkunstwerk of Form, Colour and Sound
Autoren: Sigrid Hofer, Luisa Senkowsky, Peter Sondermeyer
176 Seiten, 172 farbige Abbildungen, mit Schwarz-Weiß-Abbildungen, Verlag: Seemann, 2020

Ab 17. September 2020 im Buchhandel

Ein „Gewandhaus“ ist es heute freilich längst nicht mehr, aber als in Leipzig, einer Stadt, die in Deutschland immer für ihre Musikkultur führend war, 1743 ein Orchester gegründet wurde, das anfangs in einem Gasthof spielte, übersiedelte man 1781 in das Zunfthaus der Tuchhändler. Seither ist „Gewandhaus“ das Synonym für Leipziger Musikleben.

Und der Name blieb erhalten, so sehr sich die Gebäude für die Musikausübung auch ändern sollten. 1884, als man sich ein neues Haus baute, 1944, als es im Bombenhagel unterging, 1981, als die DDR das (auf starke Initiative von Kurt Masur) neu errichtete Gebäude am Augustusplatz eröffnete. Es war ein für die damalige Zeit höchst „moderner“ Bau, der auch heute noch mit seiner großen, offenen Glasfassade höchst zeitgemäß wirkt.

Wie viele diktatorische Regime hat die DDR besondere Aufmerksamkeit auf die Pflege von Kunst und Kultur gerichtet und hat ihren futuristischen Bau, der an sich der Musik galt, mit Kunstwerken bestückt. (Man hat auch nach der Wiedervereinigung einiges hinzugefügt.)

Nun zeigt ein großformatiger zweisprachiger (Deutsch und Englisch) Bildband, dass in Leipzig jeder Konzertbesuch auch zum Museumsbesuch werden kann. Großformatige Fotos blenden in einzelne Räumlichkeiten, fokusieren aber auch einzelne Kunstwerke. Darüber gibt es eine Übersicht über Künstler und Werke, wobei – was niemanden verwundern wird – viele Musikerbüsten ins Auge fallen.

Interessanterweise hat man bei der „Kunst im Gewandhaus“ nicht rückwärtsgewandt agiert. „Moderne“, auch wenn sie schon alt ist, findet sich überall – zweifellos ist Ernst Barlachs „Singender Mann“ ein Höhepunkt. Die Köpfe von Mozart, Beethoven, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms und Bruckner, Grieg, Tschaikowsky begegnen dem Betrachter, desgleichen Goethe aber auch Dirigenten, die dem Haus besonders verbunden waren wie Arthur Nikisch, Franz Konwitschny, Vaclav Neumann und Kurt Masur oder die Sängerin Elena Gerhardt, vor dem Zweiten Weltkrieg eine Pionierin des Liederabends.

Dazu sieht man Gemälde zum Thema Musik im weitesten Sinn, die besonders gut auf den großformatigen Fotos zur Geltung kommen: Das Deckengemälde „Gesang vom Leben“, geschaffen vom Leipziger Künstler Sighard Gille, gilt als Aushängeschild des Gewandhauses und als größte zeitgenössische Deckenmalerei in Europa.

Im Ganzen sind es über 40 Kunstwerke nationaler und internationaler Künstler, die heute noch zeigen, dass es in der DDR Verantwortliche gab, die Kunst über den engen Rahmen der Ideologie hinaus begriffen haben.

Renate Wagner

 

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