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DA GEHT NOCH WAS!

09.09.2013 | Allgemein, FILM/TV, KRITIKEN

 FilmPlakat Da geht noch was

Ab 13. September 2013 in den österreichischen Kinos
DA GEHT NOCH WAS!
Regie: Holger Haase
Mit: Florian David Fitz, Henry Hübchen, Leslie Malton, Marius V. Haas, Thekla Reuten u.a.

Die ideale Familie kannte der kleine Conrad Schuster nur aus der Fernsehwerbung. Der Vater, Gewerkschaftsfunktionär, lebte nach dem Motto gnadenlos eingeforderter Leistung. Die Mutter, an sich liebenswert, hatte nicht genug Kraft, Söhnchen vor Papa zu schützen. Keine schönen Erinnerungen. Sie huschen anfangs am Kinobesucher vorbei, aus dem Off kommentiert. Und dann ist man schon bei Conrad, nun erwachsen, nun selbst Vater eines Sohnes.

Dieser Conrad, dem Florian David Fitz seine ganze bemerkenswerte darstellerische Sensibilität gibt, ist ein Yuppie. Erfolgreicher Unternehmer, mit einer erfolgreichen Lektorin verheiratet. Arbeit kommt bei beiden zuerst, der eigene Sohn – Jonas ist etwa 13 – ist schon seit Jahren ins Internat abgeschoben. Selbst Conrads Traum vom Haus in der abgeschiedenen Landschaft entspricht den chicen Vorgaben der Erfolgreichen. Er müsste verdammt unsympathisch sein, aber das lässt Fitz – seit seiner Darstellung des Carl Friedrich Gauß in Kehlmanns „Vermessung der Welt“-Verfilmung eine erste Adresse deutscher Filmschauspieler – nicht zu. Er hat auch am Drehbuch mitgebastelt und sorgt dafür, dass die Geschichte ganz schnell real-menschlich wird. Am Ende sogar fast zu betulich und freundlich. Sei’s drum. Kino ist Wunscherfüllungsort, auch wenn es sich nicht um Hollywood handelt.

Conrad schnappt Sohn Jonas und will zu einem Kurz- und Kürzest-Pflichtbesuch bei den Eltern eintreffen (seine Frau ist schon zum Wellness-Urlaub vorausgefahren, er hat die Absicht, gleich nachzukommen). In Papas Einfamilienhaus wartet Henry Hübchen auf den Kinozuschauer, und dieser ist ja einer der ganze Großen: Mürrisch, unfreundlich, aber trickreich im Alltag, und das braucht er auch. Die Gattin ist ihm nämlich nach 40 unerträglichen Jahren endlich davon gelaufen. Und da fällt dem Alten allerlei ein, Sohn und Enkel bei ihm zurück zu halten. Sie tun es stöhnend – und kommen auf den Boden des realen Lebens zurück. Das zwar nicht den modernen Gesetzen von Ernährung, Fitness, Wohnkultur und dergleichen entspricht, aber menschlich substanziell ist, wenn man einmal durch die verhärteten Beziehungsschichten durchstößt. Das balanciert sich mit jeder Menge echtem Humor wundervoll aus.

Da geht noch was Opa und Enkel

Im Grunde ist es der Drei-Generationen-Mann-Film, wo zu Opa Hübchen und Papa Fitz noch Sohn Marius V. Haas stößt, der mit der schnoddrigen Nüchternheit der heutigen Jugend antritt und schnell den Boden unter den Füßen verliert, wenn er sich ins Nachbartöchterchen verliebt. Auch schön menschlich. Von den Damen am Rande kommt dann die Mutter stark zum Vorschein – Leslie Malton, die heute als Oma noch so viel mädchenhaften Zauber ausströmt wie einst als wirkliches junges Mädchen bei Tabori und im Burgtheater.

Natürlich – wenn Opa und Oma wieder zusammen gebracht werden müssen, unternimmt das Drehbuch einiges an mühseligem Unsinn, und dass die Yuppie-Gattin (reizvoll die Holländerin Thekla Reuten) dem auf „normal“ zurückverwandelten Ehemann schließlich doch nachstöckelt, darauf würde man sich im wahren Leben nicht verwetten.

Aber in diesem durch und durch liebenswerten, sympathischen, menschlich feinen Film von Regisseur Holger Haase passiert letztlich dank der Darsteller alles glaubhaft. Freilich, die neue große Zeit des deutschen Lustspiels – wie man es einst rund um den „Bewegten Mann“ erlebte – ist noch nicht gänzlich angebrochen. Aber mit Florian David Fitz hat man, wie auch mit Matthias Schweighöfer, Darsteller, die das tragen können.

Renate Wagner

 

 

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